Die Samenschüssel des Gärtner- und Häckermuseums wurde als Heimatschatz ausgezeichnet. Zusammen mit dem Modell der Wallfahrtsbasilika des Baumeisters Balthasar Neumann wurde die Schüssel von einer Fachjury im Auftrag des Heimat- und des Kunstministeriums aus rund 600 Bewerbungen ausgewählt und mit 1000 Euro prämiert. Nicht die wertvolle Erscheinung der Stücke fand dabei besondere Beachtung, sondern vielmehr die interessanten Geschichten, die als kulturgeschichtliches Mosaik Bayerns in einem Buch zusammengestellt werden.

Selbstgezogener Samen

Die hölzerne Wanne aus dem Gärtner- und Häckermuseum gleicht einer simplen Teigmulde, ist aber eine sogenannte Samenschüssel, wie sie - selten - bis heute von Bamberger Gärtnern zur Reinigung selbstgezogenen Gemüsesamens verwendet wird: Einige Handvoll mit dem Sieb vorgereinigten Samens werden in die Schüssel gegeben, die mit beiden Händen leicht über die Längsachse geschwenkt und in die gleichzeitig hineingeblasen wird. So fliegen die leichten Rückstände der Samenkapseln hinaus und die schweren Samenkörner bleiben im Gefäß.

Die "Samenschüssel" steht als zentrales Werkzeug der Samenproduktion für den Gemüsesamenexport der Bamberger Gärtner seit dem 15. Jahrhundert: Bis nach England verkauften sie große Mengen ihres Samensortiments von Zwiebeln, Rüben, Blatt- und Kohlgemüsen. Nach Drusch und Reinigung musste jede Lieferung im städtischen Samenschauamt geprüft und "gesiegelt", also zertifiziert werden. Mit knapp 55 Tonnen heutigen Gewichts verließ 1620 die größte Jahreslieferung Bamberg.

Nachdem 1844 der Bahnhof eröffnet war, erkannten die Gärtner den Nutzen dieses schnellen Transportmittels und stellten die massenhafte Samenproduktion endgültig ein. Sie versorgten fortan die Kunden ihres regionalen Absatzmarktes mit Frischgemüse. Jeder Gärtner zog den Samen seiner eigenen Sorten: die Entstehung der heute nur noch wenigen lokalen Haussorten in Bamberg. Vier Rettich-, fünf Wirsing-, zwei Zwiebel- und Knoblauchsorten sowie eine Bohne sind von dieser Gemüsevielfalt erhalten geblieben. Auch dieses wertvolle und schmackhafte grüne, immaterielle Erbe der Bamberger Gärtner symbolisiert die "Samenschüssel".

"Unsere bayerische Museumslandschaft mit ihren über 1300 Museen ist eine wahre Schatztruhe. Die nichtstaatlichen Museen leisten einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt unserer unverwechselbaren bayerischen Heimat. Ich freue mich, dass wir heute 100 Heimatschätze auszeichnen können, die die reiche Geschichte und das kulturelle Erbe des Freistaats Bayern widerspiegeln", merkte Kunstministerin Marion Kiechle zum Abschluss des Wettbewerbs an.

Öffnungszeiten

Das Gärtner- und Häckermuseum in der Mittelstraße 34 ist bis 4. November von Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr, sowie am 1., 2., 29. und 30.Oktober geöffnet.

Das Museum ist in Hof, Garten und WC vollständig, im Erdgeschoss eingeschränkt behindertengerecht. Wegen der engen Treppe auf den Dachboden ist dieser leider nicht für RollstuhlfahrerInnen erfahrbar.

Eintrittspreise

Erwachsene: 4 Euro, Kinder, Jugendliche, Schüler: 1 Euro, Ermäßigt: Senioren, Studierende, Gruppenmitglieder ab zehn Personen: 3,50 Euro. Freien Eintritt haben Kinder unter sechs Jahren, Inhaber der Bamberg-Card sowie Mitglieder des Vereins Gärtner- und Häckermuseum Bamberg e. V. (mit Lichtbildausweis). red