Für die meisten Menschen ist es selbstverständlich, wie es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes Bad Kissingen heißt: Man möchte selbständig in der gewohnten Umgebung leben und alt werden dürfen. Diese Ziel verfolgt auch der Freistaat Bayern und hat über das Pflegeministerium das Förderprogramm "Pflege So Nah" aufgelegt. Die Gelder erleichtern es den Kommunen und Pflegeanbietern, die Weichen für ein Altwerden daheim zu stellen. So werden verschiedene Projekte gefördert, deren Ziel es ist, die Lebenssituation älterer Bürger mit Pflege- und Betreuungsbedarf in der gewohnten Umgebung zu verbessern. Das können ambulant betreute Wohngemeinschaften sein, Begegnungsstätten (haushaltsnahe Dienste, offene Mittagstische und Betreuungsangebote im Viertel), Kurzzeit-, Tages- und Nachtpflegeplätze oder aber auch Dauerpflegeplätze, die besonders demenzsensibel und sehbehindertengerecht sind.

Damit die Gelder abgerufen werden, hat das Regionalmanagement des Landkreises zu einer Fachinformation eingeladen. Coronabedingt auf zwei Termine gestreckt waren am 25. Juni und am 7. Juli Bürgermeister, Quartiersmanager, Allianzmanager sowie das Amt für ländliche Entwicklung und Pflegeanbieter aus dem stationären und ambulanten Bereich vor Ort. Die Teilnehmer folgten den Ausführungen der Referenten vom Landesamt für Pflege. Die waren aus Amberg angereist, um über die Anforderungen an Konzepte, Gestaltung und Pflege zu informieren sowie Beispiele aus der Praxis zu zeigen. "Es geht darum, die Pflege der Zukunft gemeinsam mit Ihnen zu gestalten. Wir möchten Innovation sehen und das dann gerne fördern", sagte eine der Hauptreferentinnen, Kristina Mais.

Unter anderem fällt auf, dass mit dem Programm vergleichsweise große Summen in die Hand genommen werden, um auch Investitionskosten zu fördern. So wird die Entstehung einer neuen ambulant betreuten Wohngemeinschaft mit bis zu 60 000 Euro pro Platz (maximal zwölf Plätze) gefördert. Das ist erheblich mehr, als das bisher der Fall war, findet Landrat Thomas Bold: "Mit dem Förderprogramm soll die Lebens- und Wohnsituation von Bürgerinnen und Bürgern mit Unterstützungsbedarf verbessert werden, Angehörige sollen entlastet werden. Gleichzeitig ist es das Ziel, dass pflegebedürftige Menschen in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. Das unterstützt das neue Förderprogramm Pflege So Nah in erheblichem Maße, was mich natürlich sehr freut. Deshalb haben wir gern den Kommunalvertreterinnen und -vertretern sowie den Pflegeanbietern die Gelegenheit zu Information, Fragen und Austausch gegeben. Und beide Tage haben gezeigt, dass die Nachfrage sehr groß war, auch die langen Fragerunden beweisen ein großes Interesse aller Beteiligten, Pflege im ländlichen Bereich zukunftsfest zu gestalten."

Zu Beginn der Infoveranstaltungen hatten Cordula Kuhlmann, Leiterin der Regionalentwicklung am Landratsamt Bad Kissingen, und Antje Rink, Projektmanagerin "Generation V-Z", die demografischen Zahlen präsentiert und veranschaulicht, weshalb dieser Fachtag so wichtig war: In fast allen Kommunen geht der Anteil der Menschen zwischen 18 und 65 Jahren in den kommenden zehn Jahren im zweistelligen Prozentbereich zurück. Der Anteil der Menschen über 65 Jahren wächst im gleichen Zehnjahreszeitraum ebenfalls im zweistelligen Prozentbereich. "Das nennen die Statistiker das Phänomen der doppelten Alterung", erklärte Cordula Kuhlmann. "Das bedeutet, immer mehr ältere Menschen haben Unterstützungsbedarf bei immer weniger jüngeren, die ihn leisten können." Antje Rink ergänzt: "Das bedeutet aber in der Konsequenz auch, ausreichend Angebote zur Unterstützung, Teilhabe und Entlastung vorzuhalten. Nicht nur, um die pflege- und unterstützungsbedürftigen Menschen würdig zu versorgen, sondern vor allem auch, um die zu entlasten, die Pflege und Betreuung leisten sollen, damit sie dem Arbeitsmarkt weiter zur Verfügung stehen und nicht durch Pflege verschlissen werden." red