Andreas Lösch

Darauf ist Verlass - sobald der Winter sich zügelt und die ersten sonnig-warmen Tage ein graukaltes Franken vorübergehend vergessen machen, schwärmen sie aus: die Fahrradfahrer. Den Kreis Haßberge mit seiner schönen Landschaft nutzen sie da besonders gerne für ausgiebige Touren.
So war es überhaupt nicht schwierig, für diesen Artikel Radler ausfindig zu machen. Dazu musste sich der Reporter nur vor die Redaktion stellen, denn durch Zeil radelt immer wer. Das wäre jedoch zu einfach, also bezog der Fränkische Tag auf dem Radweg zwischen Sand am Main und Limbach Stellung und siehe da: Keine Minute Wartezeit und Hermann und Silvia Krauß kommen angeradelt.
Das Ehepaar aus Trunstadt lässt sich freundlicherweise aus dem Tritt bringen und steht dem Fränkischen Tag Rede und Antwort. Öfter mit dem Rad unterwegs? "Ja, wir fahren so oft es geht, am liebsten täglich", sagt Hermann Krauß. 20 bis 30 Kilometer sind dann meist die Zielsetzung. Am liebsten sind die beiden auf den Radwegen entlang des Mains unterwegs: Schöne, ebene Strecken, tolle Natur - man komme zügig voran und könne Landschaft und frische Luft trotzdem genießen. Die Fahrradwege dort seien, so urteilt Hermann Krauß, "recht gut" ausgebaut.
Er und seine Frau fänden sich gut zurecht, die Beschilderungen seien verlässlich und gäben die passende Orientierung. Dass man hin und wieder auf normale Kreis- und Staatsstraßen ausweichen muss, nehmen sie hin: Für das Ehepaar ist das kein Problem, aber sicherlich wäre es wünschenswert, gerade für Familien mit kleineren Kindern, dass die Radwege weiter ausgebaut werden.


725 Kilometer Streckennetz

Von heute auf morgen wird das Radwegenetz kaum Top-Niveau erreichen, zumal es in den unterschiedlichen Landkreisgemeinden immer wieder auch darum geht, wer den kostspieligen Radwegebau zu welchen Anteilen finanziert. Der Landkreis Haßberge hat sogar seit längerem ein kleines Förderprogramm eingerichtet, um die Idee eines radlerfreundlichen Landkreises voranzutreiben. Intensiver beworben wird der Fahrradtourismus seit einigen Jahren auch: Auf der Internetseite des Verbands Haßberge-Tourismus heißt es: "Ganze 725 Kilometer gut ausgebaute Rad- und Themenrouten locken in die Haßberge zu Wein und weiten Landschaften, Burgen und Bieren, Schlössern und Seen (...) Kaum eine Radregion bietet eine derartige Fülle und Vielfalt an Schlössern, geschichtsumwobenen Burgen und historischen Fachwerkorten inmitten einer idyllischen, in sanften Hügelwellen verlaufenden Naturkulisse."
Spüren das auch die Fahrradhändler? Michael Einbecker, der Inhaber des Fahrradgeschäfts "Fahrrad Schnaus" in der Haßfurter Innenstadt, erklärt, dass der Landkreis Haßberge schon immer ein beliebtes Ausflugsziel für Fahrradfahrer war. Dass der Tourismus weiter gefördert werden soll, hält er aber für den richtigen Ansatz. Aus Händlersicht sei die Erfolgsgeschichte des Pedelecs ein wahrer Segen gewesen, um das Jahr 2011 ging es los: Zahlreiche Menschen stiegen um von "normalen" Fahrrädern auf elektromotorunterstützte Zweiräder. Mittlerweile sind die neuen Modelle technisch auf sehr hohem Niveau, die Räder verkaufen sich gut. "Der Markt nimmt immer noch zu", sagt Einbecker.


E-Bike-Boom

Das kann auch Michael Barthel, Marketing-Leiter des Fahrradladens "bike-store" in Haßfurts Gewerbegebiet Ost bestätigen: "Von zehn Rädern, die wir verkaufen, sind etwa sieben E-Bikes", erklärt er. "Und zwar altersklassenfrei: Junge Leute sind genauso dabei wie ältere."
Er berät zu diesem Zeitpunkt gerade Wolfgang Kropp, der sich überlegt, ein zweites E-Bike anzuschaffen. Angereist ist er aus Weißenbrunn (Stadt Ebern) - mit seinem E-Mountainbike. Jetzt soll ein Trekkingrad her, Kropp will auch öfter mal mit dem Rad zur Arbeit fahren - der E-Motor-unterstützte Antrieb ist dabei von Vorteil: Man komme nicht so verschwitzt auf der Arbeit an - die Strecke, die er durch die Haßberge zurücklegen muss, "ist relativ hügelig", erzählt Wolfgang Kropp.