Bis neulich war hier eine Massagepraxis, nun steht die Obere Königsstraße 53 leer. Die Erdgeschoss-Räume in dieser Ecke Bambergs sind oft außergewöhnlich geschnitten, ausladend und trotzdem verwinkelt. Perfekt geeignet eigentlich für Kultur im Leerstand. Vom 27. April bis 5. Mai bespielen ja:ba (Jugendarbeit Bamberg) und Aktive Mitte die ehemalige Massagepraxis mit ihrem Programm.
Das Mini-Festival findet bereits zum sechsten Mal statt. Dahinter steckt eine besondere Win-Win-Situation. Während die ja:ba sich freut, einen Ort zu haben, an dem sie Kultur für ein junges Publikum veranstalten kann, möchte die Aktive Mitte auf diesem Weg darauf hinweisen, dass es diesen Ort gibt: "Wir kümmern uns in der Innenstadt um das Leerstands-Management", erklärt Patrick Moos. "Die Frage war also: Wie kriegen wir Leben in die Bude?"
Ursprünglich basiert Kultur im Leerstand auf einer Kooperation von Aktiver Mitte und Wirtschaftsförderung. Mittlerweile läuft die Zusammenarbeit mit der ja:ba nahtlos. Allein, die Grundvoraussetzung für die Veranstaltung birgt ein potenzielles Problem: "Die Besitzer sind eigentlich auf der Suche nach einem Nachmieter, wir haben aber eine Vorlaufzeit von etwa einem Monat und müssen wissen, ob wir den Raum nun kriegen oder nicht."
Frau Lauterbach, Besitzerin der Oberen Königsstraße 53, sei der Idee gegenüber glücklicherweise sehr aufgeschlossen gewesen. So kommt es, dass Moos an diesem Mittwochnachmittag mit Yvonne Schneider und Jeremie Gnaedig auf einem Perserteppich sitzt. "Wir haben jetzt schon mal die Grundausstattung
hergebracht", erzählt Gnaedig. "Morgen wird dann die Ausstellung aufgebaut. Also nicht von uns, sondern von den Akteuren."
Die Akteure, das heißt in diesem Fall unter anderem "Freigeist" und das Atelier "Lebenskunst" der Oba (offene Behindertenarbeit der Lebenshilfe), die am heutigen Freitag ihre Ausstellung eröffnen. Das Theater im Gärtnerviertel zeigt am Donnerstag einen Ausschnitt aus dem Stück "Purple Rose of Cairo". Im Jugendzentrum finden, "outgesourct", die Konzerte statt, Jazz-Punk, Hip-Hop, Blues ... Das ganze Programm findet sich auf der Homepage www.jugendarbeit-bamberg.de. Auch zwischen den einzelnen Punkten wird die Obere Königsstraße 53 als Lounge offenstehen.
Die Organisatoren aus dem Juz sehen sich selbst dabei weniger als Veranstalter denn als Bereitsteller eines Ortes. Künstler, die man interessant findet, mit denen man ohnehin schon vernetzt ist, werden im Vorfeld zu einem Vorgespräch eingeladen. "Wer da kommt", sagt Schneider, "hat auch wirklich Lust. Das Programm entsteht dann in der Gemeinschaft. Auch an welchen Tagen die Akteure auftreten, legen sie selbst fest."


Eine Herausforderung

Nach fünf erfolgreichen Durchgängen hat sich zwischen den Organisatoren eine gewisse Routine herausgebildet. Und trotzdem bleibt die Herausforderung, einen leeren Raum innerhalb kurzer Zeit zu einem Kultur-Raum zu machen. Jeremie Gnaedig weiß: "Vieles passiert auf den letzten Drücker. Das ist nicht einfach, aber spannend."
Kultur im Leerstand sei eine Plattform, auf der die Protagonisten des freien Bamberger Kulturlebens sich ohne große Hürden präsentieren können. An immer neuen Orten. Yvonne Schneider: "Ich möchte einen Gast vom letzten Mal zitieren: Kultur im Leerstand ist die einzige Aktion in Bamberg, die mich ein bisschen Großstadtflair schnuppern lässt."