Neuenmarkt/Kulmbach —  "Ich bin die zweite Schulbeste an der Wirtschaftsschule Neuenmarkt aus meiner Familie", schallt es fröhlich aus dem Telefon heraus. Wollte Anna Greim ihrer Schwester Lena nacheifern, die im vergangenen Jahr mit einem Notendurchschnitt von 1,37 Staatspreisträgerin gewesen war? Den Gedanken weist die 16-jährige weit von sich. Die Schule habe ihr immer viel Spaß bereitet - und das ohne viel lernen zu müssen, betont die Schulbeste.

Die Mittlere Reife hat die Marktleugasterin mit dem exzellenten Notendurchschnitt von 1,12 abgeschlossen. Sie wird mit einem Staatspreis ausgezeichnet. "Momentan haben wir einen regelrechten Lauf. Während wir in den ersten neun Jahren unseres Bestehens keinen einzigen Staatspreis ergattern konnten, räumen wir heuer schon den zweiten in Folge ab, was uns mit Stolz erfüllt. Anna Greim gehört zu den drei besten Wirtschaftsschulabsolventinnen und -absolventen in ganz Oberfranken", schwärmt Oberstudiendirektor Marco Stumpf bei der Abschlussfeier im beruflichen Schulzentrum (BSZ) Kulmbach. Er leitet die Bildungseinrichtung, die eine Außenstelle des BSZ ist.

Insgesamt 15 Absolventen werden verabschiedet. Wer im Abschlusszeugnis einer Wirtschaftsschule einen Durchschnitt von mindestens 1,5 erreicht, kann mit einer Staatspreisurkunde ausgezeichnet werden. Allerdings werden jedes Jahr den acht oberfränkischen Wirtschaftsschulen im Durchschnitt nur drei bis vier Staatspreise zugeteilt.

Die Wirtschaftsschule in Neuenmarkt besucht Anna Greim nicht wegen der kaufmännischen Inhalte, sondern aus einem ganz anderen Grund. Die Marktschorgasterin ging zunächst auf die Ganztagesrealschule in Gefrees. Nach der sechsten Klasse wechselte sie an die Neuenmarkter Schule, an der Halbtagesunterricht gegeben wird. Das war für sie der ausschlaggebende Punkt. "Am Nachmittag konnte ich auf dem elterlichen Bauernhof meinem Vater beim Ölwechsel an seinem Traktor oder beim Austausch der Pflugschare helfen", erzählt die 16-Jährige. Zudem habe Sie ihre Schwester für die Neuenmarkter Schule begeistert. Die coolen Lehrer hätten dafür gesorgt, dass sie immer gut motiviert gewesen sei. Durch ihre hohe Auffassungsgabe habe sie nur ganz wenig für Schulaufgaben lernen müssen.

Ein Faible für schweres Gerät

Anna Greim wird ebenso wie ihre Schwester Lena, die derzeit eine landwirtschaftliche Lehre absolviert, nach der mittleren Reife eine Ausbildung durchlaufen, die mit betriebswirtschaftlichen Inhalten nichts zu tun hat hat. Die Jugendliche, die gerne mit ihren Händen arbeitet, erlernt bei der BIV Bau- und Industriegeräte Vertriebs GmbH in Bindlach den Beruf der Baumaschinenmechatronikerin. "Ich finde es faszinierend, wie man mit einem Tropfen Diesel in einem Bagger einen schweren Steinbrocken bewegen kann", begründet Anna Greim ihre Berufswahl. Von Stumpf darauf angesprochen, ob Landmaschinen nicht naheliegender wären, antwortet die junge Dame vom Bauernhof schlagfertig: "Die sind mir zu klein!"

Landrat Klaus Peter Söllner, Schulleiter Alexander Battistella vom BSZ und Marco Stumpf überreichen ihr den mit 75 Euro dotierten Staatspreis. Battistella ermuntert die jungen Leute, Verantwortung in Beruf und Gesellschaft zu übernehmen.