Ingrid Funk stammt aus einer Feuerwehrfamilie: Uropa, Opa, Papa und nun schon seit Anfang der 1990er Jahre sie selbst. Auch ihr Mann und ihr 20-jähriger Sohn sind aktive Feuerwehrler. Nur ihre Mutter war nie an vorderster Front tätig. Dafür wirkte sie im Hintergrund und kochte Kaffee oder putzte das Feuerwehrhaus.

Stolz meint deshalb Ingrid Funk: "Das war mir in die Wiege gelegt!" Vor vielen Jahren sagte sie zu sich: "Sobald Damen bei der Feuerwehr sind, geh ich dahin!" Und das tat sie dann auch. Seit nunmehr 27 Jahren mischt sie mit. Als Schriftführerin, im Festausschuss 2013 und seit Januar 2015 im Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr Schwürbitz, wo sie nicht mehr wegzudenken ist.

Handicap ist kein Problem

Seit November 2013 hat sie das Ehrenamt der Fachbereichsleiterin der Kinderfeuerwehren vom Landkreis Lichtenfels inne. Die Tätigkeit mit Kindern gibt ihr viel, erzählt die Feuerwehrfrau. Gerne erzählt sie von einem Rollstuhlfahrer bei der Kinderfeuerwehr. Bei einem Ausflug in den Nürnberger Zoo packten viele Mütter und Väter mit an, um dem Gehandicapten diesen Ausflug zu ermöglichen. Dieser wurde auch bei der Kinderolympiade integriert und fuhr wie bei einem Jugendleistungsmarsch voran und führte so zu den einzelnen Stationen. Bei dieser "kleinen Olympiade" gibt es keine Verlierer. Alle zwei Jahre findet dieser Wettkampf an wechselnden Orten im Landkreis statt. 2019 in Redwitz waren 135 Kinder aus 14 Kinderfeuerwehren dabei. Im Landkreis können die Kinder in insgesamt 21 Kinderfeuerwehren aktiv werden. Kinder ab sechs Jahren können so spielerisch die Brandbekämpfung erlernen.

Es gab Kaffee und Brötchen

Worüber sich Ingrid Funk sehr freut, ist die Hilfsbereitschaft der Menschen. Bei einem Einsatz zur Beseitigung eines Wasserschadens im Winter luden die Nachbarn die Floriansjünger prompt zu Kaffee und Brötchen ein. Auch die Dankbarkeit der Geschädigten bekräftigt Ingrid Funk in ihrem Tun. Da steckt sie dann ganz locker weg, wenn ein Bürger mal meckert, wenn für einen Festzug die Straße kurzfristig gesperrt werden muss. Voller Engagement plant sie Feste, organisiert Fackelwanderungen und hilft mit. Die Jugendlichen werden ebenso mit eingesetzt. Dafür dürfen sie von den Spenden ins Zeltlager, Eis essen oder Pizza bestellen. Äußerst beliebt bei den Kids ist auch der Erste-Hilfe-Kurs, der vom Roten Kreuz abgehalten wird.

Die Kinder werden spielerisch an die späteren Aufgaben der Brandbekämpfer herangeführt. So lernen sie, welche fünf W-Fragen (Wo ist das Ereignis?, wer ruft an?, was ist geschehen?, wie viele Betroffene? und Warten auf Rückfragen) die Anrufer bei einem Notfall an die Mitarbeiter der integrierten Leitstelle durchgeben müssen. "Ich bin immer wieder überrascht, dass Kinder sich das so einprägen", stellt sie erstaunt fest. Die Vorgaben, was den Kindern beigebracht werden soll, erhält sie vom Landesfeuerwehrverband.

In der Schwürbitzer Kinderfeuerwehr befinden sich momentan sieben Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren. Die Mädchen sind zurzeit in der Überzahl. Die nächste Stufe ist die Jugendfeuerwehr. Einmal im Monat besteht für die Kleinen schon jetzt die Möglichkeit, sich mit der Jugend zu treffen.

Kinder suchen "Jugendpaten"

Das senkt die Hemmschwelle, und die Kinder suchen sich einen "Jugendpaten" als ihren persönlichen Ansprechpartner aus. Auch andere Kinderfeuerwehren des Landkreises werden regelmäßig besucht. Da erfuhren sie, dass die Kinderfeuerwehr in Rothmannsthal momentan aus elf Mädchen besteht. Begeistert wurde von den Kleinen auch ein Kinobesuch in Lichtenfels aufgenommen. Da wurden für 154 Kinder alle Säle des Kinos gebucht und der Film durfte gemeinsam herausgesucht werden. "Die Kinder lieben das," sagt Ingrid Funk.

Die gelernte Bäckerin, die jetzt als Köchin im Schülerbistro in Sonnefeld arbeitet, liebt die Gesellschaft. Sie kegelt, geht walken, fährt Rad und trifft Freunde. "Am liebsten habe ich immer zehn bis zwölf Leute um mich", bekräftigt sie. Kein Wunder also, dass ihr die Feuerwehrtreffen aufgrund der Corona-Krise fehlen. Doch seit 22. Juni ist das wieder erlaubt. Bei den Kindern geht es nach den Sommerferien wieder los. Und man spürt förmlich, mit wie viel Freude Ingrid Funk "ihre" Kinder wieder erwartet.