Die Stadt Münnerstadt soll sich in den Bewerberkreis um das Biodiversitätszentrum Rhön einreihen. Diesen Antrag haben die Fraktionen von SPD, Forum aktiv und Freie Wähler sowie der fraktionslose Stadtrat Leo Pfennig gemeinsam gestellt. Am Montag, 14. Mai, soll dieser Antrag ab 19 Uhr in der öffentlichen Stadtratssitzung im Rathaus diskutiert werden.
Interessant: Bereits vor einem guten Jahr war der Vorschlag von der Neuen Wege-Fraktion gekommen, die Stadt Münnerstadt solle sich um das Bildungszentrum des Biosphärenreservats bewerben - so wurde die Einrichtung damals genannt. 2017 wurde das Thema nicht weiterverfolgt, auch weil die Stadt nicht Mitgliedskommune im Biosphärenreservat ist.
Im Frühjahr 2018 hatten die Freien Wähler in ihrer Jahreshauptversammlung noch gefordert, zu diesem Thema Bürgerversammlungen durchzuführen, um die Meinung der Bürger zu einem Standort in Münnerstadt zu erfragen. Danach war von diesem Thema nichts mehr zu hören und kam erst jetzt wieder durch die laufende öffentliche Diskussion in den beiden Landkreisen auf den Tisch.


Zentrale Lage

Nach Auskunft von 2. Bürgermeister Andreas Trägner (Freie Wähler) haben die genannten Fraktionen im Stadtrat das Thema nun aufgegriffen, weil ihrer Meinung nach Münnerstadt das Tor zur Rhön sei. Außerdem erklärt Trägner den Antrag mit der guten Mittelpunkt-Lage Münnerstadts. Die Stadt liege für beide Rhön-Landkreise sehr zentral. Hinzu kommt, dass mit dem Jugendhaus am Dicken Turm ein Leerstand vorhanden sei, der sich idealerweise für ein solches Biodiversitätszentrum anbiete.
Noch gehört das Jugendhaus am Dicken Turm zwar den Augustinern. Die wollen aber verkaufen. Wenn eine Nutzung über ein Biodiversitätszentrum gesichert wäre, sieht Andreas Trägner keinen Hinderungsgrund mehr, weshalb die Stadt nicht als Käufer des Jugendhauses aktiv werden sollte.


Gespräch suchen

Bürgermeister Helmut Blank (CSU) kündigt auf Nachfrage an, dass er den neuen Antrag unterstützen will: "Man muss jede Chance nutzen, um Behörden oder Einrichtungen nach Münnerstadt zu bekommen." Blank geht davon aus, dass er - gibt der Stadtrat den Auftrag - das persönliche Gespräch mit dem Landrat und den zuständigen Stellen in München suchen müsse. Er will bereits am Montag vor der Sitzung mit Landrat Bold diesbezüglich reden. Nicht weiterverfolgt worden sei der neue Wege-Antrag 2017, weil Münnerstadt nicht Mitglied im Biosphärenreservat sei. 2005 hatte die Stadt den Beitritt zwar beschlossen, ihn aber fünf Jahre später revidiert. Erst 2022 können nach Angaben von Helmut Blank wieder Gemeinden ins Biosphärenreservat aufgenommen werden.
Das Jugendhaus zu erwerben, sei immer schon ein Traum von ihm gewesen, ergänzt Helmut Blank. Er kann sich aber nicht verkneifen, darauf hinzuweisen, dass dieser Wunsch immer am Nichtwollen des Stadtrates gescheitert sei.


Thema vor einem Jahr

Mit einiger Verwunderung hat der Reichenbacher Ortsreferent Fabian Nöth (Neue Wege) den Tagesordnungspunkt der Montags-Sitzung zur Kenntnis genommen. Im März 2017 hatten er und sein Fraktionskollege Klaus Schebler Münnerstadt als Standort für das zu diesem Zeitpunkt im Gespräch befindliche Bildungszentrum im Biosphärenreservat ins Gespräch gebracht. Nöth und Schebler hatten vor einem Jahr die Zehntscheune als Standort vorgeschlagen. Fabian Nöth hofft nun, dass sich vielleicht im Mai 2018 eine Mehrheit im Stadtrat für eine städtische Bewerbung findet, ganz egal, welche Fraktion nun den Vorschlag einbringe, betont Nöth.
Auch wenn Münnerstadt sich jetzt für ein Biodiversitätszentrum ins Gespräch bringt, der nicht erfolgte Beitritt ins Biosphärenreservat wird weiterhin verteidigt. Sowohl Helmut Blank, als auch Andreas Trägner begründen das damalige Nein zum Beitritt damit, dass Münnerstadt durch das große Wasserschutzgebiet ohnehin schon stark eingeschränkt in seinen Entwicklungsmöglichkeiten sei und zusätzlich zahlreiche Naturschutzgebiete aufweise. Dort, wo es noch Entwicklungsbereiche gebe, sollten diese nicht durch die Vorgaben eines Biosphärenreservates zusätzlich begrenzt werden. Ob die Aussicht auf ein Biodiversitätszentrum vor Ort zu einer Änderung dieses Standpunktes führen kann, wird die Stadtratssitzung zeigen.


Jeder kann sich bewerben

Denn auf Anfrage verweist Landrat Thomas Bold explizit auf diesen Punkt. "Objektiv ist festzustellen, dass Münnerstadt nicht in der Gebietskulisse des Biosphärenreservates ist", heißt es in einer Stellungnahme Bolds. Bewerben könne sich natürlich jede Kommune.
Zu den Aussichten allerdings äußert sich Bold nicht, da die Kriterien und die Ausgestaltung seiner Auskunft nach nicht bekannt sind.