Immer enger müssen die Mädchen und Jungen zusammenrücken. Zum Schluss müssen sie sich gegenseitig festhalten, damit keiner herunter fällt oder die Stühle umkippen. Es wird gekichert, gelacht und gekreischt. Zum Schluss stehen aber tatsächlich alle 15 Schüler und Schülerinnen auf gerade einmal sechs Stühlen dicht gedrängt nebeneinander. "Das habt ihr super gemacht", lobt der Leiter des Jugend- und Kulturtreffs "Struwwelpeter", Samuel Rauch, die Kinder und legt ihnen ans Herz: "Das ist ein Spiel, das nur gemeinsam funktioniert, wenn alle zusammenhalten - wie eure Schulklasse auch!" Vertrauen, Gemeinschaft, Zusammenhalt: All diese für eine Klassengemeinschaft im Umgang mit den Mitschülern unverzichtbaren Werte fördert das Eisschollen-Spiel, bei dem die ganze Klasse auf möglichst wenigen Stühlen stehen soll.
Die Eisscholle war eines von mehreren - der Koordination, Kommunikation und Kooperation in Gruppen dienenden - Spielen des "Traumklassen"-Projektvormittags. Mit der Klasse 3 b der Steinbacher Grundschule unter Klassenleitung von Tanja Porzel beteiligte sich daran nun erstmals auch eine jüngere Jahrgangsstufe. Zusammen mit Samuel Rauch und der pädagogischen "Struwwel"-Mitarbeiterin Kristina Fritz wurden konkrete Problemlagen in der Klassengemeinschaft aufgearbeitet und Lösungsvorschläge aufgezeigt. "Normalerweise bieten wir ein solches Seminar für ältere Jahrgangsstufen an, die Probleme unterschiedlicher Art haben", erklärt der "Struwwelpeter"-Leiter.
Die jeweilige Klasse kommt in den Jugendtreff und man arbeitet zusammen an Lösungen. Für die Drittklässler hatte man den Ablauf und Inhalt altersentsprechend angepasst.


Verbesserung des Klassenklimas

Ziele waren eine Stärkung der Klassengemeinschaft und eine Verbesserung des Klassenklimas durch das Definieren von Regeln und Wünschen, die von den Kindern selbst erarbeitet wurden.
Die Jungen und Mädchen wurden dafür in Kleingruppen eingeteilt. Ohne dass es ihre Mitschüler mitbekamen, durften sie sagen, was - ihrer Meinung nach - in der Klasse nicht gut läuft und was sie besonders nervt. Sehr häufig wurde dabei genannt, dass es öfters Streit gibt, dass geschwätzt wird und dass es manchmal sehr laut in der Klasse zugeht.


"Bei sich selbst anfangen"

Später sollte jeder für sich überlegen, wie er selbst zu einem besseren Klassenklima beitragen könnte. "Jeder muss bei sich selbst anfangen - nicht bei den anderen, nur dann kann eine Klasse besser funktionieren", appellierte Samuel Rauch. Die jeweiligen Ideen der Kinder wurden von Kristina Fritz niedergeschrieben - so beispielsweise nicht schwätzen und nicht reinschreien, besser aufpassen und leise sein, niemand auslachen und ärgern, dem anderen besser zuhören und ihn ausreden lassen, Freundschaft schließen und miteinander spielen oder auch Hilfe anbieten und sich nach einem Streit wieder versöhnen.
Die Lehrerin regte mehr gemeinsame Aktionen, Spiele und Unternehmungen an und wünschte sich mehr Zeit für Probleme und Wünsche der Kinder. Die Beiträge und Ideen werden auf einem großen Plakat festgehalten, das die Klasse 3 b in ihrem Klassenzimmer aufhängen kann. "Denkt immer daran, dass das eure eigenen Ideen waren", gab Rauch den Kindern zum Abschluss des für alle Beteiligten lehr- und hilfreichen, aber auch Spaß machenden Vormittags mit auf den Weg.