Michelau  — Corona hat auch den heimischen Museen schwer zugesetzt. Ein erfolgversprechender Neustart soll nun mit dem Projekt "Museum und Tourismus" erreicht werden.

Worum geht es? Dabei arbeitet die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern mit der BayTM, der Landesmarketingorganisation der bayerischen Tourismus- und Freizeitwirtschaft, eng zusammen. Beide Seiten geben den Anschub, dass sich Museen und Tourismusinstitutionen bayernweit miteinander vernetzen. Vorreiter im Landkreis Lichtenfels ist das Deutsche Korbmuseum in Michelau.

"Für Museen gehören Touristen zu einer sehr interessanten Besuchergruppe", erzählt uns Ariane Schmiedmann vom Korbmuseum in Michelau. Doch nur wenige Museen in Bayern haben bisher ihre Angebote für kulturinteressierte Reisende in nachhaltige Marketingkonzepte integriert. Dabei wäre es sicherlich von Vorteil, wenn man vom Anstieg der Tourismuszahlen im Freistaat profitieren würde.

Besser miteinander vernetzen

Die Idee für das Projekt wurde bereits 2015, nach dem erfolgreichen Bayerischen Museumstag in Kulmbach zum Thema "Museen als touristisches Angebot", geboren. Der Schwung aus der stark besuchten Veranstaltung wurde mitgenommen, um die Museen bei ihren Aktivitäten im Tourismus zu unterstützen. "Wir sind bereits auf einem guten Weg, mit dem Projekt Museen und Tourismus zusammenzubringen. Wir wollen beide Branchen besser miteinander vernetzen, so dass sie stärker voneinander profitieren. Aus der Tourismusbranche haben wir gelernt: Tourismus funktioniert vor allem dort, wo es gute Netzwerke gibt. Deshalb wird im Projekt nicht vorrangig das einzelne Museum betrachtet, sondern es werden Museen innerhalb einer thematischen oder geografischen Museumslandschaft in den Fokus genommen", verrät Martin Spantig, Projektleiter der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, über das Projekt.

Ein klarer Mehrwert

Dass ein gut aufgestelltes Museum auch ein klarer Mehrwert in der touristischen Vermarktung für Städte und touristische Regionen sein kann, liegt auf der Hand, animiert es doch Gäste zum Aufenthalt in der entsprechenden Region. Damit profitieren neben den Museen das gesamte Freizeitangebot und nicht zuletzt die Hotel- und Gaststättenbetriebe in der Region. Dazu ist es notwendig, Museen von ihrem Image, es handle sich um eine Sammlung verstaubter Exponate, zu befreien. Museumsleiter werben als Botschafter für die Museen, geben aber auch Tipps für den weiteren Aufenthalt in der Region.

Gemeinsam mit der BayTM bietet man seitens der Museen hochwertige Inhalte: Es werden Interviews geführt, Fotoshootings gemacht und Geschichten erarbeitet, die im Tourismusmarketing erfolgversprechend sind. Leitlinie ist dabei, mit Menschen zu werben statt mit einer Vielzahl an Exponaten. Menschen machen Museen, also stellen am besten Menschen die Museen vor.

Museumsbotschafter

Ein sympathischer Museums-botschafter ist erfolgversprechender als die Aufzählung von Sammlungsschwerpunkten. Ein Lieblingsexponat einer Museumleiterin und was sie damit für eine Geschichte verbindet, kann eher einen touristischen Besuch auslösen als die umfassende wissenschaftliche Beschreibung der Entstehung des Museums. Über die Emotion will man im Tourismus punkten und vom Anstieg der Tourismuszahlen im Freistaat bei der Gewinnung von Museumsbesuchern profitieren.

Auch der Zugang ist ein anderer. Bis ins Jahr 2000 galt noch, was schon seit anderthalb Jahrhunderten galt: Kulturtouristen informieren sich über ihre Ziele vor allem mit dem Baedecker. Lediglich zehn Prozent aller Urlauber holten sich damals ihre Informationen zur Reiseplanung aus dem Internet. Nur zwei Jahrzehnte später ergibt sich ein gänzlich anderes Bild. Lediglich eine Minderheit verlässt sich heute auf gedruckte Medien. So sind es laut einer Studie bereits 82 Prozent, die sich im Internet zu ihren Reisen informieren und oft dort auch gleich buchen.

Hinsichtlich der digitalen Vermarktung der Museen im Internet ist noch viel Luft nach oben: Auf GetYourGuide sind nur wenige Museen aus Bayern präsent, bei Airbnb-Experiences bis Anfang 2019 gar keine. Auf Tripadvisor sind zwar einige Museen bewertet, aber kein bayerisches Museum verkauft auf dieser Plattform Tickets. Soziale Medien wie Instagram, Facebook oder Twitter, die Möglichkeiten darstellen, den eigenen Namen bekannt zu machen, werden wenig genutzt. Bayern ist hier kein Sonderfall. Museen in ganz Europa droht die digitale Unsichtbarkeit in einer zunehmend vom Netz geprägten Alltagswelt von international reisenden Touristen.

Durch das Netzwerk, das die einzelnen Museen und das touristische Angebot einer Region vorstellt, werden Kräfte gebündelt. "Gemeinsam werden wir Angebote maßgeschneidert für unterschiedliche Zielgruppen, wie Busreisende, Radfahrer etc. schaffen", erklärt die Museumsleiterin Ariane Schmiedmann vom Deutschen Korbmuseum in Michelau. Das Deutsche Korbmuseum ist von Anfang an dabei, auch wenn der regionale Schwerpunkt der Initiative in Kulmbach liegt. Der Kulmbacher Mönchshof hat sich als "Schaufenster der bayerischen Nahrungsmittelkultur" einen Namen gemacht. Ansprechpartnerin dort ist Geschäftsführerin Helga Metzel. Sie vertritt das Bayerische Brauereimuseum Kulmbach, das Bayerische Bäckereimuseum und das Deutsche Gewürzmuseum in der Genussregion Oberfranken und koordiniert regional das Projekt "Museum und Tourismus" , das auf dem traditionsreichen Handwerk und der reichen Lebensmittelkultur der Region aufbaut. Das Netzwerk Kultur und Genuss umfasst zehn Museen, die durch die Themen Kulinarik, Handwerk und Anbaukultur miteinander verbunden sind. Natürlich sind weitere Museen aus Franken im Museumsnetzwerk "Kultur und Genuss" willkommen, die thematisch dazupassen. So bestehen inzwischen auch Kontakte in die Deutsche Korbstadt Lichtenfels, wo man Erfahrungen mit Flechtkursen hat. In Bamberg ist das Weltkulturerbezentrum Partner des Netzwerkes. Es wäre wünschenswert, dass sich auch Museen aus den Landkreisen Coburg, Kronach und Bayreuth beteiligen, denn der momentane Schwerpunkt der Aktion liegt noch in Ostoberfranken. Als weitere Mitglieder im Netzwerk kennt man bereits das Aischgründer Karpfenmuseum, das Bauernhofmuseum Kleinlosnitz, das Porzellanikon in Selb und in Hohenberg, das Rogg-In Weißenstadt und das Töpfermuseum Thurnau.