Maria Löffler "Und dann kam Corona ..." - dieser Satz trifft wohl auf viele geplante Unternehmungen für das Jahr 2020 zu, die wegen der Pandemie nicht stattfinden konnten. Getroffen hat es auch das Innovations-Zentrum Region Kronach. Das IZK wollte eigentlich im März einen Unternehmertreff zum Austausch von Insiderwissen bieten. Die Präsenzveranstaltung musste abgesagt werden, aber virtuell wurde dafür nun eine passende Lösung gefunden.

Kräfte wurden gebündelt und ein neues Online-Format auf die Beine gestellt. Es nennt sich "Innovation durch Dialog". Zusammengeschlossen haben sich das Coburger Designforum Oberfranken, die Hochschule Coburg und das Innovations-Zentrum Kronach. Gemeinsam mit Experten aus Wirtschaft und aus Wissenschaft trafen sich insgesamt 22 Teilnehmer, um sich auf der Onlineplattform untereinander auszutauschen. Das Thema: "Nachhaltigkeit und recyclebare Verpackungen".

Ideen zusammengebracht

Dabei soll es aber nicht belassen werden, versicherte Moderator Hendrik Montag-Schwappacher. Er kann sich jedenfalls weitere Veranstaltungen vorstellen. Das virtuelle Zusammentreffen richtete sich vorrangig an Geschäftsführer und Führungskräfte in den Bereichen Strategie und Produktmanagement. Der Dialog drehte sich vor allem um wichtige Kriterien einer umweltfreundlichen Verpackung und die Herausforderungen, die sich daraus ergeben. Diskutiert wurden Lösungsansätze und Chancen zur Veränderung. Hintergrund für diese Veranstaltung waren die neuen Richtlinien im Verpackungsdesign, die selbstverständlich Auswirkungen auf die jeweiligen Unternehmen haben.

Ausgedacht hatten sich die Veranstalter anfangs ein virtuelles "Speed-Networking," bei dem sich alle erst einmal kennenlernen sollten. Im besten Fall konnte man hier schon die ersten Kontakte knüpfen. Kernpunkt waren aber die Impulsvorträge von drei Referenten.

Den Auftakt machte Halgard Stolte von der ArtFlex Software GmbH. Das Thema waren die wichtigsten Kriterien einer umweltfreundlichen Verpackung. Die Firma ist auch Mitglied im DVI, dem Deutschen Verpackungsinstitut. Ihre Schnittstellenfunktion bringt Designerprodukte und die Druckerei zusammen.

Stolte legte den Fokus auf die Problematik einer nachhaltigen Verpackungsentwicklung: "Wir produzieren 100 Milliarden Tonnen pro Jahr und führen gerade einmal 8,6 Prozent davon wieder zurück." Der Rest lande unter anderem in der Verbrennung. Die Referentin räumte zwar ein, dass die Unternehmen sich um eine Weiterentwicklung auf diesem Gebiet bemühten, aber dabei gebe es noch viel Luft nach oben.

"Plastik oder Kunststoff sind die größten Umweltverschmutzer. Hier sind wir als Konsumenten gefragt", betonte sie. Ihre Bilanz: "51,5 Prozent aller Kunststoffe werden immer noch verbrannt. Und in Asien werden sie gar nicht entsorgt."

Eine hohe Wiedervertungsquote konnte sie dem Werkstoff "Glas" bescheinigen. Allerdings sei auch die nicht endlos. Die Quoten für Kunststoff, Weißblech und Aluminium seien beachtlich.

Die Herausforderung machte sie bei der Analyse der Recyclingfähigkeit aus. Und die müsse viele Faktoren mit einbeziehen, wie zum Beispiel das Material der Etiketten, die unterschiedlichen Klebstoffe, das Einfärben und Bedrucken, den Verschluss oder die Deckelfolie. "Zielsetzungen sollte eine Vermeidung, eine Reduktion, Kompostierbarkeit und biologische Abbaubarkeit sein."

Suche nach Lösungen

Nach Lösungen gesucht und auch schon welche gefunden hat unter anderem Olaf Hegen, der Entwicklungsleiter von Verpa-Folie in Weidhausen. Zuerst kreiste er die Anforderungen ein, die vor allem die Industrie an Verpackungsmaterial stellt. Und die lesen sich fast schon wie die eierlegende Wollmilchsau: "Sie muss dem Transport gewachsen sein, gut portionierbar, die gesetzlichen Anforderungen erfüllen, über gute optische Eigenschaften verfügen, Werbeflächen bieten, logistisch handhabbar sein, Informationen enthalten, eine gute Maschinengängigkeit haben und eine hohe Recyclingfähigkeit. Darüber hinaus soll sie spezielle Kundenanforderungen erfüllen und das zu einem wettbewerbsfähigen Preis."

Seine Antwort auf all diese Herausforderungen: "Polyethylen. Davon bin ich begeistert. Es verfügt über ein breites Eigenschaftsprofil, ist sehr dünn herstellbar und lebensmittelunbedenklich." Außerdem sei das Material preisgünstig in der Herstellung, habe einen hohen Heizwert und keine Schadstoffe. Eine entsprechende Folie seiner Firma sei unter anderem dickenreduziert und biologisch abbaubar. Als weitere Ziele auf der Agenda tauchten der Einsatz von recyceltem Material auf, das allerdings nicht für Lebensmittel oder Primärverpackungen geeignet sei. Hegen sprach auch über eine Ballenpresse zur Wiederaufbereitung, Bio-Folien, die Zerlegung der Molekülketten in ihre Grundsubstanz und eine Kombination aus allen Verfahren.

Nach diesen praktischen Eindrücken blickte Stefanie Wrobel von der Hochschule Coburg auf die "unternehmerische Nachhaltigkeit 3.0 - Chancen für Unternehmen und Gesellschaft". Die Umweltwissenschaftlerin und Betriebswirtin machte einen Streifzug durch das ökologische Bewusstsein der Industrie. "Ökologie war früher nicht die Sache der Unternehmen, sondern der Politik. Das hat sich jetzt geändert. Die Themen Umweltschutz und Ökologie haben Einzug gehalten in die Betriebe, und Nachhaltigkeit wird zum Wettbewerbsvorteil."

Eine weitere Veränderung sei die Tatsache, dass Unternehmen das nicht mehr nur als Mittel zum Profit sähen, sondern diese Themen in ihre Strategie aufgenommen hätten. "Sie setzen ihre Kompetenzen ein, um nach Lösungen zu suchen." Die Digitalisierung hätte zum weltweiten Wettbewerb auf dieser Ebene geführt und es geschafft, damit einen "Megatrend" auszulösen. Ihre Überlegungen gingen in die gleiche Richtung wie die ihrer Vorredner: "Verzicht auf Verpackungen oder zumindest eine Verringerung, Materialverbesserung, Recycling, Neuentwicklungen."

Tipp für Unternehmen

Wrobel war sich aber auch bewusst, dass sich da gerade mittelständische Unternehmen schwertun. Sie riet dazu, sich umzuschauen und sich zu fragen: "Was machen denn die anderen?" Man müsse Möglichkeiten auslosten und überlegen, was man denn vielleicht sogar zur Lösung globaler Probleme beitragen könne. Und ein Gedanke könnte sein: "Wie kann ich mich komplett neu aufstellen?"