Dass es in Münnerstadt gelegentlich etwas länger dauern kann, bis ein Vorhaben umgesetzt wird, ist hinlänglich bekannt. Grund dafür war in den letzten Jahrzehnten immer wieder Geldnot, unter der die Stadt nicht zuletzt wegen ihrer außergewöhnlichen Struktur mit einer Kernstadt und zehn Stadtteilen auf einer riesigen Fläche leidet.

Es ist inzwischen auch schon etliche Jahre her, als der frühere TSV-Vorsitzende Peter Will auf den desolaten Zustand der Tartanbahn im Sportzentrum aufmerksam machte. Zuständig dafür war und ist die Stadt, der das gesamte Sportzentrum gehört, wie Münnerstadts Bürgermeister Michael Kastl (CSU) erst kürzlich bei einer Begehung der Mehrzweckhalle sagte. Aber der Wunsch nach einer Sanierung der 400-Meter-Rundbahn fiel in eine Zeit erheblicher Geldnot.

Leichtathleten schwer enttäuscht

Bereits vor 15 Jahren zeigten sich die äußerst erfolgreichen Münnerstädter Leichathleten schwer enttäuscht, weil sich der Stadtrat hinter verschlossenen Türen lediglich für eine Reinigung und ein grobes Ausbessern der Tartanbahn für rund 20 000 Euro entschieden hatte. Zuvor war von einer Generalsanierung für rund 200 000 Euro oder einer Grundsanierung für knapp 80 000 Euro die Rede gewesen.

Und quasi als "Gegenleistung" für die geplante Investition hatten die TSV-Mitglieder kurz zuvor die Tribüne in Eigenleistung auf Vordermann gebracht, damit sich ein ordentliches Gesamtbild ergibt. Dabei haben damals nicht nur der TSV, sondern auch die Schulen der Stadt das Sportzentrum genutzt.

Die Jahre gingen ins Land, und weil klar wurde, dass es für die Sanierung der Tartanbahn kaum Fördermöglichkeiten gibt, richtete sich der Blick des Stadtrats mehr und mehr auf die Mehrzweckhalle, die wegen des Bestandsschutzes als Drei-Felder-Schulturnhalle sehr gut gefördert wird.

Dabei gab es zwar auch die eine oder andere Verzögerung und Kostensteigerung - jetzt aber wird sie für rund zehn Millionen Euro brutto generalsaniert. Die Tartanbahn war zwar noch im Haushalt 2019 mit Finanzplanung der Folgejahre mit 400 000 Euro eingestellt, allerdings unter der Rubrik "ohne Festlegung", also nach dem Jahr 2022.

Das hat sich jetzt geändert. Beim kürzlich einstimmig beschlossenen Haushalt für 2020 mit Finanzplanung von 2021 bis 2023 ist die Sanierung der Tartanbahn für nächstes Jahr enthalten. Bürgermeister Michael Kastl wünscht sich, dass mit der Einweihung der generalsanierten Mehrzweckhalle auch eine sanierte Tribüne und eine neue Tartanbahn zur Verfügung stehen. Die Weichen dafür hat der Hauptausschuss jetzt gestellt.

Über Internet zugeschaltet

Via Internet war der Geschäftsführer der Firma Kutter Landschaftsbau-Sportplatzbau aus Memmingen, Stefan Kutter, zugeschaltet. Die Firma hatte vor einiger Zeit die Münnerstädter Tartanbahn unter die Lupe genommen. "Die Bahn ist in die Jahre gekommen", sagte er.

Nach nunmehr 30 Jahren sei die Erneuerung des Kunststoffbelages notwendig. Der Unterbau sei allerdings noch gut, abgesehen von einigen Stellen, die durch Wurzeln beschädigt wurden. Ein Spezial-Fahrzeug spritzt eine wasserdurchlässige Kunststoffschicht auf, die Kosten dafür belaufen sich auf 300 000 bis 500 000 Euro, so Stefan Kutter.

Trotz der wasserdurchlässigen Schicht sei der Einbau einer Entwässerungsrinne sinnvoll, sagte der Geschäftsführer auf eine Anfrage von Norbert Schreiner (Forum aktiv). Auch eine Barriere gegen das Eindringen von Wurzeln sollte gebaut werden.

Günter Scheuring (Freie Wähler), der gleichzeitig einer der Vorsitzenden des TSV Münnerstadt ist, ließ sich bestätigen, dass das Basketballfeld und die Weitsprunganlage innerhalb der 400-Meter-Bahn ebenfalls mit neuem Belag versehen werden. Rund 5500 Quadratmeter umfasst der Kunststoffbelag.

In diesem Jahr könnten sogar noch einige Vorarbeiten durchgeführt werden, hieß es bei der Sitzung. Im nächsten Frühjahr kann der Belag aufgebracht werden. "Wir haben 400 000 Euro dafür in den Haushalt eingestellt", sagte Michael Kastl. Weil es für das Aufspritzen eine Temperatur von mindestens 15 Grad braucht, ist die Sanierung ab April/Mai möglich. Nun werden drei Angebote eingeholt.

Zur Sprache kam auch der Allwetterplatz. Der Belag sei zwar auch nicht mehr gut, aber nicht so schlecht wie die Tartanbahn, sagte Günter Scheuring. Eine Sanierung ist vorerst nicht vorgesehen.