Man denkt plötzlich an einen Eisbrecher, der über drei Monate im Eis festgefroren war und der jetzt, wo das Eis knisternd und krachend erste Risse zeigt, vorsichtig wieder Fahrt aufnehmen kann. Und man spürt die Erleichterung der Mannschaft. Das Szenario ist übertragbar: Auch im beziehungsweise am Schloss Maßbach ist das Eis gebrochen. Konkret gesagt: Es darf wieder Theater gespielt werden.

Was die dreieinhalbmonatige Zwangspause bedeutete, konnte man schon erkennen, wenn man am Freitagabend auf das Schloss zuging: Man blickte ausnahmslos in vorsichtig strahlende Gesichter. Also wieder business as usual?

Mitnichten. Eigentlich war alles anders als sonst. Schon vor Beginn durfte man nicht einfach auf seinen Platz gehen und warten, dass der Vorhang aufgeht. Warten musste man trotzdem, allerdings vor dem Schloss. Das Publikum tat es mit großer Geduld und Einverständlich, hielt sich sogar in erstaunlichem Maß an die Abstandsregel, bestellte bereits den Pausensnack, der dann auf den vorbereiteten Tischen stehen sollte - in der Pause wäre es dafür zu spät gewesen.

Eine Viertelstunde vor Beginn wurde es ernst: "Hier werden Sie vom Objektleiter platziert!" hieß das früher mal in einem abgegrenzten Teil von Deutschland. Jetzt war der Objektleiter in ungewohnter Funktion Susanne Pfeiffer. Sie stand mit einem Pult mit dem Platzplan zwischen Bühne und Tribüne und rief mit einem Mikrophon und viel Geduld die einzelnen Platznummern der auf dem Vorplatz Wartenden auf, beginnend ganz oben mit Reihe 10. Die Karteninhaber sollten sich dann in Marsch setzen und ihre Plätze einnehmen.

Das funktionierte recht zügig, denn die meisten Leute hatten schon vorher mal auf ihre Karten geschaut und wussten, wann sie dran waren. Zudem war die Logistik gut durchdacht. Da die Tribüne zwei Zugänge hat, waren sie mit den Farben Blau und Gelb betitelt worden. Die beiden Farben fanden sich auf den Karten, und für Farbenblinde waren sie auch in Worten ausgedruckt und auf die Wegweiser geschrieben. So konnte man den Zuschauerraum von beiden Seiten gleichzeitig füllen, ohne engere Kontakte zu provozieren. In die Pause ging es reihenweise auf Zuruf, danach wurden wieder die Einzelplätze aufgerufen.

Was freilich am gewöhnungsbedürftigsten war, war die Optik. Der Gedanke fiel schwer, dass eine Vorstellung restlos ausverkauft ist, wenn nur jeder fünfte Platz besetzt ist Denn statt 311 Besuchern durften nach Corona-Vorschriften nur 65 Platz nehmen - immerhin konnten Grüppchen zusammenbleiben. Aber jede zweite Reihe musste leer bleiben. Ein etwas trauriges Bild, obwohl die Fußballer sicher neidisch gewesen wären.

Dass der Beifall unter den Bedingungen ziemlich schütter klang, war zu erwarten. Aber die Begeisterung kam bei der Truppe trotzdem an, nicht zuletzt wegen der vielen Bravos.

Und dann ging's im Gänsemarsch wieder nach draußen.