Was sofort ins Auge fällt, ist das strahlend weiße Portal der Reithalle. War das vorher nicht dunkler? Die Erinnerung trügt nicht, es wurde, weil man die beiden Türflügel im Rahmen der Bauarbeiten sowieso ausbauen musste, überarbeitet. Zur Freigabe des neu gestalteten Platzes zwischen Reithalle, Arkaden, Marstall und Otto-Waldrich-Wohnheim am Donnerstagmorgen bildete das Portal auch gleich den Rahmen für die musikalische Begrüßung: Begleitet von Mairi Harris Grewar am Flügel gab Francesca Paratore zwei klassische Stücke zum Besten, wobei die Arie der Despina aus Mozarts "Cosi fan tutte" schon ein Vorgeschmack sei auf die geplante Premiere im Frühjahr, wie Intendant Bernhard Loges verriet.

Das Landestheater mit seiner Reithalle war von den aufwendigen Bauarbeiten auf dem Vorplatz ebenso betroffen wie die Anwohner drumherum und der Kindergarten Marienschule, dessen Kinder bei der Freigabe ebenfalls ein Lied sangen. Ihnen allen dankte der Geschäftsführer der Coburger Wohnbau (WSCO), Christian Meyer, ganz besonders für ihre Geduld, denn die war reichlich gefragt in den vergangenen zwei Jahren.

Es sei hier eben nicht darum gegangen, "nur ein paar Steine zu verlegen", wie sich Meyer während der Bauzeit immer wieder anhören musste. Weil der Platz mitten im Sanierungsgebiet V - Leopoldstraße liegt, mussten zunächst die Vorgaben diverser Ämter und Stellen aufeinander abgestimmt werden. Dann hatte auch die Coburger Politik noch einige Wünsche und Anträge, die einzuarbeiten waren. "Wir mussten einen Kompromiss finden, der alle zufriedenstellte", erinnerte Meyer. Doch dann ging es erst richtig los, denn der Untergrund auf dem Areal machte den Bauherren Sorgen. Bis in drei Meter Tiefe wurde gegraben, und am Ende mussten alle Versorgungsleitungen neu verlegt und Altlasten aufwendig entsorgt werden.

Sanierung startete 1995

"Es ist nicht alles glatt gelaufen, aber das Gesamtergebnis lässt sich sehen", urteilte Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD). Als Schüler sei er neun Jahre lang täglich auf dem Weg vom Kalenderweg zum "Ernes" an dem "Schmuddeleck" vorbeigekommen. Umso mehr freue er sich nun über das "Schmuckstück am Eingang zum Schlossplatz und Hofgarten." Das gesamte Stadtviertel habe durch die Sanierung (Start war genau vor 25 Jahren) gewonnen und sein Gesicht verändert. Aus einem Gebiet mit engen, schlecht ausgestatteten Wohnungen, dichter Bebauung, fehlenden Anwohnerparkplätzen und viel Verkehrslärm sei ein "lebendiges Quartier mit hoher Wohn- und Lebensqualität geworden", so der OB.

Zur Entwicklung des Sanierungsgebietes hat unter anderem auch der Coburger Unternehmer und Mäzen, Otto Waldrich, beigetragen. Besonders am Herzen lag ihm der Bau des Studentenwohnheims auf dem Grundstück des früheren Hauses Leopoldstraße 5. Die offizielle Übergabe erlebte Waldrich zwar nicht mehr, denn er starb am 15. Juli 2017. Er hielt aber postum die Zusage ein, dass das Gebäude pünktlich zum Wintersemester 2017 bezogen werden konnte.

Quasi in Vertretung für Otto Waldrich war am Donnerstag seine frühere Pflegerin Gertrud Bartelmus bei der Eröffnung dabei. Sie durfte als eine von acht ausgewählten Teilnehmern das rote Band durchschneiden und damit den Platz freigeben.