Coburg — Mit einem eigenhändig angefertigtem "Mensch ärgere dich nicht"-Spielfeld inklusive eingraviertem Namen spielt es sich doch gleich viel besser: Beim Mädchen für Technik Camp dürfen dieses Jahr elf junge Mädchen für eine Woche in die Welt der Technik eintauchen.
Ermöglicht wird dies bereits seit 2003 von der Firma Brose, lange Zeit sogar als einziger Veranstalter in Oberfranken. Jedes Jahr dürfen Zwölf- bis Vierzehnjährige in verschiedene technische Berufe des Familienunternehmens hineinschnuppern. Hier liegt auch der Unterschied zu herkömmlichen Infoveranstaltungen: "Besonders die Praxiserfahrung im Unternehmen hilft vielen Mädchen, unentdeckte Talente kennenzulernen", erklärt Michael Stammberger, Ausbildungsleiter bei Brose. Die Teilnehmerinnen dürfen zum Beispiel selbst als Mechatroniker tätig werden und den 3D-Drucker bedienen. Dabei schauen ihnen Azubis über die Schulter, die Auszubildenden werden also zum Ausbilder.
Patrick Püttner, Geschäftsführer des Verbandes der bayerischen Metall- und Elektroindisutrie (VBM), weiß: "Bislang liegt die Rate der Frauenbeschäftigten in technischen Berufen bei knapp 25 Prozent." Um diesen Anteil zu erhöhen und den Vorurteilen gegenüber Frauen und Technik entgegenzuwirken, beginnt das Projekt "Technik ist Zukunft Bayern" bereits im Kindergarten. "Hier sind die Jugendlichen erfahrungsgemäß aufnahmefähiger und experimentierfreudiger", erklärt Stammberger.
Die Erfolge zeigen sich deutlich. "Allein, dass die Veranstaltung jährlich angeboten und weiterhin von den Sponsoren unterstützt wird, spricht für sich", freut sich Katja Herrmann, Pressesprecherin der Wirtschafts- und Tagespresse Deutschland. Das Camp wird nämlich seit Beginn finanziell vom VBM unterstützt, was allen Teilnehmerinnen eine kostenfreie Teilnahme ermöglicht.
Den jungen Mädchen soll eine gesunde Basis für die Zukunft geschaffen werden.


Mehr als nur Technik

"Wenn es um die Entscheidung für einen Beruf geht, ist es hilfreich, Vielseitiges ausprobiert zu haben", betont Stammberger. Viele der jüngeren weiblichen Brose-Bewerber konnten daher auch durch Veranstaltungen wie das Feriencamp beispielsweise gewonnen werden.
Neben der Technik steht aber auch das Miteinander im Fokus. Tagsüber wird gewerkelt und abends in der gemeinsamen Unterkunft Zeit verbracht. Das Übernachten sei ein bewusst gewählter Teil des Programms, erklärt Stammberger. Die Mädchen haben das gemeinsame Ziel, das Erarbeitete am Donnerstag vor den Eltern zu präsentieren. So wird neben der Selbstständigkeit auch die Gruppenkohärenz gefördert. "Es ist uns wichtig, eine Mitte zwischen Freizeit und Disziplin zu schaffen", erklärt Betreuer Martin Hildebrand. Die Ferienwoche hat in der Vergangenheit auch schon für einige länger andauernde Freundschaften gesorgt, freut sich der Sozialpädagoge.