Von einem Tag auf den anderen hat sich das Leben der 37-jährigen Patricia Walter aus Ebern verändert. Am 18. November 2019 hat sie, wie sie sagt, in einem "recht trockenen Gespräch" die Diagnose erhalten, dass sie Brustkrebs hat. Es ist ein G3, also ein aggressiver Tumor, hat sie in der Klinik erfahren. Er ist hormonrezeptorpositiv, er wächst durch Östrogene und sicher würde sie eine Chemotherapie brauchen, hieß es weiter.

Die verheiratete zweifache Mutter ist bereit, über ihre Krankheit zu sprechen, weil es ihr sehr wichtig ist, Frauen zu ermutigen, sich regelmäßig untersuchen zu lassen. Sie möchte Betroffenen Kraft geben, sich damit auseinanderzusetzen. "Ich kann gar nicht sagen, was meine ersten Gedanken waren, als ich diese niederschmetternde Diagnose erhalten habe", sagt Patricia Walter. Es sei ihr durch den Kopf gegangen, wie sie es ihren Kindern beibringen kann. Die Töchter von Patricia Walter, Luisa und Antonia, sind neun und sieben Jahre alt.

Weitere Gedanken, erstaunlich wenige, die sich direkt mit der Krankheit beschäftigten, sind ihr durch den Kopf gegangen. "Ich habe mir überlegt, wie wir meine Ausfallzeiten und die anstehenden Untersuchungstermine organisieren können oder wann wir wem sagen, dass ich Brustkrebs habe."

Wirklich greifbar sei ihr das Ganze zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich gewesen. Patricia Walter blickt nachdenklich und sagt: "Ich bin sehr dankbar, dass mich mein Mann von Anfang an begleitet hat, das tat gut, und solche Termine sollte man niemals alleine wahrnehmen."

Die ausgebildete Elektroniktechnikerin ging alle sechs Monate zur Vorsorge, hat auch regelmäßig von ihrer Brust Ultraschalluntersuchungen machen lassen. "Ich habe ein dichtes Brustgewebe und schon einige, bisher gutartige Knoten getastet, da ist es besonders wichtig, aufmerksam zu sein", sagt Patricia Walter.

Anfang des Monats Oktober 2019 habe sie rein zufällig, als sie mit ihrem Arm an ihre Brust kam, einen Knoten bemerkt. "Da ich an diesem Tag einen Vorsorgetermin hatte, ließ ich das gleich untersuchen, mit dem vorgenannten Ergebnis."

Die 37-Jährige schildert, dass sie "wunderbare Freunde" hat, denen sie gleich von der Diagnose erzählte und die sie auch die ganze Zeit auf dem schwierigen Weg begleitet haben. Auch ihre Eltern, die mit ihrer Familie im gleichen Haus leben, haben es rasch erfahren. "Das für mich schwierigste Gespräch war das mit unseren Kindern - davor hatte ich große Angst. Nachdem die Diagnose sicher war, haben mein Mann und ich mit unseren Kindern gesprochen." Das Buch "Wie ist das mit dem Krebs?", hat sie sich vorsorglich schon vorher beschafft. Es half, es den Kindern besser zu erklären. "Kinder sind eh sehr feinfühlig und merken schnell, wenn etwas nicht passt", so Patricia Walter.

Professionelle Hilfe ratsam

Die Schule der Kinder hat sie auch informiert. Die Lehrer sollten vorbereitet sein, wenn sich die Töchter vielleicht anders verhalten als sonst.

Die Töchter hatten ohnehin schnell bemerkt, dass etwas mit der Mama nicht in Ordnung war, da sie sehr angespannt war und viele Arzttermine anstanden. "Unsere Kinder waren währenddessen bei den Großeltern oder bei Freunden, denen ich übrigens sehr dankbar bin."

Professionelle Hilfe hat sie sich nicht gleich geholt, was sie im Nachhinein als Fehler sieht. "Erst als meine Angst immer größer wurde, bin ich zu einer Psychotherapeutin gegangen. Über meinen Frauenarzt habe ich mich in ein Behandlungsprogramm für Brustkrebs einschreiben lassen. Dadurch habe ich sehr unkompliziert und schnell Termine bekommen."

Patricia Walter erinnert sich an die erste Frage ihrer Kinder, nachdem sie und ihr Mann Stephan ihnen von der Krankheit erzählt hatten: "Mama, musst du daran sterben?" Sie und ihr Mann haben ihren Kindern erklärt, dass man daran sterben kann, aber nur wenn man den Krebs nicht behandeln lässt und nicht zum Arzt geht. "Es war schwer, die richtigen Worte zu finden, aber wir wollten ehrlich zu unseren Kindern sein, jedenfalls soweit es erträglich für die beiden war", sagt Patricia Walter. "Dass ich meine Haare verliere, war für unsere Kinder ein großes Thema. Am Ende durften Luisa und Antonia sogar meine Haare abschneiden."

