"Die Kinder sollten rausfinden ,Theater ist ja schön‘" sagt Jessica Latein, Theaterpädagogin am Theater Schloss Maßbach - unterfränkische Landesbühne. Etwa 230 Buben und Mädchen der Julius-Kardinal-Döpfner-Schule in Schweinfurt samt der beiden nach Üchtelhausen ausgelagerten Klassen sind nun kleine Theater-Experten. Diese Caritas-Schule mit dem Schwerpunkt Sprachförderung war ein Jahr lang Partnerschule des Maßbacher Theaters.
Sie besuchten Aufführungen der Stücke "Bambi" und "Ronja Räubertochter". Damit nicht genug. Die Kinder setzten sich in Vor- und Nachbesprechungen ausführlich mit den Stücken auseinander. Sie durften bei ihren Besuchen in Maßbach auch hinter die Kulissen schauen und sogar Proben besuchen und mit Schauspielern sprechen. Beim Blick in die Requisitenkammer fielen ihnen unter anderem die Pommes aus Holz auf. Zum Schuljahresende, das auch das Ende der Schulpartnerschaft bedeutet, besuchten Rektorin Simone Bernard, Konrektor Andreas Hagedorn und die Leiterin der heilpädagogischen Tagesstätte Veronika Grebner das Theater, um sich bei der Leiterin Anne Maar, der Theaterpädagogin Jessica Latein und allen anderen Theaterleuten herzlich zu bedanken. Der Theaterpädagogin überreichten sie einen großen Strauß roter Gladiolen. Diese revanchierte sich mit zwei Urkunden, je eine für Schweinfurt und für Üchtelhausen.


Interessierte Kinder und Lehrer

Jessica Latein erzählte, dass sie vielfach in Schweinfurt und Üchtelhausen in den Klassen war, um mit ihnen die beiden Stücke "Bambi" und "Ronja Räubertochter" vor oder nach dem Besuch der Aufführungen zu besprechen. Dabei ging es nicht nur um die Theaterstücke, "da kamen sogar auch existenzielle Themen auf", berichtete die Theaterpädagogin.
Auch mit den Lehrerinnen und Lehrern veranstaltete sie einen Theater-Workshop. "Ich hätte nicht gedacht, dass Sie als fremde Person mit den Kindern so gut arbeiten können. Das hat sehr schnell geklappt", lobte Veronika Grebner ihre Arbeit. Ein dickes Lob bekamen die Kinder ab: Bei der Nachbearbeitung wussten sie noch viel vom Inhalt der Stücke. Dies mache deutlich, dass sie nicht unterschätzt werden dürften.


Theatergruppe gegründet

Ein schöner Nebeneffekt der Zusammenarbeit mit dem Theater war, dass sich an der Schule in Schweinfurt aus mehreren Klassen eine Theatergruppe gebildet hat, die sich einmal pro Woche trifft. Veronika Grebner erzählte, dass eines der Kinder nun, so sein Vater, daheim Theater spielt und in sämtliche Rollen schlüpft, die es bei den Aufführungen miterlebt hat. Auch Andreas Hagedorn meinte: "Das ist für die Kinder etwas ganz Anderes. Sie schlüpfen in Rollen und trauen sich mehr."
Die Schweinfurter Schule war die fünfte Partnerschule nach Mellrichstadt, Hassfurt, Bergrheinfeld und zuletzt Nüdlingen. "Wir wechseln bei den Schularten und bei den Landkreisen immer wieder ab", sagt Theaterchefin Anne Maar. Sie hat sogar verraten, wer im nächsten Schuljahr an der Reihe ist: Zum ersten Mal werden gleich zwei Schulen dabei sein, die Grundschule Poppenlauer-Maßbach und die Mittelschule Maßbach. "Nur, weil sie so nah sind, konnten wir sie nicht auf Dauer ausschließen. Jetzt machen wir das mal", sagt sie. Dieses Jahr hat sich ein Dutzend Schulen beworben, so viele wie noch nie. Die Schweinfurter Schule, die keinen Etat für den Transport ihrer Schüler nach Maßbach hatte, musste sich dafür Sponsoren suchen, erzählte der Konrektor der Julius-Kardinal-Döpfner-Schule. Diese Sorge haben die Maßbacher Schulen kaum. mdb