Viele Gespräche sind nötig, damit die Menschen mit Behinderung aus den Wohngemeinschaften der Diakonie in Kulmbach die Corona-Krise und ihre Einschränkungen akzeptieren. Viele von ihnen können nicht ihrer Arbeit nachgehen, die Besuche sind stark eingeschränkt, die Mehrbelastung für die Mitarbeitenden ist hoch.

"Wann werde ich geimpft?"; "Wann gehe ich am besten zum Einkaufen?"; "Wann rufe ich meine Freundin an?" - einige der Fragen, die die Menschen mit Behinderung stellen. Die meisten der derzeit 76 Bewohner n sind in der Lage, den Ernst der Pandemie zu begreifen und die Sicherheits- und Hygieneregeln zu befolgen.

Natürlich müssen die Mitarbeitenden manchmal an das Hände-Desinfizieren oder einen größeren Abstand erinnern, doch auch in unsicheren Situationen, etwa wenn Testergebnisse ausstehen, zeigt sich eine große Akzeptanz, etwa wenn die Frauen und Männer vorsichtshalber mal einen Abend auf ihren Zimmern bleiben und auch dort essen.

"Das liegt sicher auch zu einem Großteil daran, dass wir mit dem Thema Corona und seinen Auswirkungen sehr offen und kommunikativ umgehen", verrät Christopher Kairies, stellvertretender Fachbereichsleiter der Diakonie Kulmbach.

Großer Gesprächsbedarf

Das betrifft sowohl die Freizeitgestaltung der Bewohner als auch deren Arbeit: Rund die Hälfte kann derzeit ihrer Anstellung bei verschiedenen Arbeitgebern im Raum Kulmbach nachgehen. Die anderen sind aufgrund von Vorerkrankungen als Risikopatienten eingestuft und werden entweder in einer Notbetreuungsgruppe der Lebenswerk gGmbH oder in den Wohngemeinschaften betreut. Dort versuchen die Mitarbeitenden den Alltag unter Corona-Bedingungen so abwechslungsreich und normal wie möglich zu gestalten.

"Die ganze Situation drückt die Stimmung schon, aber die Akzeptanz und Einsicht ist hoch; auch wenn jede Änderung der Regeln viel Gesprächsbedarf mit sich bringt, gerade bei den Menschen mit einem hohen Grad an Selbstständigkeit", so der Fachbereichsleiter. Viele Bestimmungen seien offenkundig aus einem eher pflegerischen Kontext heraus getroffen worden, konkret aus der Altenhilfe. "Unser Schwerpunkt liegt jedoch auf der pädagogischen Arbeit. Die Menschen hier benötigen zwar auch Hilfe und Unterstützung, aber das ist nicht mit einem Seniorenheim vergleichbar."

Die Frauen und Männer der Wohngemeinschaften sind zur weitestmöglichen Selbstständigkeit erzogen, gehen spazieren, kaufen ein oder treffen ihre Freunde - unter normalen Umständen. Treffen mit einer Kontaktperson waren zuletzt jedoch laut Allgemeinverfügung nur für die Dauer von drei Stunden möglich, ansonsten war vor der Rückkehr in die Wohngruppe ein negatives Corona-Testergebnis notwendig. "Hier wurde durch die Vereinheitlichung von Pflegeheimen und Einrichtungen der Eingliederungshilfe, zu denen wir zählen, eine große Unschärfe hinsichtlich des selbstbestimmten Lebens der Bewohner spürbar", macht Christopher Kairies klar. Auch die Einzel- oder Gruppenbetreuungen durch die Offene Behindertenarbeit der Diakonie Kulmbach seien derzeit ausgesetzt.

Christopher Kairies lobt sein Team, ist aber auch nachdenklich: "Ich habe das Gefühl, Corona schwebt wie ein Damoklesschwert über uns. Jeder, der damit betraut ist, lebt in ständiger Alarmbereitschaft." Auf der anderen Seite schweiße diese Pandemie aber auch zusammen.

Momentan laufen die Vorbereitungen für die Impfungen der Bewohner in den Wohngemeinschaften, einen Termin gibt es jedoch noch nicht. red