Schwer verdauliche Kost müssen in diesem Jahr die Kämmerer der Städte und Gemeinden ihren Räten und Bürgern vermitteln. Denn statt des schon fast selbstverständlichen stetigen Aufwärtstrends mit großzügigen Investitionen und einer rückläufigen Pro-Kopf-Verschuldung muss nun auch die Gemeinde Oberhaid den Gürtel enger schnallen. Maßhalten sei angesagt, stellte Bürgermeister Carsten Joneitis (SPD) fest, zukunftsorientierte Themen mit Bedacht umzusetzen und sich als Ziel mittelfristig wieder einer verstärkten Rücklagenbildung anzunehmen, hießen die Prioritäten der Zukunft.

Zwar liegt das Haushaltsvolumen in der Gesamtsumme mit 14 134 825 Euro in diesem nahezu gleich wie im letzten Jahr (14 147 408 Euro). Durch den coronabedingten Einbruch bei der Gewerbesteuer mindert sich die Zuführung an den Vermögenshaushalt aber enorm. Mit rund 9,3 Millionen Euro vermeldet der Verwaltungshaushalt ein stolzes Minus von rund 500 000 Euro. Der Vermögenshaushalt erhöhte sich hingegen wegen der hohen laufenden Investitionen um rund 500 000 Euro auf nunmehr 4 834 275 Euro.

Steuereinkommen sinkt

So sank das Steueraufkommen bei den wichtigsten Steuern und hier insbesondere der Gewerbesteuer um 11,3 Prozent, also um rund 700 000 Euro, führte der Kämmerer der Gemeinde, Ludwig Pickel, vor Augen. Vielleicht muss deshalb das eine oder andere Projekt geschoben werden. Von 1 538 000 Euro freier Finanzspanne im Jahr 2019 beträgt diese im laufenden Jahr nur noch 612 000 Euro.

Gut gewirtschaftet hat Oberhaid dennoch, der Schuldenstand betrug zum Jahresbeginn 778 873 Euro (entspricht einer 170-Euro-Pro-Kopf-Verschuldung) und wird bis zum Jahresende auf 150 Euro sinken. Um die geplanten Investitionen in diesem Jahr stemmen zu können, mussten der Rücklage 2 481 000 Euro entnommen werden, gerade noch mal 280 000 Euro sind vorhanden, eine Schuldenaufnahme konnte jedoch bislang vermieden werden. Dickste Brocken sind im Jahr 2020 der Anbau der Kinderkrippe Regenbogen mit 915 000 Euro, die Baukosten der Mühle mit 950 000 Euro, die Kanalsanierung mit Wasserleitung in der Siedlung mit insgesamt 520 000 Euro und der Anbau der Kinderkrippe Maria Hilfe mit 350 000 Euro. Im Finanzplan der Gemeinde sind mit der Mühle und deren Platzgestaltung, dem Bau des neuen Wertstoffhofes und der Kanalsanierung in Staffelbach noch finanzielle Hochkaräter dabei.

Einstimmer Beschluss

Bei allem gelte es, so waren sich Bürgermeister und Kämmerer einig, trotz der außergewöhnlich schwierigen wirtschaftlichen Lage, die finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinde im Auge zu behalten, um die Investitionen für Familien weiter dauerhaft erbringen und leisten zu können. Trotz aller Bedenken stimmte der Gemeinderat dem Haushalt 2020 und der Verabschiedung des Finanzplanes einstimmig zu.