"Im Grunde genommen hasse ich mich dafür, dass ich sowas gemacht habe", erklärte der 34-jährige Handwerker aus dem Raum Altenkusntadt zu seinem Hang nach Kinderpornografie. Dennoch machte er am Dienstag vor dem Amtsgericht in Lichtenfels mehrere widersprüchliche Aussagen, bevor er sich zu einem Geständnis durchringen konnte.
"Besitzverschaffung kinderpornografischer Schriften sowie Besitz von jugendpornografischen Schriften" - so lautete die Anklage, die Staatsanwältin Claudia Schellhorn gegen den Mittdreißiger verlas. Der zeigte sich während des Verfahrens durchaus zugänglich. Doch sein Aussageverhalten führte zunächst in die Irre. "Die Bilder habe ich das erste Mal bei der Vernehmung gesehen", sagte der Angeklagte gegenüber Richter Alexander Zenefels. Doch genau dies konnte gar nicht zutreffen, wie eine sachkundige Ermittlerin im Zeugenstand darstellte. Zwischen dem 1. August 2012 und dem 24. März 2014 bezog und stellte der Angeklagte über Internetplattformen Bilder mit abscheulichem Inhalt ins Internet - mitunter Kinder, die schwer missbräuchlich zum Geschlechtsverkehr gezwungen wurden.


100 kinderpornografische Dateien

Weit über 100 Dateien fanden sich gespeichert auf dem konfiszierten und der Polizei zur Auswertung überlassenen Laptop. Dass der Angeklagte diese Bilder nie bemerkt haben konnte, war in dem Moment widerlegt, als die Coburger Kriminalistin eine Eigenheit des Dateiprogramms schilderte, dass diese Dateien sich nur haben löschen und aus dem Chronikverlauf entfernen lassen, weil sie vorher geöffnet wurden.


Als Frau ausgegeben

In einer zweiten Erklärung, die der Beschuldigte dem Gericht anbot, habe er den Laptop über einen Kleinanzeigen-Markt im Internet erworben. Die Übergabe schilderte er konspirativ. "Das Treffen war in Coburg am Bahnhof - Geld gegen Laptop", erzählte er. Die besagten Dateien seien bereits auf dem Laptop gewesen. Doch was hierbei stutzig machte, war, dass dem 34-Jährigen auf richterliche Nachfrage weder die damalige Anzeige parat war, noch der Name des angeblichen Geschäftspartners. Auch wies ihm das Gericht Chatverläufe nach, in denen er sich als Frau ausgab, namentlich als Nicole, und über Sex mit seinem kleinen Neffen und kleinen Jungs in Schwimmbädern fantasierte. Auch hierbei, so die Ermittlerin im Zeugenstand, handele es sich um ein "typisches Verhalten Pädophiler, die sich als Frau ausgeben, um Vertrauen zu gewinnen".
Letztlich gab der von Rechtsanwalt Roland Lehnert vertretene Mann zu, dass die Laptop-Übergabe erfunden war. Doch danach erklärte er, dass er den Laptop erst 2014 erworben habe, musste sich aber nachweisen lassen, dass seine Chatverläufe auf diesem PC schon ab 2012 mit Kennungsnummer identifizierbar waren.
"Eine dritte Wahrheit will ich jetzt nicht hören", mahnte Zenefels und auch Schellhorn rief dem Angeklagten ins Gewissen, "sich seine Aussagen noch mal genau zu überlegen". Unterstrichen wurde dieser Rat durch die Androhung, den PC so auswerten zu lassen, dass auch weitere Zeiträume von an und von ihm ergangene Bilderanfragen klar ersichtlich würden. Zudem riet ihm Schellhorn, dass er zugeben möge, wenn er "ein Problem mit Neigungen" habe. Erst dann wäre therapeutische Hilfe für ihn möglich. Auch Richter Zenefels verdeutlichte bisweilen, was er vom Aussageverhalten des Lichtenfelsers denkt: "Ich ziehe Ihnen nicht alles aus der Nase raus!"
Das letztlich ergangene Urteil lag nicht weit von der Forderung der Staatsanwaltschaft entfernt. Es lautete sieben Monate Haft auf Bewährung für den Mann, der erstmalig mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Zudem muss er eine Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro zahlen und wird drei Jahre lang einem Bewährungshelfer unterstellt sein.