Marco Meissner

Wo kann gebaut werden? Wie kann gebaut werden? Wo sind benötigte Wohnungen zu teuer oder nicht vorhanden? "Wohnen in Kronach ist ein Dauerthema", beschrieb CSU-Fraktionsvorsitzender Jonas Geissler in der Stadtratssitzung am Montag die Situation angesichts dieser immer wieder im Gremium auftauchenden Fragen. Deshalb beantragte seine Fraktion, die vielen Einzelthemen in einem Gesamtkonzept zusammenzuführen. Die Vertreter der anderen Parteien stellten sich geschlossen hinter diesen Vorstoß.
Zunächst konnte Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) aufzeigen, dass die jüngste Entwicklung in der Stadt positiv war. Für 414 neue Wohneinheiten wurden seit 2008 Baugenehmigungen erteilt. Hinzu kommen etwa 60 wieder nutzbare Wohnungen der früheren KWG. Abzüglich der 28 für das neue Feuerwehrhaus abgebrochenen Wohnungen liegt das Plus bei über 450 Wohneinheiten.


Auf dem richtigen Weg

Nach mageren Jahren ist auch die Zahl der Einwohner im gesamten Stadtgebiet seit 2016 wieder um 145 Personen (0,55 Prozent) gestiegen. "Dies macht Mut und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind", so Beiergrößlein. Hierzu habe auch die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt beigetragen, verbunden mit über 100 Einzelbaugenehmigungen im Gewerbebereich.
Für die Stadtverwaltung befassten sich Daniel Gerber, Georg Köstner, Wolfgang Günther und Stefan Wicklein mit den Anregungen des CSU-Antrags. Seit 1982 wurde der Flächennutzungsplan laut Gerber 60-mal geändert. "Er gehört dringend auf einen neuen Stand gebracht", betonte er angesichts des Wunsches nach der Ausweisung neuer Baugebiete. Der Stadtplaner verwies zugleich darauf, dass die Rahmenbedingungen für derartige Vorhaben heute viel strikter sind als früher (Hochwasser- und Naturschutz etc.). Auch darf seiner Meinung nach die Wirtschaftlichkeit von Neubaugebieten nicht außer Acht gelassen werden.


Offensiver agieren

Was das Vereinfachen von Formen des verdichteten Bauens betrifft, "liegt die Schwierigkeit manchmal im Detail". Künftig müsse hierfür vielleicht offensiver vorgegangen werden. Bisher versuche man oft, es bei Bauvorhaben allen recht zu machen, meinte Gerber.
"Es ist Entwicklungspotenzial da. Aber wir wissen auch, wie schwierig es ist, an die Grundstücke heranzukommen, betonte Georg Köstner, der regelmäßig Kontakt zu den Eigentümern unbebauter Grundstücke sucht. Ein weiteres Problem seien Vermieter, die ihre Mietpreisvorstellungen nicht senken wollen. Wolfgang Günther stellte fest, dass neue Fördermöglichkeiten für Leerstände von der Verwaltung stets ausgelotet würden. Für die Förderoffensive Nordostbayern seien beispielsweise das Bürgerspital, das alte Feuerwehrhaus und das Anwesen in der Lucas-Cranach-Straße 27 im Gespräch. Eine städtische Förderung für Sanierungen und Bauprojekte verknüpfte der Kämmerer eng mit der Haushaltskonsolidierung. Diese erschwere derartige Überlegungen.
Jonas Geissler würdigte das bisherige Engagement von Bürgermeister und Stadtverwaltung. Doch für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Stadt heiße es: "Wir haben ein Gesamtproblem und brauchen ein Gesamtkonzept." Der Stadtrat selbst müsse mit Sensibilität und Selbstverpflichtung handeln, wenn er seine Bau- und Wohnungspolitik künftig noch besser aufstellen möchte.


Maßnahmen abstimmen

"Wir sind an einem Punkt, an dem wir mit einfachen Lückenschlüssen nicht mehr weiterkommen", pflichtete ihm Ralf Völkl (SPD) bei. "Es braucht wieder größere Einheiten und Maßnahmen, die aufeinander abgestimmt sind." Er forderte einen Schritt hin zu konkreten Projekten. Michael Zwingmann (FW) bewertete es als positiv, was sich seit 2008 bewegt hat. Gleiches galt auch für den Vorschlag der CSU, nun noch tiefer in das Thema "Wohnen" einzutauchen. Bernd Liebhardt (CSU) meinte, dass die Kreisstadt das Ziel haben müsse, die 18 500-Einwohner-Marke zu erreichen. Viele Einrichtungen der Stadt seien auf eine größere Einwohnerzahl ausgerichtet. Deshalb brauche es nun einen Leitfaden.
Martina Zwosta (FL) hielt ein Gesamtkonzept ebenfalls für sinnvoll. Man solle Bauherren viel ermöglichen, dabei dürfe die Stadt aber das Gesamtbild nicht aus den Augen verlieren, ergänzte sie. Marina Schmitt (SPD) sprach sich für die Einführung eines City-Managers aus. Peter Witton (Grüne) war schließlich überzeugt: "Die Idee eines Leitfadens könnte etwas ganz Wichtiges sein." Einstimmig unterstützte das Ratsgremium schließlich den Antrag der CSU, ein Gesamtkonzept zu erstellen.