In der Schweinfurter Klinik

Behandelt wurde Patricia Walter im Leopoldina-Krankenhaus in Schweinfurt, wo es ein zertifiziertes Brustzentrum gibt. Zahlreiche Untersuchungen wurden vorgenommen: Ultraschall, Tasten, Mammographie, MRT, Biopsie. "Der Mammographiebefund lautete BI-Rads 5, was bedeutet, dass es bösartig ist mit einer Wahrscheinlichkeit von über 95 Prozent. Nun stand es endgültig fest, ich hatte einen bösartigen Brustkrebs, was durch eine Biopsie bestätigt wurde."

Die darauffolgenden Tage hatte Patricia Walter das sogenannte "Staging". Dort wird geschaut, ob der Krebs sich schon ausgebreitet hat. Da die bevorstehende Chemotherapie für das Herz belastend ist, wurde auch ein Herzultraschall gemacht.

Tumorkonferenz

Die Ergebnisse aus den Untersuchungen wurden dann in der sogenannten Tumorkonferenz besprochen, so dass man einen Behandlungsplan vorlegen konnte. Sie bekam die Diagnose "lymphonodal metastasiertes Mammakarzinom." Ein Lymphknoten war also befallen. Im CT war eine auffällige Stelle am Brustbein zu sehen, wobei man noch nicht sicher sagen konnte, ob es eine Metastase ist oder nicht.

Patricia Walter weiter: "Ich sollte mich auch an ein Humangenetisches Institut wenden, um untersuchen zu lassen, ob eine erbliche Form von Brustkrebs vorliegt. Das konnte bei mir aber ausgeschlossen werden. Ende November bekam ich einen Port unterhalb des Schlüsselbeins implantiert. Ein Port ist eine Art Katheter der direkt ans Herz führt. Über diesen habe ich die Chemo und auch andere Infusionen bekommen. Aber auch Blut wurde darüber genommen. Durch regelmäßige Ultraschalluntersuchungen konnte man sehen, dass die Chemotherapie anschlug und der Tumor kleiner wurde. Wegen des Metastasenverdachts am Brustbein wurde auch noch ein Kontroll-CT veranlasst. Der Anruf am Tag nach dem CT war wie ein zweiter Geburtstag für mich." Man ging nicht davon aus, dass es sich um eine Metastase handelt, da sich die Stelle überhaupt nicht verändert hatte. "Das war eine große Erleichterung und sehr wichtig für die Prognose."

Am 12.Mai 2020 wurde brusterhaltend operiert. Der Tumor konnte komplett entfernt werden. "Eine gute Woche musste ich im Krankenhaus bleiben. Seit dem 2. Juli gehe ich jetzt täglich zur Bestrahlung. Dazu wurde vorher ein CT gemacht und Markierungen auf dem Oberkörper angebracht. Die Brust und die Lymphabflusswege werden bestrahlt. Das wird gemacht, um Krebszellen, die eventuell noch da sein könnten, zu zerstören. Die Bestrahlung dauert immer nur wenige Minuten", erläutert Patricia Walter.

Täglich eine Tablette

Für die nächsten fünf Jahre muss die Ebernerin täglich eine Tablette nehmen; dazu bekommt sie alle vier Wochen eine Spritze für die Eierstöcke. Da sich ihr Tumor von Östrogenen ernährt hat, wird ihm durch die Medikamente das Östrogen entzogen. Ferner wurde ihr die Teilnahme an einer Studie empfohlen, die ihr zusätzlich Sicherheit bringen könnte. "Das nehme ich allerdings erst nach meiner bevorstehenden Reha in Angriff", sagt die tapfere Frau, die hofft, den Krebs ganz besiegen zu können.

Früherkennung ist wichtig

Ganz wichtig ist es ihr, darauf hinzuweisen, dass Früherkennung äußerst wichtig ist. "Ich kann nur allen Frauen empfehlen und dringend ans Herz legen, ihre Brüste einmal im Monat abzutasten und regelmäßig zweimal im Jahr zum Frauenarzt zu gehen und dort in einen Ultraschall zu investieren. Falls man in die Situation wie ich kommt, kann ich nur empfehlen, offen damit umzugehen. Ich war und bin jederzeit ansprechbar, was das Thema betrifft. Ich teile meine Erfahrungen gerne, egal ob über die sozialen Medien oder persönlich", sagt Patricia Walter.

Sie möchte es nicht versäumen zu erwähnen, dass sie sich im "Leo-Krankenhaus" Schweinfurt sehr gut aufgehoben fühlte. "Dankbar bin ich auch für die tollen Menschen um mich herum. Das hat mich gut durch die ganze Therapiezeit gebracht", sagt die 37-Jährige aus Ebern.