I m Mitteilungsblatt der Gemeindeverwaltung lese ich gerne die Rubrik Fundsachen. Handys, Schmuckstücke, Schlüsselbunde gehen regelmäßig verloren. Wie oft habe ich sie schon selber verzweifelt gesucht! Origineller: Jeden Monat auch reihenweise Fahrräder. Wie kann man denn so etwas Großes verlieren?
Am dritten Sonntag nach Trinitatis geht es auch um Verlorenes (Lukas 15): Ein Hirte verliert sein Schaf, eine Frau ein Geldstück. Und ein Vater verliert seinen Sohn. Das lässt aufhorchen. Auch Menschen können verloren gehen.
Im Schulunterricht erzählen die Zweitklässler davon, wie sie schon einmal ihren Eltern verloren gegangen sind. Zwischen den hohen Regalen des Supermarktes, in einer fremden Stadt, beim Besuch des Weihnachtsmarktes. Auf dem Schulhof stehen einzelne Kinder verloren herum. Sie dürfen nicht mitspielen. Das tut weh. Im Gespräch erzählt eine Frau, dass sie nicht mehr sie selber ist. Irgendwo in der Zerrissenheit zwischen Haushalt, Beruf, Kindererziehung und der Pflege ihres Vaters hat sie sich verloren. Sie kommt nicht mehr in Kontakt zu sich selber. Sie fühlt sich fremd und verloren in ihrem Leben.
Menschen können verloren gehen. Menschen können sich selber verlieren. Im Wochenspruch sagt Jesus: "Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist." (Lk 19,10)
Ich finde das eine wunderbare Botschaft: Gott sucht mich. Er geht mir hinterher. Er hat wirkliches Interesse an jedem einzelnen von uns Menschen. Seine Gebote und Verheißungen sollen uns dazu dienen, dass wir nicht verloren gehen und uns nicht verlieren. Und Gott fordert uns auf, auf die zuzugehen, die Verlorene oder Verlierer sind in unserem Umfeld.
Finden und Gefundenwerden machen glücklich. Sicher freut sich jeder, der seinen verzweifelt gesuchten Schlüsselbund im Mitteilungsblatt der Gemeinde unter den Fundsachen entdeckt. Der Hirte freut sich unbändig über das wiedergefundene Schaf, die Frau über das Geldstück und der Vater feiert ein Fest, als sein Sohn zurückkommt. Wie haben sich die Schulkinder gefreut, als ihre Eltern sie zwischen den Regalen wiederentdeckt haben. Wie freut sich der Schüler, der nicht mehr verloren herumstehen muss, weil er eingeladen worden ist mitzuspielen. In vielen Gesprächen, mithilfe ihres Umfeldes und durch Gebet findet die Frau langsam wieder zu sich. Was für eine Freude! Menschen können verloren gehen. Menschen können sich selber verlieren. Aber: "Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist."
(Melanie von Truchseß ist die Pfarrerin in Friesenhausen.)