Zur Stellungnahme des Landrats Meißner zum Corona-Ausbruch im Pflegeheim Elisabeth Lichtenfels :

Landrat Meißner wäre gerne der Mann mit der weißen Weste. Er spricht von haltlosen irrationalen Vorwürfen, die völlig aus der Luft gegriffen sind. Altbekannte Floskeln, derer man sich gerne bedient, um von politischem Versagen abzulenken. Der Landrat hat offensichtlich noch nicht einmal verstanden, dass der Heimleiter Herr Franke keine Schuldzuweisung erhebt, sondern auf einen unglaublichen Missstand hinweist, den es in Zukunft zu vermeiden gilt. Denn irrational ist es meiner Meinung nach, dass jeder, ob Besucher oder Mitarbeiter, negative Tests nachweisen muss, um ihre Angehörigen für 30 Minuten zu sehen, das Impfteam jedoch ohne nachgewiesenen negativen Test das Pflegeheim betreten kann und mit fast allen Bewohnern in Berührung kommt. Auch wenn das Landratsamt rechtlich abgesichert ist, sagt einem der gesunde Menschenverstand, dass ein solches Vorgehen in einer Pandemie fatale Folgen haben kann. Fehler können passieren, aber schlimmer als Fehler zu machen, ist es, einen Fehler nicht zuzugeben. Meine Mutter verstarb wenige Tage nach dem Besuch des Impfteams an Corona. Sie ist nicht die einzige Verstorbene . In der Presse liest man bislang, einige Bewohner hätten Fieber , auch das stimmt so also nicht.

In dieser Zeit der Pandemie geht es mir genauso wenig wie Herrn Franke nicht um persönliche Schuldzuweisungen, aber eine charakterlich ehrliche Aussage des Landrats wäre gewesen "Ich weiß nicht, wie es dazu kommen konnte" anstatt kategorisch auszuschließen, dass es nicht auch durch das Impfteam eingeschleppt worden sein könnte. Solche Nachlässigkeiten in einem besonders vulnerablen Bereich wie einem Alten- und Pflegeheim kann man sich angesichts der Lage einfach nicht leisten. Dass nun vor dem Betreten eines Pflegeheims das Impfteam getestet sein muss, ist zu begrüßen, für das Elisabethheim kommt es hingegen zu spät.

Michael Thyzel

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