In einer etwas anderen Form präsentierte sich die 64. Orgelzeit in der evangelischen Kirche von Herzogenaurach. Zur Unterstützung seiner Reihe hatte sich Gerald Fink den Schaeffler-Vorstandsvorsitzenden Klaus Rosenfeld mit seiner Violine geholt. Mit ihm kombinierte Fink Musik und Gespräch im Wechsel.

Von Fink nach seiner Stimmung befragt, merkte Rosenfeld an, dass diese natürlich nach Lage mal eher dur oder moll sein könne. Die beiden Musiker hatten sich dazu Präludium und Fuge von Johann Sebastian Bach ausgesucht.

Welche Bedeutung haben Musik und Kirche für den Topmanager, wollte Fink mit seiner nächsten Frage wissen. Klaus Rosenfeld hatte ein musikalisches Elternhaus, der Bruder spielte Orgel, während er selber das Violinenspiel erlernte. In der protestantischen Familie war es üblich, durchschnittlich jeden zweiten Sonntag in die Kirche zu gehen, was er auch passend fand. Da für Rosenfeld Musik und Kirche zusammengehören, war es von dieser Einschätzung nicht weit zur Orgel. Aus diesem Grund fiel es ihm nicht schwer, sich als Vorsitzender des Orgelbauvereins für eine neue Orgel in der evangelisch-lutherischen Kirche in Herzogenaurach zu engagieren.

In die Kirche gehört Musik

Auch für Fink war es selbstverständlich, dass man sich Kirche ohne Musik nicht vorstellen kann. Aus diesem Grund hatten sich die beiden Protagonisten eine Komposition von Johann Sebastian Bach ausgewählt, die alle kennen, "Jesus bleibet meine Freude".

Einen weiteren Punkt schnitt Fink mit der Kombination Musik und Wirtschaftswelt an. Für Rosenfeld ist es bei der musikalischen Ausbildung wichtig, zuzuhören, denn wer nicht zuhört, lernt nicht und versteht nicht. Auch für den Vorstand in einem Wirtschaftsunternehmen sei diese Eigenschaft wichtig, man müsse sich darüber hinaus auch ohne viele Worte verständigen können. Außerdem gehöre Souveränität dazu. Ein Musiker müsse lernen, mit unterschiedlichen Tempi umzugehen, was ebenso in der Wirtschaft von Bedeutung sei.

Aber natürlich müssen alle auch das gleiche Tempo haben, merkte hier Fink an. Eine gute Führungskraft ist für Rosenfeld wie ein Dirigent, der es schafft, mit unterschiedlichen Personen einen gemeinsamen guten Klang zu erschaffen. Aus diesem Grund folgte ein Musikstück mit den Tempi langsam und schnell, das Concerto d-Moll für Orgel und Geige von Antonio Vivaldi. Wobei die Geige hier eine ebenbürtige Solopartnerin ist, wie Fink anmerkte. Tatsächlich ergänzten sich die beiden Musiker in idealer Weise.

Eine weitere Frage von Fink war die nach der Heimat: "Wo ist Heimat, findet man Heimat in der Kirche, im Glauben, etwa in Herzogenaurach?" Für Rosenfeld ist die Heimat da, wo seine Frau, seine Familie ist, in Frankfurt am Main. Dort wohnt er seit vielen Jahren. Darüber hinaus ist Herzogenaurach ein wichtiger Teil seines Lebens, wo er viele Kollegen hat und Verantwortung trägt. Wobei es für Rosenfeld keine Frage der Größe einer Stadt ist, in der man sich wiederfindet. Auch wenn er seine Heimat in Frankfurt hat, möchte er Herzogenaurach nicht missen.

Angemessen dazu kündigte Fink von Felix Mendelssohn-Bartholdy der erste Satz aus seiner 3. Orgelsonate A-Dur an, ein jubelndes, fröhliches Stück, eine Fuge mit Acceleration.

Die letzte Fragerunde betraf die Werte eines Lebens und was davon übrigbleibt. Für Rosenfeld sind wichtige Werte Respekt, Fairness und Miteinander, Grundlagen für das Zusammenleben, die man in der Kindheit gelernt hat. Bei Schaeffler verdiene die Arbeit an der Werkbank genauso viel Respekt wie seine eigene Tätigkeit. Groß sei sein Respekt vor Maria-Elisabeth Schaeffler und Jubilaren, die Jahrzehnte bei der Firma gearbeitet haben. "Herzogenaurach ist ein Ort, an dem Respekt gelebt wird", war Rosenfeld der Überzeugung.

Im Gästebuch des Ferienhauses, in dem die Familie Rosenfeld ihre Ferien verbringt, steht ein Eintrag, den Rosenfeld sinngemäß zitierte: Häuser leben länger als Menschen, noch länger der Wind, was bleibt, sind Erinnerungen. Was bleibt also von unserem Leben übrig? Sich dem Leben zu stellen und Erinnerungen haben!

Eine gemeinsame Liebe

Wie Fink feststellte, hatten er und Rosenfeld als gemeinsame Liebe das Abendlied von Josef Gabriel Rheinberger entdeckt, den sich daran anschließenden musikalischen Programmpunkt.

Für die Zuhörer stellten sowohl der gedankliche Austausch von Fink und Rosenfeld als auch das musikalische Zusammenspiel eine gelungene Kombination dar. Beide Musiker erwiesen sich als Könner mit ihrem Instrument. Als Zugabe spielten beide "Guten Abend, gut Nacht", bekannt durch die Vertonung von Johannes Brahms.

Im Anschluss daran konnten die Zuhörer im Foyer bei Getränken wie dem neu kreierten Orgelbier von der Herzogenauracher Brauerei Heller, aber auch einem Glas Wein verweilen und sich austauschen.