Eine karitative Ader schien der Mann im vergangenen Oktober nicht gehabt zu haben. Beginnend mit dem 3. Oktober und für die Dauer von knapp vier Wochen sackte er an zumeist Lichtenfelser Tankstellen Spendenboxen mit Münzgeld ein. Unbemerkt blieb das nicht, Überwachungskameras überführten ihn des Diebstahls. Am Freitag kam der Fall des Kulmbachers vor Gericht.

Auf der Anklagebank saß kein Mann, der wirkte, als sei ihm egal, was Staatsanwalt Mario Geyer ihm anlastete. Insgesamt fünf Mal nahm er in Lichtenfels und auch in Rödental Spendenboxen an sich, aber das eher aus mangelnder Impulskontrolle. "Ich bin mir der Konsequenzen nicht bewusst", erklärte der 34-jährige Kulmbacher. Was er damit meinte, konkretisierte er so: "Ich gehe da hin und denke mir: Pfff - es ist aus Affekt."

Etliche kleine Beträge erbeutet

Dieses "Es" bezieht sich auf 27 Euro Spendenboxinhalt hier, 100 Euro dort, 40 Euro an einem weiteren Ort und so weiter. Insgesamt sackte der Täter rund 210 Euro ein, einmal auch unter Zuhilfenahme eines Nagelknipsers, mit dem er eine Sicherungskette durchzwickte. Auffällig war, wie wenig ihm die Kameras bedeuteten und wie wenig er sich vor ihnen zu hüten schien. "Ich habe eine bipolare Störung und war nicht medikamentiert", gab er zu seinem Tun preis. Darunter zu leiden hatten im übertragenen Sinne ebenso portugiesische Straßenhunde wie Kinder in Not, für die die Spendengelder eigentlich gedacht waren.

Doch gab es neben mangelnder Impulskontrolle auch ein Warum für die Taten? Danach erkundigte sich Richterin Daniela Jensch. Was sie als Antwort erhielt, war ein Bündel an Erklärungen. "Ich hatte mit der Familie Probleme, mit meiner Steuerung - es hat alles mit reingespielt." Dass es allerdings einen durchaus konkreten finanziellen Hintergrund für das Tun gegeben haben könnte, darauf verwies Geyer. Denn abgesehen von Problemen hatte der Angeklagte mehrere Tausend Euro Schulden. Und wenn er schon steuerlos war, so war er das doch zumeist im Zusammenhang mit Vermögensdelikten. Auch das durfte sich der Mittdreißiger von Geyer anhören.

Hierzu bemerkte er, dass er sich aus gewissen Kreisen gelöst habe. Mehr noch: "Ich arbeite jetzt zehn Stunden am Tag." Von so etwas wie einem Beschönigen oder Bestreiten seiner Taten war der Angeklagte weit entfernt. Von vornherein signalisierte er Richterin Daniela Jensch und Staatsanwalt Geyer, dass an den ermittelten Vorwürfen genug dran ist. "Ja, ich gebe es ja zu", so der im Bauhauptgewerbe tätige Mann, der überhaupt ruhig und verständig wirkte. Ein diesen Fall behandelnder Polizist sollte während der Verhandlung die Vermutung äußern, dass der Angeklagte für einen ähnlichen Vorfall in Himmelkron verantwortlich sei. Wie es sich für ihn anfühlt, derlei Dinge zu tun, dafür hatte der Kulmbacher auch Worte: "Als ob man jemand anderer ist."

Freiheitsstrafe mit Bewährung

Eingedenk der fünf Vorstrafen des Mannes plädierte Geyer trotz der bipolaren Störung für eine Freiheitsstrafe. Diese könne zwar zur Bewährung ausfallen, aber eine solche Strafe sollte es auch darum sein, weil es zum wiederholten Mal zu einem Vermögensdelikt kam. Neun Monate Haft zur Bewährung und bei Zahlung von "einem Monatsnetto", suchte Geyer zu erwirken. Dabei konkretisierte er das Monatsnetto und nannte 1500 Euro. Exakt auf diese Forderung sollte auch das von Richterin Jensch gesprochene Urteil lauten. Drei Jahre lang wird der Verurteilte zudem unter Bewährung stehen und ein Jahr lang hat er Kontakt mit einem Bewährungshelfer zu halten.