Die Stadt Bamberg möchte den Lagarde-Campus als modellhaftes Stadtquartier für Wohnen, Arbeiten, Mobilität und Energie entwickeln. Dazu soll in einem Planungsprozess das Gebiet schrittweise um- beziehungsweise neu genutzt werden.

Bambergs Zweiter Bürgermeister Jonas Glüsenkamp hat unlängst eine Ausstellung auf dem Lagarde-Campus eröffnet, die die Ergebnisse von zwei unterschiedlichen Planungsprozessen zeigt. Dabei geht es um zukunftsweisende Wohn- und Mobilitätsformen für das Areal. Die Präsentation ist bis zum 10. August in der Weißenburgstraße 12 zu sehen.

Bei dem ersten Verfahren handelt es sich um ein sogenanntes offenes europaweites Investorenauswahlverfahren mit Präqualifikation für die nördliche Teilfläche Lagarde 8 der ehemaligen Lagarde-Kaserne, das Ende vergangenen Jahres stattgefunden hat. Hier soll neuer, attraktiver Wohnraum entstehen. Die Grundstücksfläche misst rund 14 530 Quadratmeter, ausgelobt wird das Verfahren von der Stadt Bamberg. Sie hat aufgrund der städtischen Lage der ehemaligen Lagarde-Kaserne und der hohen Bedeutung der Konversion einen hohen Qualitätsanspruch für das Areal, heißt es aus dem Rathaus. Und so wurde in dem Verfahren ein besonderer Wert auf die architektonische und städtebauliche Qualität der Arbeiten gelegt. Den Zuschlag erhielt das erfolgsversprechende Gesamtkonzept von Instone Real Estate und dem planenden Architekturbüro blocher partner sowie Planstatt Senner.

Geplant sind rund 200 Wohneinheiten, die zu einem großen Teil barrierefrei entstehen sollen. Die Wohnungsgrößen werden sich zwischen etwa 40 bis 120 Quadratmeter bewegen und Singles bis Familien in jeder Altersgruppe ansprechen. Das Projekt beinhaltet zudem sozial geförderte Wohnungen. In der Ausstellung wird die detaillierte Planung vorgestellt, darüber hinaus sind aber auch die Entwürfe der sieben weiteren Wettbewerbsteilnehmer zu sehen.

Innovatives Mobilitätskonzept

Das zweite Verfahren war ein Architektenwettbewerb für die Parkierungsanlagen im Lagarde-Campus. Im Februar hat ein Preisgericht über die Entwürfe für fünf Parkpaletten entschieden, die die Stadtwerke ab dem kommenden Jahr auf dem Lagarde-Campus bauen werden. Architekturbüros aus ganz Europa waren aufgefordert, an dem Realisierungs- und Ideenwettbewerb teilzunehmen. Grundlage für die Gestaltung der Parkplatten ist das intermodale Mobilitätskonzept der Stadtwerke Bamberg: Die von der Stellplatzsatzung vorgeschriebene Quote an Parkplätzen soll durch maximal 80 Prozent Parkplätze und mindestens 20 Prozent Mobilitätskarten gedeckt werden. Besitzer der Mobilitätskarte erhalten statt einem eigenen Stellplatz eine VGN-Jahreskarte für 20 Jahre und freien Zugriff auf die Mobilitätsstation in den Parkpaletten. Dort stehen ihnen Lastenfahrräder, E-Bikes, E-Scooter und E-Roller zur Verfügung.

Dementsprechend müssen die Parkpaletten gestaltet sein: Die Parkplatzflächen sollen jederzeit zurückgebaut werden können, wenn sie nicht mehr gebraucht werden; die Mobilitätsstation als innovativer Baustein für die Steuerung und Vermarktung der E-Mobilität und der Mobilitätskarten sollen eine hohe Aufenthaltsqualität aufweisen und in das Parksystem eingebunden werden. Die Architekten waren außerdem aufgefordert, die Gestaltung nicht allein auf das Parken zu reduzieren, sondern einen Wiedererkennungswert im Stadtquartier sowie eine identitätsstiftende Qualität für die Nutzer zu schaffen. Das Verfahren konnte das Architekturbüro Wittfoht Architekten Stuttgart mit seinem Entwurf für sich entscheiden. Die Ausstellung zeigt auch hier neben dem Siegerentwurf alle vier eingegangenen Arbeiten.

"Spannende Baustelle"

Bürgermeister Glüsenkamp empfiehlt interessierten Bürgern unbedingt den Besuch im Konversionsamt, denn "ich glaube, dass die Ausstellung der Bürgerschaft, vor allem den direkten Anliegern in Bamberg-Ost, einen sehr detaillierten Einblick darüber gibt, wie sich Bambergs größte und spannendste Baustelle entwickelt".

Die Ausstellung zu den beiden Verfahren war ursprünglich für das Frühjahr 2020 geplant, was coronabedingt dann nicht möglich war. Das Team des Amts für Strategische Entwicklung und Konversionsmanagement freut sich umso mehr, dass es die unterschiedlichen Arbeiten beider Verfahren nun der interessierten Öffentlichkeit präsentieren kann. red