Marco Meissner

Seit acht Jahren ist es ein Thema in Kronach, seit 2015 ist es akut: Findet Rewe einen neuen Platz für seinen Supermarkt oder verlässt der sogenannte Vollsortimenter die Kreisstadt? Nun scheint eine Lösung gefunden zu sein, die einen Verbleib von Rewe für die beteiligten Politiker realistisch erscheinen lässt.
"Wir mussten Edeka ziehen lassen", erinnerte Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) in einem Pressegespräch am Freitag an den Verlust des E-Centers im Jahr 2016. "Unser festes Ziel ist es nun, Rewe zu halten. Wenn der Markt nicht bliebe, stünden wir etwas auf dem Schlauch", betonte er die Bedeutung eines zweiten Vollsortimenters (neben Real) für der Kreisstadt.
Die Stadt habe viel Engagement in die Lösung des Problems gesteckt. Dann habe sich jedoch abgezeichnet, dass die Überlegung Rewes, sich am Ortseingang von Ruppen anzusiedeln, auf Ablehnung stoßen würde. Beiergrößlein schaltete deswegen im Dezember 2017 den Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner (CSU) ein, um eine Alternative zu finden. Dieser erklärte sich bereit, seine überregionalen Kontakte und Kenntnisse einzubringen. Gemeinsam wurde somit an einem Lösungsvorschlag gearbeitet. "In Kronach gibt es eine schwierige Situation", stellte der Abgeordnete fest. Der Hochwasserschutz sowie kleinteilige und zum Teil private Grundstücke erschwerten es, einen geforderten Bauplatz mit minimal 7500 Quadratmetern Fläche zu finden. So fiel zum Beispiel ein Ortswechsel von Rewe und Baywa ins Wasser. Nahe der Innenstadt zeichnete sich keine Lösung ab.
Letztlich ist es aber gelungen, ein Konzept zu erstellen. Zwischen Aldi und Stupo gibt es eine Fläche von 10 200 Quadratmetern. Diese scheinen Abgeordneter und Stadt dem Unternehmen schmackhaft gemacht zu haben. "Rewe ist in zurückhaltender, wohlwollender Prüfung", beschrieb Baumgärtner die aktuelle Situation. Sollten alle Formalitäten reibungslos erledigt werden und grünes Licht vom Konzern kommen, tippt der Abgeordnete auf einen Spatenstich noch in diesem Jahr. Eine Eröffnung wäre seiner Einschätzung nach gegen Mitte 2019 denkbar. Spätestens zu diesem Zeitpunkt müsste Rewe auch sein bisheriges Domizil am westlichen Eingang der Industriestraße verlassen.
Was Ruppen betrifft, wäre der Standort aus Sicht aller Vollversorger günstig, wie Baumgärtner erklärte. Allerdings wäre dort die Verkehrssituation nicht zu beherrschen. Anders in der Industriestraße, wo eine Einschleifspur von der Bundesstraße 173 in Fahrtrichtung Ruppen für Rechtsabbieger die Zufahrt verbessern könnte. Abgeleitet werden würde der Verkehr wie bisher auch über die beiden Industriestraßen-Kreuzungen.


Vorausschauend planen

Baumgärtner machte sich dafür stark, langfristig die Weichen zu stellen, um in ähnlichen Fällen schnell handeln zu können. Darum regte er an, sich Gedanken zu machen, "Edelflächen" (wie beim Wasserwirtschaftsamt oder beim Staatlichen Bauhof) für neue Projekte zu sichern, wenn sich dort Möglichkeiten dazu ergeben.