"Wenn im Pfarrzentrum der Wasserhahn tropft, der Fußweg zur Kirche verschneit ist, die Technik für Vorträge klemmt, unser Mann für alle Fälle ist bereits vor Ort." Wer Roman Seidl suchte, der fand ihn im katholischen Pfarrzentrum. Das böhmische Herz Neustadts schlägt nicht mehr. Am Sonntag ist Roman Seidl im Alter von 81 Jahren nach kurzer Krankheit verstorben.

Am Moos - war sein Haltepunkt im Leben, wie es auch sein Pfarrer zu seinem 70. Geburtstag formuliert hatte. Der christliche Glaube gab dem gelernten Kfz-Mechaniker und späteren Kabelwerk-Beschäftigten Orientierung in einem Leben, das zu Beginn so wenig Halt zu geben bereit war: Als Siebenjähriger hatte Seidl das Schicksal der Vertreibung aus seiner Heimat im Böhmerwald erleiden müssen. Ein neues Zuhause fand er mit seiner Familie schließlich in Neustadt.

Im Dienste der Mitmenschen

Doch seine böhmische Herkunft vergaß er nie; sie formte die Spuren eines Lebens im Dienste der Mitmenschen. In jungen Jahren Obmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) in Haarbrücken-Thann, hatte er dieses Amt später für ganz Neustadt inne. Er übernahm Verantwortung als Vorsitzender der SL-Kreisgruppe Coburg und bis zuletzt auch als Bezirksvorsitzender des Bundes der Vertriebenen in Oberfranken.

Mit seiner kernig-anpackenden Art hatte er für die Heimatvertriebenen und Spätaussiedler noch 2019 den Tag der Heimat in Coburg auf die Beine gestellt. Bei allem Tun und Organisieren war Roman Seidl immer eines: Er war Brückenbauer, zwischen Deutschen und Tschechen, zwischen jüngeren und älteren Generationen. Dazu passte sein langjähriges Engagement im Pfarrgemeinderat von St. Ottilia, als Mesner der Kirche St. Ottilia am Fuße des Muppbergs und in der Neustadter CSU.

Beim Sport galt sein Herz dem TTC Thann. Ihm blieb er ein Leben lang in zahlreichen Ämtern verbunden, darunter 14 Jahre als Vorsitzender. Seinen persönlichen Einsatz für die Bürger - nicht zuletzt zum Wohl der Vertriebenen und Aussiedler, die in ihm einen unerschrockenen Ansprechpartner bei der Eingliederung in ihre neue Heimat fanden - würdigte die Stadt Neustadt 2003 mit der Goldenen Stadtmedaille. fa/ct