Impulse vom weltweit größten Krebskongress beeinflussen auch die Arbeit in Oberfranken. Der Kongress der "American Society of Clinical Oncology" (ASCO) in Chicago bot wiederum eine fast unüberschaubare Flut neuer Daten aus transnationaler und klinischer Forschung. ASCO meldete 38 000 Teilnehmer - darunter der Kronach-Kulmbacher Onkologe Peter Anhut. Erfreulicherweise beschränken sich die Fortschritte mit qualitativ hochwertigen Studien nicht auf die dominierenden Themen der neuen Arzneimittel und der Biomarker, sondern umfassen auch Operation, Bestrahlung und unterstützende Therapie.
Der Kronacher Onkologe und Spezialist für Krebsmedizin, Peter Anhut (er wohnt in Kulmbach), - er ist auch Vorstandsmitglied im Tumorzentrum Oberfranken - war wieder persönlich vor Ort und brachte interessante Neuigkeiten zum Thema Krebstherapie mit.
Warum nimmt ein Mediziner eine solche Mühe auf sich? "Der amerikanische Krebs-Kongress ist der größte Kongress für Krebsmedizin weltweit", erklärt der Kronach-Kulmbacher Onkologe. "Die Kongressteilnehmer kommen aus aller Herren Länder. Traditionell werden hier die wesentlichen Arbeiten und wissenschaftlichen Ergebnisse des letzten Jahres in diesem Rahmen vorgestellt. Um ganz nahe an den aktuellen Entwicklungen zu sein - glaube ich - ist dieser Kongress schon eine Reise wert."


Entfernung der Lymphknoten

Für das Vorstandsmitglied im Tumorzentrum Oberfranken gab es viele neue Erkenntnisse. "Es gab wieder mehrere Tausende Berichte. Es ist nicht einfach, hier die wichtigsten Arbeiten zu identifizieren. Eine Auswahl kann nur subjektiv sein. Eine wichtige Arbeit für mich - obwohl ich kein Frauenarzt bin - war die LION-Studie, welche überprüft hat, ob die Entfernung unauffälliger Lymphknoten im Becken und neben der großen Körperschlagader bei Patientinnen mit Eierstockkrebs - wenn diese während der Operation unauffällig erscheinen - notwendig ist. Die Studie hat erbracht, dass die systematische Entfernung dieser Lymphknoten nicht notwendig ist, was die Nebenwirkungen dieser Operation deutlich reduzieren wird. Das ist eine gute Nachricht für Patientinnen mit Ovarkarzinom."
Es gab eine Fülle weiterer Erkenntnisse. "Beim fortgeschrittenen aggressiven Prostatakarzinom beispielsweise haben wir gelernt, dass der frühe Einsatz eines Medikamentes namens Abirateron - ebenso wie die Chemotherapie mit Docetaxel - einen deutlichen Überlebensvorteil erbringt." Interessant sei auch, dass bei manchen Patienten mit Dickdarmkarzinom in der adjuvanten Situation - also Tumor entfernt, aber erhöhtes Rückfallrisiko - bei der Chemotherapie mit Oxaliplatin möglicherweise die übliche Dauer über sechs Monate auf drei Monate reduziert werden kann. Das hätte vor allem den Vorteil, dass weniger Nebenwirkungen insbesondere Nervenschädigung für die Patienten auftreten.
Welche Auswirkungen ergeben die neuen Erkenntnisse für Versorgung der Patient in der Praxis? "Neben dem Wissen über die modernen Medikamente, die jetzt bereits zugelassen oder in Kürze zugelassen werden und dann für die Behandlung der Patienten eingesetzt werden können, werden wir einige einzelne Patienten zukünftig auch mit weniger Nebenwirkungen bei gleicher Effektivität behandeln", sah Anhut einen großen Vorteil.


Versorgung verbessern

Das "Tumorzentrum Oberfranken" will über die Registrierung und Auswertung hinaus die medizinische Versorgung verbessern. Dabei sollen Erfahrungen und Erkenntnisse ausgetauscht und diskutiert werden. "Es finden hier in Oberfranken in Bayreuth, Bamberg und Coburg demnächst drei Fortbildungsveranstaltungen statt, wo Ärzte für Ärzte die neuen Erkenntnisse des Krebskongresses zusammenfassen. Die Veranstaltung in Bayreuth ist schon letzte Woche erfolgt, die Veranstaltung in Bamberg wird am 5. Juli und in Coburg am 19. Juli stattfinden. "Wir hoffen möglichst viele Kollegen hier begrüßen zu dürfen", betonte Peter Anhut. rg