Wort zum Sonntag für den 20. September:

D ie Welt brennt. Jedenfalls empfinde ich es so, wenn ich die aktuellen Bilder und Berichte in Zeitung, Fernsehen und Internet sehe. Und ich denke dabei nicht nur an den Kampf der amerikanischen Feuerwehrleute gegen die kaum zu löschenden Waldbrände.

Es ist schwer zu begreifen, wie politisch Verantwortliche - und nicht nur die - mit den Brandherden auf der Welt umgehen. Da werden Katastrophen geleugnet, da verschließt man die Augen vor menschlichem Leid wie in den Flüchtlingslagern, vor Klimakatastrophen und vielem mehr.

Die Zeichen der Zeit sind unübersehbar. Denken wir nur an die Corona-Pandemie, die weltweit eine Vollbremsung verursacht hat. Viele haben in dieser Pandemie festgestellt, dass unser Leben Entschleunigung braucht und, dass wir umdenken müssen, wenn das Leben gelingen soll. Ausbrechen aus alten Gewohnheiten, ausbrechen aus der Maschinerie der Unmenschlichkeit. Den Umbruch ernstnehmen und der Ahnung des Neuen trauen! Die Bibel berichtet von einigen Menschen, die Umbrüche in ihrem persönlichen Leben erfahren haben. Manche mussten erst zusammenbrechen, bevor sich ihr Blick weiten konnte auf das Wesentliche, auf das wirklich Menschliche, im Horizont des Göttlichen. Aber als sie erkannt hatten, spürten sie auch, dass es da mehr gibt, handelten sie, halfen, verkündeten und machten damit Menschen Mut und schenkten Zuversicht. Denjenigen jedoch, die sich aus ihrem so nett eingerichteten Nest (oft auf Kosten anderer) nicht vertreiben lassen wollten, waren sie ein Dorn im Auge und wurden nicht selten zur Zielscheibe von Hass und Wut.

Ist es nicht auch heute so? Der Priester Josef Kentenich deutete 1941 vom KZ Dachau aus das damalige Zeitgeschehen so: "Eine alte Welt ist am Verbrennen." Visionär schrieb er: "Am Horizont zeigen sich - langsam erkennbar - die großen Strukturlinien einer neuen Weltordnung." Eine Zukunftsperspektive, die leider noch immer mehr Vision als Wirklichkeit ist. Allerdings liegt es auch in unser aller Herzen und Händen, wie aus dieser Vision Realität wird.

Das Neue entsteht, wo Menschen sich berühren lassen, sich leiten lassen vom Geist Gottes in solchen Zeitenstimmen, und wo sie beherzt handeln als Einzelne und in Gemeinschaften. Die neuen Ordnungen sind zwar nicht einfach vorhersehbar und planbar, nach der Erfahrung der Propheten: "Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und meine Wege sind nicht eure Wege." (Jes 55,8) Aber im Tasten nach den konkreten Schritten will ich der inneren Stimme trauen: "Sucht den Herrn, er lässt sich finden, ruft ihn an, er ist nah!" (Jes 55,6)

Armin Haas,

Pfarrer und Dekan, Schondra