Die junge Frau lebt schon lange nicht mehr in Lichtenfels. Aber sie hatte sich am Dienstag hier zu verantworten. Grund: Schmierestehen bei einem Diebstahl in einem Lichtenfelser Sportheim.

Drei Personen beschlossen im November 2018 kurz nach 5 Uhr morgens, in das Sportlerheim des ESV einzubrechen. Eine davon war die heute 27-Jährige. Das warf ihr bei Verlesung der Anklageschrift Staatsanwalt Alexander Brandt vor, und die einstige Lichtenfelserin zeigte sich im Saal 14 des Amtsgerichts mehr als nur geständig.

"Also das war richtig. Ich stand die ganze Zeit bei den Büschen und habe geguckt, dass keiner kommt." Das Kuriose bei dem Einstieg ins Sportheim: Das Diebesgut bestand aus Flaschenpfand in Höhe von drei Euro. Mit 150 Euro war der am Fenster verursachte Sachschaden um das 50-Fache höher als der Beutewert. Von besonderem Interesse war für das Gericht die Frage, wie drei junge Menschen zu dieser Uhrzeit auf eine solche Idee verfallen konnten. "Wir waren unter Drogen. Wir haben zu Hause gesessen und haben konsumiert (...), sind dann auf die Idee gekommen, einen Blödsinn zu machen." Allerdings war es auch die Frau selbst, die anderntags bei der Polizei für Erhellung in dem Fall sorgte. "Ich sah es ein, rief selbst die Polizei an und gestand."

"Wodka, Wodka jeden Tag"

Seit ihrem 13 Lebensjahr, so schilderte die im Personalmanagement Tätige, habe sie Alkoholprobleme. Zudem verkonsumierte sie an jenem Novembertag auch Crystal Meth. "Und Wodka, Wodka jeden Tag - oft mit 50 Prozent Rum dazu." An diesem Tag habe sie eine Flasche Schnaps intus gehabt. Rückblickend sei sie durch Alkohol in falsche Kreise geraten. "Ich hatte richtig schlechten Umgang und war dadurch - schlecht." Sogar in die Obdachlosigkeit sei sie geraten. Darüber hinaus aber auch in eine Suchtklinik, wo sie Abstand zu ihrer Sucht bekommen habe. Richterin Daniela Jensch versuchte herauszubekommen, was das Ziel des Einstiegs ins Sportlerheim war. "Langeweile - rausgehen." Dass dabei nur Flaschenpfand heraussprang, fand die junge Frau "lächerlich", andererseits aber auch beängstigend, sei ihr doch aufgegangen, zu was sie da beigetragen hat. "Dachte mir noch: Jetzt habe ich Dreck am Stecken." Das Bundeszentralregister der Frau wies keine Einträge auf - sie war bis dato unbescholten. Auch machte auf das Gericht Eindruck, dass sie sich aus ihrem Milieu gelöst hatte und sogar in ein anderes Bundesland verzog. Dort geht sie einem Beruf nach und lebt in einer Partnerschaft. Aus all diesen Gründen regte Richterin Jensch an, das Verfahren gegen Zahlung eines Geldbetrags einzustellen. Mit dieser Vorgehensweise zeigte sich auch Staatsanwalt Alexander Brandt einverstanden. Was auf die junge Frau nun zukommt, ist eine Zahlungsanweisung in Höhe von 450 Euro.