Sarah Seewald

"Für Zeugenhinweise der Beschädigung...", was sich wie eine Polizeimeldung liest, ist eine Mitteilung der Gemeinde Kemmern. Anlass für diesen Aufruf ist ein demoliertes und herausgerissenes Warnschild, das gerade einmal einige Tage zuvor - Anfang Juli - aufgestellt wurde.
Radfahrer, die regelrecht "über die Terrasse drüberbrettern", wie Denise Müller vom Bauamt Kemmern die Ausgangssituation schildert, haben den Waldweg, der am "Leicht"-Keller vorbeiführt - vielmehr den Keller durchkreuzt - zu einer Gefahrenstelle gemacht.
Beinah-Unfälle und leichte Zusammenstöße seien bislang zwar glimpflich ausgegangen, hätten aber die Besucher und Kellerwirte immer wieder in Angst und Schrecken versetzt. Vor allem um die Sicherheit der Kinder, die auf dem Kellergelände und dem Spielplatz vor Ort spielen, wurde gefürchtet. "Die Eltern haben sich schon nicht mehr mit ihren Kindern hergetraut", sagt Kellerwirtin Kerstin Hofmann.


Jeder Gast ist betroffen

Jeder, der von der Kellerterrasse zur Essens- und Getränkeausgabe oder auf die Toilette geht, kreuzt automatisch den Radweg zwischen Baunach und Hallstadt. Der Waldweg Nummer sieben ist kein ausgebauter Forstweg, sondern eher als Singletrail zu beschreiben. So nennt man im Mountainbike-Sport einen Pfad, der so schmal ist, dass man nicht nebeneinander fahren kann.
Jahrelang blieben die Versuche der Kellerwirte Kerstin und Rudi Hofmann erfolglos, etwas gegen die Raser zu unternehmen. In diesem Sommer ist die Gemeindeverwaltung dann doch hellhörig geworden. Eine Selbsterfahrung hat die Zuständigen schließlich dazu veranlasst, etwas zu unternehmen.
Bei einer Verkehrsschau mit Verantwortlichen der Gemeinde, der Polizei und dem Landratsamt Bamberg wurde beschlossen, ein Tor vor dem Kellerbereich aufzustellen, das die Kamikaze-Radler am Fuße des Sembergs aus Sicherheitsgründen rechtzeitig ausbremst, beziehungsweise zum Absteigen zwingt. Das Tor muss mit der Hand geöffnet und kann nicht umfahren werden. Außerdem umzäunte der Kellerpächter den Bereich des Spielplatzes.


Randalierer vor Ort

Einige Meter vor dem Aufgang zum Keller wurden Hinweisschilder aufgestellt, um die Radler vor der kommenden Blockade zu warnen. Eben von diesen wurde jetzt eines, wie die Gemeinde Kemmern mitteilt, aus dem Fundament gerissen und beschädigt.
Denise Müller vom Bauamt in Kemmern hat noch keine neuen Erkenntnisse darüber, wer das Schild samt Fundament herausgerissen haben soll. Der Gemeinde bleibe letztlich nichts anderes übrig, als sich um ein neues Schild zu bemühen, erklärt sie. Die Radfahrer müssten schließlich rechtzeitig gewarnt werden, dass der Weg unterbrochen wird. "Die Übeltäter sollten daran denken, dass sie durch die fehlenden Schilder die anderen Verkehrsteilnehmer in Gefahr bringen, da sich diese nicht auf das Hindernis einstellen können", erklärt die Gemeinde Kemmern in ihrem Zeugensuche-Aufruf.
Für die Pächter des Kellers hat sich die Situation vor Ort in den vergangenen Wochen bereits deutlich entspannt. "Freilich schimpfen einige Radler und drohen, nicht zu uns auf den Keller zu kommen, aber die würden sowieso nicht hier essen und trinken", sagt Kerstin Hofmann. Für sie und ihren Mann zählt nur, dass sie sich keine Gedanken mehr über die Sicherheit ihrer Gäste machen müssen.