Zum ersten Mal seit der konstituierenden Sitzung im Mai traf sich jetzt der Gemeinderat von Kemmern. Die Themen waren vielfältig. Mit einer Sitzungsdauer, allein des öffentlichen Teils, von ziemlich genau fünf Stunden, hatte aber wohl keiner gerechnet.

Kaum hatte die Gemeinderatssitzung begonnen, schon mussten Publikum und Presse den Raum wieder verlassen. Gemeinderat Jochen Gottwald (Zukunft für Kemmern, ZfK) hatte den Antrag gestellt, Tagesordnungspunkte, die sich auf der Tagesordnung der nichtöffentlichen Sitzung befinden, in die öffentliche zu verschieben. Und darüber kann nur nichtöffentlich beraten werden. 20 Minuten später ging es weiter, Bürgermeister Rüdiger Gerst (CSU) informiert, dass die Tagesordnung unverändert bleibt.

Grünes Licht für Digitalkonzept

Nachdem Gerst bekanntgegeben hatte, dass ZfK und Bündnis 90/Die Grünen eine Fraktion im Gemeinderat bilden (ein Novum, bisher arbeitete der Gemeinderat in Kemmern stets ohne Fraktionen), leitete er zum nächsten Thema über - der Digitalisierung der Grundschule Kemmern. Zu Gast waren Rektorin Gisela Koschwitz und Siegbert Reuther von Reuther NetConsulting. Er stellte Pläne vor, wie das Schulhaus vernetzt werden könnte - mit einer umfangreichen Netzwerkverkabelung (Kabellänge rund 7,5 Kilometer), Dosen, WLAN und Medientechnik. Die Klassenzimmer würden dann über ausreichend Anschlüsse, je zwei PCs, Dokumentenkamera, Beamer und Soundbar verfügen, für die Lehrer stünden Tablets zur Verfügung.

Bei den Kosten geht Reuther von rund 110 000 Euro aus, der Eigenanteil der Kommune liegt bei 60 000 Euro. Eine Auftragsvergabe könnte schon Ende August erfolgen, so dass die Arbeiten noch in diesem Jahr abgeschlossen wären. Auf sich warten lasse allerdings noch der beauftragte Glasfaseranschluss fürs Schulhaus, mit einer Ausführung durch den Anbieter T-Systems sei bis August 2021 zu rechnen.

Unter der Voraussetzung, dass Fördergelder bewilligt werden, stimmte der Gemeinderat dem Digitalkonzept einstimmig zu. Jochen Förtsch (ZfK) regt an, auch die Turnhalle in die Netzwerkplanung mit aufzunehmen.

Im Januar 2019 hatte der Gemeinderat ohne Gegenstimmen beschlossen, die Schulturnhalle energetisch zu sanieren und mit einem neuen Heizsystem zu versehen. Architekt Karl-Heinz Rösch erklärte bereits damals, dass die Dachkonstruktion Schwierigkeiten bereiten könnte, da die Heizplatten einiges an Gewicht mitbrächten. Dies habe sich bestätigt, gab Rösch nun an die Gemeinderäte weiter. Daher sehe er zwei Möglichkeiten: Die Turnhalle könne mit einem anderen Heizsystem versehen werden, einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und Weitwurfdüsen, was aber hohe Kosten und ebenso hohe Folgekosten durch Wartung und Stromverbrauch verursache. Eine andere Möglichkeit wäre, die Deckenheizung wie geplant zu verbauen und in diesem Zuge der Turnhalle ein neues Dach zu verpassen. Inklusive einer Akustikdecke koste das etwa 550 000 Euro - gegenüber rund 530 000 Euro für die andere Option, bei der das alte Dach verbleiben könne. Rösch empfahl den Räten daher die Lösung mit dem neuen Dach, das zudem eine Photovoltaikanlage tragen könnte - mit dem alten Dach ist das aus statischen Gründen nicht möglich. Während der Arbeiten müsste die Halle für vier bis fünf Monate gesperrt werden, so Rösch - Rektorin Koschwitz bat daher darum, die Bauarbeiten in der Sommerzeit durchzuführen, da könne der Schulsport meist auch im Freien stattfinden.

Gemeinderat Helmut Wild regte in der sich anschließenden Diskussion an, bei der energetischen Sanierung auch die Sanitärbereiche zu berücksichtigen und eventuell eine kleine Küche einzubauen. Er fragte außerdem, ob eine Sanierung überhaupt wirtschaftlich sei und was eine komplett neue Halle kosten würde. Das aktuelle Bauwerk sei über 50 Jahre alt und bleibe, bis auf Dach und Außenwände, nach der aktuell geplanten Sanierung alt.

Frage der Wirtschaftlichkeit

Gerst antwortet dazu, eine neue Halle würde sich bezüglich der Fördergelder nach der aktuellen Schulgröße richten. Somit fiele eine Turnhalle heute kleiner aus ("Kleinsporthalle"). Architekt Rösch, direkt angesprochen auf den Preis für eine neue Halle, äußert sich nicht - einige Räte schätzen mindestens anderthalb Millionen Euro. Gerst meint, der Gemeinderat habe die Sanierung bereits verabschiedet, die Frage stelle sich also eigentlich gar nicht.

Nachdem Helmut Wild dennoch mehrfach das Thema Neubau ins Spiel brachte und die Sitzung zu diesem Zeitpunkt die Drei-Stunden-Marke knackte, bat Silvia Jung (CSU) darum, das Thema nicht weiter zu zerreden und fortzufahren - worauf Julia Schatkowski-Amtmann (Zfk) entgegnete, wer keine Lust auf Diskussionen habe, solle in einen Strickclub gehen. Oliver Dorsch (Grüne) beantragte daraufhin, das Thema zurückzustellen um, wie Helmut Wild ins Spiel gebracht hatte, eine Kostenberechnung für einen Neubau als Vergleichswert erstellen zu lassen. Das wurde mit fünf zu zehn Stimmen abgelehnt.

Mit elf zu vier Stimmen wurde anschließend beschlossen, dem Vorschlag des Architekten zuzustimmen und die Turnhalle mit einem neuen Dach inklusive Akustikdecke, Deckenheizplatten, LED-Leuchten und einer Lautsprecheranlage (10 000 Euro zusätzlich) auszustatten. Berücksichtigt werden soll auch der Einbau einer Photovoltaikanlage.