Bürgermeister Gerd Schneider (parteilos) wollte eingangs der konstituierenden Sitzung für die "Steuerungsgruppe Fairtrade-Gemeinde Memmelsdorf" noch einmal darauf verweisen, dass die zweitgrößte Landkreisgemeinde von Anfang an beim "Fairen Pakt zur nachhaltigen Beschaffung" des Landkreises Bamberg dabei war. Treibende Kraft dahinter sei ja auch Landrat Johann Kalb (CSU) selbst.

Ein Jahr liege der "Fairtrade-Gipfel" von Bamberg nun zurück, und man verwende und genieße seitens der Gemeinde zwischenzeitlich nicht nur fairproduzierte und fairgehandelte Produkte, sondern sei im Sommer auch zu einem Ratsbeschluss gelangt, der die Gemeinde bei allen fairen Angeboten auf die Überholspur bringen könne, so Schneider.

Gesellschaftliches Engagement

Dafür sorgt ab sofort auch die örtliche Steuerungsgruppe, die ihre erste Sitzung unter der Leitung von Gemeinderat Klaus Achatzy im Rathaussaal abhielt. Hinter der Idee der "Fairtrade-Gemeinde" steht nicht nur der Wunsch, möglichst in allen Ländern der Erde faire Arbeits-, Produktions- und Handelsbedingungen zu schaffen und damit Mensch, Tier und Umwelt zu schützen.

Ebenso bedeutsam ist das Anliegen, möglichst viel zivilgesellschaftliches Engagement in den Kommunen und Regionen anzustoßen, damit die Bürger erfahren, wie sie die Zukunft ihres Gemeinwesens auch jenseits von Wahlterminen positiv mitgestalten können.

Umso erfreulicher also, dass die bei der konstituierenden Sitzung der Steuerungsgruppe anwesenden Bürger aus Memmelsdorf und seinen Ortsteilen in den unterschiedlichsten staatlichen Institutionen, Kirchen, Vereinen, Verbänden und auch in den politischen Parteien verankert sind. So könne der Fairtrade-Gedanke in Memmelsdorf deutlich an Fahrt aufnehmen, zeigten sich die Teilnehmer in der Steuerungsgruppe von der nachhaltigen Wirksamkeit ihres Engagement überzeugt.

Karin Radler-Denzlein, die Rektorin der Memmelsdorfer Ferdinand-Dietz Grund- und Mittelschule, ließ im Rahmen der Vorstellungsrunde aufhorchen, als sie erklärte, dass es an ihrer Schule eine "Fairtrade-Klasse" gebe, die von einer Team-Lehrerin begleitet werde, die auch schon in Kalkutta gelebt und gearbeitet habe.

Der Weg ist bereitet

Brigitta Feuerer vom Katholischen Deutschen Frauenbund konnte von Erfolgen ihres Verbandes berichten, die hinsichtlich des Fairtrade-Gedankens schon Jahrzehnte zurückreichen, und Andreas Spahn von der ABD-Fraktion im Gemeinderat, der sich zu einem franziskanischen Christentum bekannte, das sich umfassend für die Schöpfung verantwortlich weiß, berichtete ebenfalls von zahlreichen Fairtrade-Projekten, die schon lange das Gemeindeleben in Memmelsdorf prägten. Im Wesentlichen, so Klaus Achatzy, seien die Bedingungen schon erfüllt, die vor einer Zertifizierung als Fairtrade-Gemeinde erfüllt sein müssten. In manchen Bereichen gelte es allerdings noch etwas aufzuholen. So wolle man die weithin für ihre hervorragende Qualität gerühmte Memmelsdorfer Gastronomie noch für den Fairtrade-Prozess gewinnen und in Teilen auch den Einzelhandel.

In einem abschließenden Resümee zur konstituierenden Sitzung konnte Bürgermeister Schneider festhalten, dass man im Jahr eins nach dem Beitritt zum "Pakt für nachhaltige Beschaffung" rasant und erfreulich erfolgreich unterwegs sei auf dem Weg zur Zertifizierung als Fairtrade-Gemeinde.