Das Fest des Heiligen Nikolaus ist für die Kinder der erste Meilenstein auf dem Weg hin zu Weihnachten. Denn während in evangelischen Gegenden bereits der Pelzmärtl am 11. November seine Gaben verteilt, bringt in den katholischen Regionen der Nikolaus am 6. Dezember kleine Geschenke.

Zum Nikolaustag wurden früher auch die geschriebenen Wunschzettel auf die Fensterbank gelegt oder vom Nikolaus persönlich mitgenommen. Ältere Herzogenauracher erinnern sich auch noch daran, dass sie ihre Wunschzettel unter der Tür des Pulverturms am Loritzhain durchschoben, da dieser wegen seiner spitzkegelförmigen Bedachung auch als "Nikolausturm" bezeichnet wurde.

Bei der Bescherung durch den Nikolaus erhielten die Kinder meist Nüsse, Äpfel und kleine Naschereien. Dieser zählte die Sünden der Kinder auf, die ihm von den Eltern Tage zuvor mitgeteilt oder bei seiner Ankunft auf einem Zettel zugesteckt worden waren. Den Brauch, einen Stiefel vor die Tür zu stellen, der dann mit Süßigkeiten gefüllt wurde, brachten erst die US-Amerikaner nach Europa mit.

Im Gegensatz zu den fast schon inflationären Kaufhaus-Nikoläusen trägt ein richtiger Vertreter seines Standes natürliche außer einem weißen Bart eine angemessene Gewandung. Dazu zählen ein Rauchmantel und eine Bischofsmitra. Unabdingbar ist auch ein großes, dickes Buch mit Goldeinband, in dem die "Verfehlungen" der Kinder notiert sind. Mit dem Vortrag aus diesem Wälzer sind natürlich auch die Ermahnungen an die Kinder verknüpft, sich bis zum nächsten Besuch zu bessern.

Mit allen diesen Attributen war ein Nikolaus ausgestattet, der in früheren Jahren am Abend des Namenstages in der Herzogenauracher Innenstadt zu sehen war, obwohl er mehr dem Bild eines gütigen Vertreters seiner Zunft entsprach. Denn aus einer mitgebrachten Tasche verteilte er großzügig seine milden Gaben an Kinder, aber auch Erwachsene, die seinen Weg kreuzten. Trotz der perfekten Verkleidung wurde der bekannte Herzogenauracher schnell erkannt. Schließlich bekleidete der geistliche Würdenträger für einen Tag das ganze Jahr über ein weltliches Amt als kommunales Oberhaupt eines Stadtteils. Sepp Bitter (1937-2009) war als "Rahmbergbürgermeister" bekannt und schlüpfte auch gern in andere Rollen.