Lücken im Radwegenetz sollen nun geschlossen und bestehende Radwege optimiert werden. Nicht nur, um das Freizeitradeln Landkreis attraktiver und sicherer zu machen, sondern um mehr Radfahrer im Alltag auf den Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen auf die Piste zu bringen. Der umweltfreundliche Lückenschluss zwischen motorisiertem Individualverkehr und ÖPNV stand schon länger auf der Agenda des Landkreises. Doch erst mit dem nun fertig- und vorgestellten (s. Artikel unten) Alltagsradverkehrskonzept ist klar, wo die Lücken sind, welche Problemstellen bestehen und wie Gefahrenpunkte sicherer zu machen sind, um das Radfahren möglichst ganzjährig zur attraktiven Alternative zu machen.

Die Alltagsradwege sollen im Gegensatz zu Freizeitrouten vor allem schnell, direkt und möglichst asphaltiert sein. Daher verlaufen sie zumeist nah an den Hauptverkehrsströmen. Sicherheit und Komfort sind weitere wesentliche Aspekte. Wer umwelt- und klimabewusst aufs Auto verzichten oder corona-bedingt Bus- und Bahnfahren meiden möchte, kann also hoffen. Hoffen, dass es kein Konzept für die Schublade ist, sondern das, was alle Beteiligten bei der Erarbeitung und Vorstellung beabsichtigten und beteuerten: ein Leitfaden, eine Handlungsanleitung und der Startschuss für die Umsetzung. "Ein Schlussbericht, der erst der Anfang ist", heißt es vielversprechend in einer Pressemitteilung des Landratsamtes.

Was also ist zu tun? Von einem 775 Kilometer langen Alltagsradwegenetz, das die Experten des Büros Topplan im Frühjahr genau unter die Lupe nahmen, stuften sie knapp 600 Kilometer als aktuell befahrbar ein - Mängel und Gefahrenstellen nicht ausgeschlossen. Das heißt, fast 200 Kilometer fehlen noch. Radwege, die erst angelegt und gebaut werden müssen.

In Planung oder schon in Bau

Manche sind schon in Planung, zum Beispiel - und das soll das Leuchtturmprojekt werden - der Ausbau des regionalen Radschnellwegs Bamberg-Forchheim-Erlangen. Einige andere Strecken für den überörtlichen Radverkehr innerhalb des Landkreises Bamberg sind ebenfalls schon in Bau, oder zumindest in der Planung. So etwa die Verbindung zwischen Baunach und Appendorf. Die weiterführende Verbindung von Appendorf bis Oberhaid ist dagegen noch als Wunschlinie eingetragen.

Zwischen Scheßlitz und Wattendorf soll es entlang der Staatsstraße eine sichere Radverbindung geben. Die Pläne reichen bisher von Burgellern bis Stübig. Der weitere Verlauf ist ebenfalls noch Wunsch. Eine weitere große Ortsverbindung, ist beispielsweise die zwischen Scheßlitz und Zapfendorf.

Wunsch ist auch eine Route durchs Tal der Rauhen Ebrach. Zwischen Frensdorf und Reundorf wurde der Radweg in diesem Jahr fertiggestellt. Der letzte Lückenschluss bis Pettstadt steht noch aus. Eine direkte Alltagsverbindung der Orte entlang der Reichen Ebrach ist dagegen erst zwischen Röbersdorf und Herrnsdorf in der Planungsphase. Ziel ist es aber, die Strecke über Wingersdorf, Sambach und Steppach an der Staatsstraße bis in den Landkreis Erlangen-Höchstadt und schließlich nach Schlüsselfeld weiterzuführen.

Das gesamte Alltagsradwegenetz ist aber nur der Grundbaustein des Konzeptes. Ein wichtiger Bestandteil, der nicht vernachlässigt werden darf, sind Parkmöglichkeiten für Fahrräder an möglichst vielen Zielorten. 70 davon sind in dem Konzept aufgelistet.

Dazu zählen auch die Mobilstationen, die im übergeordneten intermodalen Mobilitätskonzept des Landkreises als Dreh- und Angelpunkte vorgesehen sind. Sie sollen den Umstieg vom Rad auf den öffentlichen Nahverkehr (Busse und Bahnen) sowie das E-Carsharing des Landkreises oder Fahrgemeinschaften erleichtern. Denn viele Pendler nach Bamberg oder in andere Teile des Landkreises werden nicht die ganze Strecke mit dem Rad zurücklegen wollen, aber sehr wohl bereit sein, Teilstrecken mit weniger guter ÖPNV-Verbindung auf zwei Rädern zurückzulegen.

Ein ganz entscheidender Aspekt des Konzeptes ist neben dem Ausbau des Netzes die Verbesserung der bestehenden Strecken. Im Mittelpunkt steht hier die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer. Deshalb sind dem 70-seitigen Handbuch auch Datenblätter für alle 36 Landkreisgemeinden angefügt, die auf Gefahrenstellen hinweisen und Verbesserungsvorschläge machen. Problemfälle sind vor allem die Ortsdurchfahrten, wo sich Rad- und Autoverkehr mischen.