Werner Höchstetter Was ist kompliziert, kostet viel Geld und gibt jederzeit Anlass zur Kritik? Wer auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) tippt, liegt zumindest nicht ganz falsch. Denn nach wie vor besitzt der Satz von Bürgermeister Wolfgang Möhrlein (CSU) aus vergangenen Zeiten Gültigkeit: "Wenn etwas schwierig ist, dann ist es der ÖPNV." Jedoch bahnt sich bei der Litzendorfer Variante der Stadtbusanbindung dank der vereinigten Bemühungen von Stadtwerken, dem kooperierenden Busunternehmen Metzner und der Gemeinde eine Lösung der sich schon über Jahre hinziehenden Verhandlungen an.

In den Hauptverkehrszeiten soll es laut Peter Scheuenstuhl von den Stadtwerken sogar zu einer Verdoppelung der Busfahrten kommen. 56 statt 28 Fahrten im 30-Minuten-Takt zwischen 5.30 und 18.55 Uhr, wie das Konzept vorsieht, lassen die Herzen der Stadtbusnutzer höher schlagen. Auch der Fahrpreis von 2,60 Euro für die 25-minütige Fahr ist für die rund 1600 Pendler eine attraktive Alternative zum Auto - ohne lästige Parkplatzsuche. "Schnell und bequem" müsse das Busfahren sein, natürlich barrierefrei und mit kurzen Umstiegszeiten, so Möhrlein. Zu 80 Prozent sei das Konzept fertig.

Mit dem anvisierten Nahverkehrskonzept würde Litzendorf mit anderen Stadtrandgemeinden wie Memmelsdorf und Bischberg in einer Liga spielen. Und die Gemeinde lässt sich das Ganze einiges kosten. "Wir wagen das jetzt einfach mal, und wenn das Angebot nicht so angenommen wird, dann haben wir halt Lehrgeld gezahlt", spornte der Bürgermeister an. Während andere Gemeinden fünfstellige Summen in den ÖPNV investierten, sei man in Litzendorf mit 126 000 Euro dabei. Abgerundet wird das "geniale" Farplankonzept (Gemeinderätin Susanne Bonora, SPD) noch durch das Anruflinientaxi, das den Bürgern in den Abendstunden auf Wunsch zur Verfügung steht. Dieses ist zum normalen Busfahrpreis zu haben, da die Gemeinde die Differenz von rund 15 Euro zu den tatsächlichen Kosten übernimmt. Busse wären laut Scheuenstuhl "viel teurer". Somit könne man praktisch mit einem einfachen Ticket, einer Monatskarte oder dem VGN-Tagesticket nachts "günstig Taxi fahren", wie aus dem Gremium verlautete. "Die Idee mit den kleinen Bussen ist ein Quantensprung", lobte Bonora das Konzept. Der Preis für dieses Zusatzangebot hält sich in Grenzen. In vergleichbaren Kommunen wie zum Beispiel Memmelsdorf seien für eine überschaubare Anzahl von Einsätzen für ein ganzes Jahr gerade einmal 1850 Euro an zusätzlichen Kosten entstanden.

Ein Zuschussgeschäft

Natürlich ist der ÖPNV seiner Natur nach ein Zuschussgeschäft. "Je mehr Fahrgäste, desto günstiger für die Gemeinde", warb Konstanze Metzner. Worauf Gemeinderat Georg Hollfelder (CSU) zur allgemeinen Erheiterung erwiderte, dass bei einer regen Nutzung des Angebotes die Gemeinde eigentlich "wieder was rauskriegen" müsste. Die Busfahrten teilen sich die Stadtwerke und die kooperierende Firma Metzner gerecht auf. Die Schwierigkeit besteht darin, die Peripherie in der Grossflächengemeinde stimmig anzubinden, damit keine langen Wartezeiten entstehen und trotzdem Busse und Bahn rechtzeitig zu erreichen sind, so Konstanze Metzner vom gleichnamigen Busunternehmen. Dem stimmte Gemeinderat Wolfgang Heyder (SPD) zu: "Der ÖPNV muss attraktiv gestaltet werden". Dies müsse dem Bürger aber auch via "Marketing transparent und deutlich vermittelt werden".

Bis Oktober soll die vorläufige Linienführung stehen, bevor diese 2021 in die Erprobung geht. Ab 2024 könnte alles eingetütet werden und der Startschuss für den Regelverkehr erfolgen. Wenn, ja wenn "Markus Söder nicht Bundeskanzler wird", warf Konstanze Metzner ein. Denn in diesem Falle sei nämlich das 365-Euro-Ticket zu erwarten, das alle Planungen über den Haufen werfen würde.