Dieser Tage läuteten um kurz vor 16 Uhr die Glocken der Fürnbacher Kirche zum Gottesdienst. Das Gotteshaus mit dem sanierten Turm erhielt in einer Feier das renovierte Turmkreuz.

Wer in den zurückliegenden Wochen zum Kirchturm nach oben geschaut hatte, dem bot sich ein seltener Anblick: Das Kreuz auf der Spitze fehlte. Ganze fünf Wochen lang war es nicht am gewohnten Platz. Denn das Kirchturmkreuz und auch der Kirchturm selbst mussten dringend erneuert werden.

Die Kirche "Allerheiligen" in Fürnbach stammt aus dem Jahr 1711. Sie wurde 1960 erweitert, und zwei Jahre später folgte die Errichtung des Turms.

Das inzwischen in die Jahre gekommene Turmkreuz war verrostet und auch die Schallgitter des Turms waren kaputt. Das einfache Kreuz wurde damals zusammen mit einer eiförmigen Halterung, die eher provisorisch aus einzelnen Metallstücken zusammengeschweißt worden war, auf dem Turmdach angebracht. Diese längliche Metallkonstruktion, auf dem nun Jahrzehnte lang das Kreuz befestigt gewesen war, erinnerte den Mesner Siegfried Nüßlein eher an "eine aufgeplatzte Kaffeebohne" als an eine Kugel und soll in Zukunft auf dem Friedhof als Mahnmal dienen.

Die jetzige Montage sollte nicht wieder so unbemerkt wie damals vor 58 Jahren vonstattengehen, sondern feierlich und würdevoll - wenn auch durch Corona nur im kleinen Rahmen. Bei einer Segnungsfeier wurde das sanierte Kreuz mitsamt neuer vergoldeten Kugel vor den Augen der Einheimischen mit Zeitzeugnissen bestückt und auf der Spitze angebracht.

Mit musikalischer Unterstützung der "Steigerwaldklänge Fürnbach" trugen vier Fürnbacher, die an den Renovierungsarbeiten beteiligt waren, das verbesserte und vergoldete Kirchturmkreuz und die neue Kugel auf einem Tragegestell auf den Dorfplatz vor der Kirche. Dort gestaltete Pfarrer Kurt Wolf den Gottesdienst. Er sprach über Kreuz und Turm, die wie ein Segen über den Menschen und als Finger gen Himmel und Gott stehen.

Chronik

Der Kirchenpfleger Siegfried Nüßlein befüllte eine kupferne Kapsel, die bis zur nächsten Restaurierung in der Kugel verbleiben soll, mit verschiedenen Zeitzeugnissen: Neben aktuellem Geld, der Tagesausgabe einer Lokalzeitung, dem Sonntagsblatt, dem Pfarrblatt, einem Foto und dem Liedblatt des Gottesdienstes gab er eine Art Chronik hinein. Das handgeschriebene Dokument skizziert die Geschichte des Dorfes, der Kirche und ihrer Mitglieder.

Pfarrer Wolf segnete Kreuz und Kugel und richtete Dankesworte an Nüßlein. Nur dank dessen Hartnäckigkeit, unter anderem in der Kommunikation mit der Diözese Würzburg, ist es Wolf zufolge zu dieser Instandsetzung gekommen. Denn erst durch herunterfallende Teile des Schallgitters wurde laut Wolf der Diözese die Notwendigkeit der Sanierungsarbeiten ersichtlich, und sie stufte die Teilrenovierung als "Notbaumaßnahme" ein. Sie stellte einen Zuschuss von 20 Prozent in Aussicht.

Mit der Antwort aus Würzburg, dass lediglich das Nötigste erneuert werden kann, gab sich Nüßlein nicht zufrieden. Die Fürnbacher ergriffen selbst die Initiative: Die Renovierungsarbeiten wurden, mit Ausnahme der Turmkreuz-Restaurierung und wie schon 1962 beim Turmbau ehrenamtlich und in Eigenregie ausgeführt. Es erging ein Spendenaufruf zur Finanzierung. Dank wurden den Sponsoren und allen Helfern gesagt, darunter Wolfgang und Siegfried Nüßlein, Harald Aumüller, Walter Schug sowie Alexander Schneider und Richard Klug, die alle maßgeblich zur Renovierung beigetragen haben. Und auch die Gemeinde Rauhenebrach hatte einen Zuschuss von zehn Prozent geleistet.

Über zwei Meter

Über das Ergebnis der Restaurierung freute sich Nüßlein besonders. Die Größe und der Glanz des sanierten 2,10 Meter hohen Kreuzes seien überwältigend, sagte er. Die Möglichkeit, das Kreuz aus der Nähe zu betrachten, war für ihn einmalig. "Wir sind alle Zeitzeugen", rief er den Anwesenden ins Gedächtnis. Und auch die Fürnbacher waren sich sicher: So ein historisches Ereignis sollte man sich nicht entgehen lassen.

Mitarbeiter der Firma Tröppner zogen Kreuz und Kugel samt Kapsel nach der Segnung am Turm vorsichtig nach oben. Das Turmkreuz erstrahlte auf der Spitze in neuem Glanz.

Und weil das Gerüst schon einmal stand, nutzten Bürgermeister Matthias Bäuerlein und Pfarrer Kurt Wolf die Gelegenheit und erklommen die Kirchturmspitze, um aus 16 Meter Höhe auf Fürnbach herunterzuschauen. Nun soll das Kreuz mindestens 50 weitere Jahre auf das Dorf herabblicken und den Turm der Kirche zieren.