Die britische Regierung hat die Frist am 30. Juni 2020 verstreichen lassen, bis zu der die Übergangszeit für mögliche Brexit-Verhandlungen hätte verlängert werden können. Damit wird es laut IHK Würzburg-Schweinfurt immer wahrscheinlicher, dass es Ende des Jahres zu einem "harten Brexit", also einem Austritt Großbritanniens ohne Handelsvertrag, kommt.

Kurt Treumann, IHK-Bereichsleiter International, warnt für diesen Fall vor den wirtschaftlichen Konsequenzen: "Ohne Einigung auf ein Handelsabkommen drohen bis Jahresende Zölle, umfangreiche Handelshemmnisse und rechtliche Unsicherheit in dem wichtigen Außenhandel mit dem Vereinigten Königreich."

Unternehmen in Mainfranken sollten sich vorsichtshalber auf diese Situation einstellen und interne Prozesse vordenken. "Falls sich die EU und Großbritannien bis Jahresende doch noch auf ein Handelsabkommen einigen sollten, umso besser, aber man sollte auch auf das Negativszenario vorbereitet sein." Auch Kay Lipinksi von der Firma Rapid Biomedical aus Rimpar und Mitglied des IHK-Außenwirtschaftsausschusses befürchtet den "No Deal". Ein solches Szenario habe immense Anstrengungen insbesondere in den Bereichen Kalkulation und Vertragswesen zur Folge. Das Vereinigte Königreich bleibe zwar auch weiterhin unverzichtbarer Handelspartner für Bayern und Mainfranken, allerdings nehme die Tendenz dazu ab.

Die IHK weiß von aktuell rund 300 mainfränkischen Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen, die in einer geschäftlichen Beziehung mit Großbritannien stehen. Im Jahr 2019 war Großbritannien für die bayerischen Exporteure sechstwichtigster Partner (2018: Rang fünf).

Das Land hat am 31. Januar formal die Europäische Union verlassen und befindet sich in einer Übergangszeit, in der Großbritannien sowohl Teil der Zollunion als auch des Binnenmarkts bleibt. Dieser Übergangszeitraum endet Mitternacht am 31. Dezember. red