Michael von Rieben

Mitwitz —  "Musik zu komponieren, die Freude macht, sie anzuhören" - unter dieses Motto hatte der Komponist Jean Françaix (1912 - 1997) sein Lebenswerk gestellt und dieses Motto konnte gleichermaßen für das Kammermusikkonzert am Sonntag im Weißen Saal des Mitwitzer Wasserschlosses stehen. Und das Publikum im nahezu voll besetzten Saal hatte sichtlich Freude an dieser musikalischen Promenade durch zwei Jahrhunderte.
Genauer gesagt, das 19. und das 20. Jahrhundert französischer Kammermusik. Französisch deswegen, weil die dortige Musikliteratur für die Trio-Formation Klavier-Cello-Querflöte einfach mehr hergibt als die deutsche, die statt der Flöte zumeist die Violine einsetzt. Dass der entsprechende Ausflug ins Schaffen hierzulande eher unbekannter Komponisten partout kein Fehler war, bewies schon gleich zu Beginn die Konzertsonate op. 17 von Jean-Michel Damase (1928 - 2013).
Eigentlich ein zeitgenössischer Künstler, ging Damase nie den Weg der Avantgarde, sondern entwarf seine Neuerungen im klassischen Rahmen. Und die aus Küps stammende Cellistin Ulrike Maria Gossel reizte zusammen mit ihren Trio-Partnern Regina Bussmann (Querflöte) und Bernhard Kuffer (Klavier) diesen Rahmen in sieben Sätzen voll aus. Hier war sowohl der Kawai-Flügel in seinem Element, die Querflöte konnte zeigen, welche Dynamik in ihr steckt, und das Cello schuf als das deutsche "Instrument des Jahres 2018" eine sichere sonore Basis.
Ein ganzes Jahrhundert vorher war das Trio in e-Moll von Louise Farrenc (1804 - 1875) entstanden, was aber keinen musikästhetischen Bruch bedeutete. Wie Bernhard Kuffer in seinen charmanten Einführungen zu Leben und Werk der gespielten - paritätisch je zwei Komponisten und Komponistinnen - erläuterte, wandelte die wohl erste Musikprofessorin Frankreichs auf spätklassisch-romantischen Pfaden und passte sozusagen als Prequel hervorragend zu Damase. Auch hier wieder eine begeisterte und spritzige Spielfreude des Trios, die dann das Publikum schon mal ein Vivace mit einem Presto verwechseln ließ mit entsprechendem Zwischenapplaus.
Melancholisch wurde es nach der Pause mit der "Suite Orientale op. 48" der Komponistin Mél Bonis (1858 - 1937): Ursprünglich für Klavier und Streicher komponiert, ließ die Bearbeitung mit Flöte eigentlich noch besser die nahöstlich-romantische Stimmung aufkommen. Die Mél Bonis von den Eltern versagte Musikkarriere erzeugte vielleicht die gedämpfte Grundhaltung ihres Werkes, das hier in Mitwitz aber als willkommener Kontrast und dadurch Bereicherung des Programms erschien. Insbesondere im dritten Satz "Ronde de Nuit" konnte die Cellistin die samtige, dunkle Färbung ihres Instruments voll ausspielen.


Fliegender Flötenwechsel

Wiederum ein Zeitsprung war das erst 1997 uraufgeführte Trio von Jean Françaix, der die drei Musiker oftmals mehr gegeneinander als miteinander spielen ließ. Hier waren Kuffer, Bussmann und Gossel außerordentlich gefordert, mussten sie doch immer wieder und vor allem am Ende jedes Satzes harmonisch zusammenzufinden, was sie immer mit Bravour lösten. Kleiner Gag am Rande: Im Tempo-Übergang des 4. Satzes von "Andante" nach "Subito Vivo" musste die Flötistin sogar mittendrin von der Querflöte auf eine Piccoloflöte umsteigen.
Nach einer vom begeisterten Publikum erklatschten Zugabe, "Soir d'Automne" aus den "Trois Aquarelles" des Philippe Gaubert (1879 - 1941), schloss der Pianist den Flügel, denn jeder weitere Zusatz hätte die Ausgewogenheit des gespielten Programms und die frische Klangerinnerung daran gestört. So war es eine echte Freude, sie angehört zu haben, und alle sind zu bedauern, die dieses Wasserschlosskonzert versäumt haben.