Josef Hofbauer

Die Untersuchungen füllen fünf Aktenordner. Mitarbeiter des Sachverständigenbüros für Vegetationstechnik, Bäume und Bodenanalytik, Roland Dengler hatten Bäume des Kellerwaldes unter die Lupe genommen. Darüber informierte Stadtförster Stefan Distler bei einer Exkursion in den Stadtwald.
40 der nahezu 800 untersuchten Bäume wurden mit einem roten X versehen. 32 davon sind bereits gefällt. Die restlichen acht kommen noch vor dem Annafest weg, denn die Gutachter befanden, die Standsicherheit dieser Bäume sei gefährdet.


Detaillierte Anweisungen

"Noch mehr Sicherheit geht nicht", befand Stadtförster Stefan Distler. Wie detailliert die Untersuchungen abgelaufen waren, verdeutlichte er an einem Beispiel: Für 332 Bäume gebe es umfangreiche Protokolle über Holz-Festigkeitsmessungen mit dem Fraktometer, Wurzel-Untersuchungen und Messungen mit dem Resistographen. Buchen wurden speziell auf einen Befall mit Schlauchpilzen untersucht. Daraus leiteten die Experten Pflege-Maßnahmen für die Bäume ab, die von der Stadtförsterei umgesetzt werden müssen.


Riesen-Eiche soll fallen

In vielen Fällen gehe es um Kronen-Einkürzungen, wie bei der großen Eiche neben dem Losstand des Roten Kreuzes, verdeutlichte Distler. Eine solche Empfehlung gab das Fachbüro für eine riesige Eiche nahe dem Gottla-Keller am Rande eines Bau-Grundstückes. Dieser kerngesund aussehende Baum ist jedoch zu großen Teilen hohl. Dass die Rest-Wandung des Baumes deutlich verkürzt ist, verdeutlichte Distler mit einem Ast, den er mehr als einen Meter in die Höhlung schob.
Das überzeugte: Statt den Baum einzukürzen, plädierten die Mitglieder des Stadtrates für den Vorschlag von Stadtförster Distler, die Eiche zu fällen. In ein paar Jahren, wenn nebenan ein Haus steht, könnte die Eiche nur unter erschwerten Bedingungen mit hohem finanziellen Aufwand abgetragen werden.
Wie Stefan Distler informiertem, haben sich die Untersuchungen über ein Jahr hingezogen. Als einen der Gründe nannte der Forstexperte die Vergrößerung des Annafest-Geländes, das auf 4,9 Hektar erweitert wurde. Jetzt sei auch die Sicherung der Trampelpfade zu Siedlung Lichteneiche mit einbezogen worden. Eine Haftungsgarantie übernehme das Sachverständigenbüro aber nicht, bedauerte Distler auf Nachfrage von Stadtrat Günther Hammer (CSU). Es sei Aufgabe der Stadtförsterei, die Auflagen des Expertenbüros umzusetzen, so Distler.


Mit Neem-Öl gegen Raupen

Der Stadtförster verwies auch darauf, dass heuer der Befall mit dem Eichenprozessionsspinner deutlich stärker gewesen sei, als im Vorjahr. Obwohl eine Bekämpfung mit einem Pflanzenextrakt des Neem-Baumes durchgeführt wurde, das die weitere Entwicklung der Raupen verhindern soll, seien weitere Nester aufgetaucht. Die Kosten dafür bezifferte der Stadtförster auf 14 Euro pro Baum.
Das sei aber die kostengünstigere Variante. Deutlich teuerer sei der Einsatz von Kletterern, die verbliebene Nester eingesammelt und dann verbrannt hatten. Da Kletterer immer zu zweit unterwegs sein müssten, entstünden dafür Kosten von rund tausend Euro täglich. "Ich suche händeringend einen Kletterer für die Stadtförsterei", unterstrich Stefan Distler, der so die Kosten senken möchte.


Gefräßiger Borkenkäfer

Wie der Stadtförster weiter berichtete, hat heuer auch der Borkenkäfer kräftig zugebissen.So wurden in den Bereichen "Felsenkeller" und im "Rosengarten"zwischen Serlbach und Reuth befallene Fichten entnommen. Allein im Rosengarten fielen 45 Festmeter Käferholz an. Auch schwache und schräg stehende Kiefern wurden entnommen und durch Heister aus dem Pflanzgarten ersetzt. Im "Rosengarten" allein wurden 300 Douglasien und 1177 Weißtannen neu gepflanzt. Diese Wiederaufforstung wird vom Amt für Landwirtschaft und Forsten mit gut 1500 Euro bezuschusst. In Augenschein nahmen die Stadträte auch die Buchen, Eichen und Linden, die "Am Auerberg" aus dem Pflanzgarten verpflanzt und mit Phählen befestigt wurden. Auf Grund der großen Trockenheit, mussten Wassertanks aufgestellt werden, damit die Pflanzen regelmäßig gegossen werden konnten. Ebenfalls am Auerberg, dort wo die Stürme "Burglind" und "Friedrike" gewütet hatten, wurden fast 3000 Pflanzen neu eingesetzt. Dafür gab es vom Amt für Landwirtschaft 4 000 Euro an Fördermitteln. Bis zum Herbst sollen 1100 Pflanzen an der Rossecke und 3200 Pflanzen an der Lichteneiche gepflanzt werden, für die 4 500 Euro an Zuschüssen erwartet werden .