Der Krieg in der Ukraine und die spürbaren Folgen des Klimawandels - was weit weg klingt, hat doch auch Auswirkungen auf die Region. Grund genug für Schlüchterns Bürgermeister Matthias Möller (parteilos), diese frühzeitig genauer unter die Lupe zu nehmen - und den Haushalt der Stadt einem "Stresstest" zu unterziehen.

Zusammen mit einem Team von Fachleuten im Rathaus wurde das Zahlenwerk auf die Preissteigerungen im Energiesektor sowie der damit zusammenhängenden inflationsbedingten Kosten- und Preissteigerungen im Material- und Dienstleistungsbereich genauer abgeklopft.

35 Prozent Erhöhung

Das ernüchternde Ergebnis: Natürlich hat das Auswirkungen auf den Ergebnishaushalt sowie auf investive Maßnahmen.

Nach einer ersten, überschlägigen Berechnung werden sich die unmittelbaren Energiekosten um mehr als 35 Prozent, das heißt um rund 450.000 Euro, gegenüber dem Vorjahr erhöhen. Bei den Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen (inklusive unmittelbare Energiekosten), im Haushalt 2022 mit rund 8,325 Millionen Euro veranschlagt, steht eine Kostensteigerung im Schnitt von etwa 25 Prozent und damit einem Volumen von rund 2,1 Millionen Euro im Raum. Inwieweit Ertragsausfälle beim Steueraufkommen zu erwarten sind, lasse sich gegenwärtig noch nicht abschätzen. Hier werden Auswirkungen ab dem 3. Quartal erwartet.

Sperren angeordnet

"Mit der Kämmerei habe ich unverzüglich zur Kompensation der erwarteten Mehraufwendungen vorsorglich Vorbereitungen getroffen und Sperren in allen Bereichen des Haushaltsplans angeordnet", so die Reaktion von Möller. In der kommenden Stadtverordneten-Sitzung werde er das Parlament anhalten, wie bereits in den vergangenen zwei Jahren geschehen, erneut massiv auf die Kostenbremse zu treten.

Darüber hinaus werden alle investiven Maßnahmen bezüglich einer zeitlichen Zurückstellung beziehungsweise einer Priorisierung geprüft. Grundsätzlich gelte jedoch: "Das, was wir begonnen haben, werden wir auch sauber ins Ziel bringen."

Drastisch umdenken

Neue Projekte müssten jedoch kritisch geprüft werden. Schließlich haben sich Lieferketten verschoben, Preise seien schwerer kalkulierbar und Bauzeiten nicht mehr verlässlich.

Die aktuellen Entwicklungen zeigten mehr denn je: In vielen Bereichen sei es höchste Zeit "drastisch umzudenken". Die Stadt Schlüchtern sei sich dieser Verantwortung bewusst, schließlich gehöre sie zu den größten Arbeitgebern sowie Grund- und Immobilienbesitzern in der Region.

Eine Konsolidierung werde er jedoch keinesfalls mit dem Rasenmäher betreiben. "Wir wollen sinnvoll die Ausgabenseite senken und die Einnahmen erhöhen, um den Haushalt auf lange Sicht zu stabilisieren", weist Möller den Weg.

Eine große Bedeutung komme in diesem Zusammenhang der neu gegründeten Stadtentwicklungsgesellschaft zu, die nicht mehr alles dem freien Markt überlassen werde.

Photovoltaik nutzen

"Wir beschaffen Waren und Dienstleistungen in Millionenhöhe. Dabei steht und stand die Nachhaltigkeit immer in meinem Fokus", betont Möller. Erklärtes Ziel sei es, den gesamten CO2-Ausstoß weiter drastisch zu reduzieren, indem die Stadt beispielsweise verstärkt die Photovoltaik-Technik nutze sowie moderne Heiz- und Energieformen in viele städtische Liegenschaften integriere. Der Verbrauch müsse drastisch gesenkt werden.

Der Bürgermeister ist stolz darauf, schon in der Vergangenheit einige wichtige Schritte im Sinne der Nachhaltigkeit gegangen zu sein.

So sei die Stadt Mitglied im Klimapakt für Schlüchtern des Vereins für Wirtschaft und Tourismus (WITO) und unterstütze den heimischen Zukunftswald. Die Kleinmarkthalle fördere die Vermarktung regionaler Produkte. Das unter seiner Führung entstandene E-Mobilitätskonzept setze Maßstäbe.

Limit bei Windkraft erreicht

"Ich will die Stadt auch weiterhin positiv und nachhaltig entwickeln, beispielsweise beim weiteren Ausbau erneuerbarer Energien."

Nur in einem Punkt sieht er die Kommune an der Grenze des Machbaren: Seinen Beitrag in Sachen Windkraft habe Schlüchtern bereits geleistet. Die Region beherberge bereits nahezu ein Drittel aller Windkraftanlagen im gesamten Main-Kinzig-Kreis. ls