Das vergangene Wochenende in Affalterthal stand unter dem Jubiläum "40 Jahre Heimatverein und 40 Jahre Schützenverein". Beide Vereine kämpfen um das weitere Existieren, weil sich immer weniger Bürger bereit erklären, sich für Vereinszwecke und damit auch für das gesellschaftliche Leben im Dorf zu engagieren.
Pfarrer Michael Maul sprach davon, das Freude herrschen sollte, wenn erkennbar sei, dass sich wie im Falle Affalterthal Menschen beispielsweise dafür engagieren, einen Spielplatz für Kinder zu bauen. Die Realität ist: Es gibt einige, die gegen den Bau an der Stelle sind, den die Eltern der in Frage kommenden Kinder ausgewählt haben. "Wir benötigen Menschen, die eine Sache anpacken und durchziehen", sagte der Pfarrer in seiner Predigt. Der Festgottesdienst fand am Bolzplatz statt, den manche lieber als Spielplatz für die Kinder verwenden würden, was manche andere nicht wollen, vor allem mit der Begründung, dass hier in Nachbarschaft zu Obstgärten viele Spritzmittel im Einsatz sind. Dem Gottesdienst folgte das profane Leben auf dem Dorf: Ein Frühschoppen im Schatten spendenden Mehrzweckhaus, musikalisch untermalt durch die vielköpfige Ebersbacher Blasmusik. Dann kam der letzte Punkt der Feierlichkeiten. Die Ehrungen der Gründungsmitglieder wurden mit einem Böllerkonzert des Patenschützenvereins aus Rüsselbach eingeleitet.


Gründungsmitglieder fehlen

Dessen Vereinsvorsitzender Herbert Gebhardt erinnerte an die seit 1983 andauernde gute Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe. Bei den Ehrungen zeigte sich, dass Schießen nicht mehr so populär ist wie früher einmal: Nur zehn der 30 Gründungsmitglieder waren gekommen: Heinz Schüpferling, Heinz Prütting, Fritz Reiser, Günther Prütting, Sieghilde Höfling, Heinz Ebenhack, Armin Löhrl, Hans-Martin Gemählich, Siegfried Dietel und Johannes Krones. Dazu kamen noch einige "25-Jährige": Marianne Prütting, Heinz Seitz, Sebastian und Philipp Beetz.
Ähnlich ist die Situation beim Heimatverein: Hier waren nicht alle eingeladenen Gründungsmitglieder zur Feier gekommen. Aber es gab eine Besonderheit: Günter Plagemann aus Offenbach hat trotz hohen Alters - er ist 89 Jahre alt - den weiten Weg nach Affalterthal auf sich genommen. Geehrt werden konnte außerdem Hans Vogel, der nebenbei Gründungskassier des Heimatvereins ist und diesen "Job" fast 30 Jahre lang ausübte.


Akzeptanz lässt nach

Ähnlich die Situation bei Sieghilde Höfling: Sie war zuerst Schriftführerin, dann Zweite und schließlich Erste Vorsitzende. Insgesamt kamen so 20 Jahre zusammen, die sie für den Verein an der Spitze tätig war. Aber die Zeichen stehen auf Auflösung. Wie beim Schützenverein lässt die Akzeptanz der Vereinsarbeit auch beim Heimatverein drastisch nach. So gibt es bei den Schützen nur noch eine Wettbewerbsmannschaft, für die aber ein großes Schützenhaus unterhalten werden muss. Der Heimatverein kämpft jedes Mal darum, genug Personal zu finden, um beispielsweise das Johannisfeuer auszurichten. Ein sehr positives Beispiel für ehrenamtliche Hilfe ist Günther Plagemann aus Offenbach. Seit 55 Jahren macht er mit seiner Familie zweimal im Jahr Urlaub in Affalterthal. Er hatte sehr guten Kontakt zu Hans Deuerlein und der Familie Höfling, weshalb er sich ins Dorfleben integrieren ließ. Er wurde Gründungsmitglied im Heimatverein und leistete in den 90er Jahren 150 freiwillige Arbeitsstunden beim Bau des Mehrzweckhauses. löw