Der TV Möglingen, am morgigen Sonntag ab 14.30 Uhr zu Gast bei den Handballerinnen der TS Herzogenaurach (Gymnasium-Sporthalle), gehört zu den etablierten Mannschaften in der 3. Bundesliga Süd. Zwar "besuchte" das Team kurzzeitig das untere Tabellenviertel, schaffte mit einem Zwischenspurt aber zügig wieder genügend Distanz zur unangenehmen Abstiegsregion. Als aktuell Fünfter in der Tabelle kann der TV also fast unbeschwert auflaufen, wenngleich die Liga in sich derart ausgeglichen scheint, dass weder die führenden Teams noch die Mannschaften im Tabellenkeller wirklich schon Fakten "schufen".
Letzteres sollte die TSH zusätzlich motivieren, um dringend benötigte Punkte zu sammeln. Verzichten muss das Team dabei auch noch auf Nina Bestle, die sich - was erst nachträglich festgestellt wurde - beim Spiel gegen Kandel einen Finger gebrochen hat und sechs Wochen ausfallen wird. Nach dem Kreuzbandriss von Jana Lichtscheidel also der zweite schmerzliche Ausfall.


Geht die Rechnung auf?

Das TSH-Trainergespann Klaus Watzinger und Mirko Scholten hatte zum Beginn der Rückrunde die Rechnung aufgestellt, dass es weitere zehn Pluspunkte für den Klassenerhalt brauche und man - realistisch betrachtet - vor allem in den Duellen mit Ketsch II, Kandel und nächste Woche bei Mitaufsteiger SG OBK erfolgreich sein müsse. Da die TSH gegen die beiden erstgenannten Teams leer ausging, muss Zählbares jetzt woanders herkommen, damit die Rechnung noch aufgehen kann.
Möglingen jedoch geht als Favorit an den Start, und dies mit einem enorm starken Offensivhandball. Bislang 411 geworfene Tore sind gemeinsam mit dem Tabellenführer SG Bietigheim II (413) Spitze in der Liga. Deshalb kann es sich der TV erlauben, in der Abwehr hier und da nachlässig zu sein, mit 370 Gegentoren hat er 17 mehr als das Watzinger-Team kassiert.


Die eigenen Tugenden

Diesen Umstand belegt auch das jüngste Spiel der Möglingerinnen, als sie den ESV Regensburg mit 38:30 beherrschten. Die "Eigenarten" des Gegners sollte die TSH vielleicht zur Kenntnis nehmen, sich ansonsten jedoch auf die eigenen Tugenden konzentrieren, welche den Ansprüchen in dieser Liga gerecht werden können. Allein die Umsetzung in entscheidenden Spielphasen gilt es zu verbessern.
Respekt äußerte Watzinger vor der druckvollen zweiten Welle und fast mehr noch vor der "schnellen Mitte" des TV, wo im Prinzip jede Angreiferin schon 12 oder 13 Meter vor dem Tor kompromisslos versucht, zum Wurf durchzubrechen. Zudem gibt es wenige Gegner, bei denen sich praktisch alle Akteure regelmäßig an den Torerfolgen beteiligen, wie bei Möglingen.


Jetzt sind die Trainer gefordert

Herausragende Spielerin ist Mittelangreiferin Ramirez, die nicht nur mit ansatzlosen Schlag- oder Sprungwürfen besticht, sondern immer wieder geschickt die Nebenleute einzusetzen versteht. Davon profitieren sowohl die durchsetzungsstarken Kreisläuferinnen als auch ihre Nebenleute im Rückraum. Von denen taten sich zuletzt die Litauerin Norvilaite und Anna Tonn besonders hervor, wie überhaupt sich jede Rückraumspielerin ähnlich kurzentschlossen mit Torwürfen einbringt. Auch Linksaußen Stonavski gehört mit ihrer tollen Technik zu den Stützen des Teams.
Alle TSH-Protagonisten haben die Kandel-Niederlage kurz analysiert um dann aber den Fokus so gut wie möglich ganz auf Möglingen zu richten. Und die Trainer sind mehr denn je gefordert, denn mit Mittelheisser, Bestle und Lichtscheidel fehlt nun die komplette Erst-Besetzung des Rückraumes, mit der in die Saison gestartet war. Dass dazu Allrounderin Vicky Egleaufgrund einer erneut aufgetretenen Knieverletzung, die sogar das Karriereende bedeuten könnte, nicht zur Verfügung steht, macht die Sache nicht leichter. Die Herzogenauracherinnen werden noch enger zusammenrücken und darauf hoffen müssen, dass ihnen die Fans einen "Schub" verpassen, um die Überraschung zu schaffen.