Nach einem ersten vergeblichen Versuch einer Reform Anfang der 2010er-Jahre ist nun wohl auch der nächste Versuch gescheitert, eine Reform der Regionalligen auf den Weg zu bringen. Ziel war es, den für viele Vereine und Fans unbefriedigenden Zustand zu beenden, dass nicht jeder Meister automatisch in die 3. Liga aufsteigt. Eine Reform-Kommission hatte dafür in fünf Sitzungen zwei Vorschläge erarbeitet, die jeweils die Reduzierung von fünf auf vier Regionalligen vorsahen. Über diese durften nun am Montag die Vereine der 3. Liga, der Regionalligen und der Oberligen abstimmen.

Um eines der beiden Modelle auf den Weg zu bringen, hätte es einer Zustimmung aus allen fünf Regionalligen gebraucht – doch die blieb aus. Zwar stimmten im Westen (60,9 Prozent), Norden (61,5 Prozent) und Nordosten (76,3 Prozent) die Vereine mit deutlicher Mehrheit für das Kompassmodell, das die Einteilung der Ligen künftig losgelöst von Landesgrenzen nach geographischen Gesichtspunkten vorsieht. Doch in Bayern und im Südwesten gibt es andere Wünsche. Und weil kurzfristig die Maßgabe der Einstimmigkeit aller Landesverbände zur Bedingung gemacht wurde, geht nun die Suche von vorne los.

Kurzfristige Änderungen

Doch nicht nur die Definition der notwendigen Mehrheit wurde in letzter Sekunde noch verschärft. Überrascht wurden die Vereine auch mit der Reduzierung der Regionalligen auf 18 Vereine. Damit änderten die Chefs der Regionalliga-Trägerverbände den ursprünglichen Vorschlag der Reform-Kommission, der vier Ligen zu je 20 Vereinen vorgesehen hatte, noch ab. Thommy Haeder, Sprecher der Initiative „Meister müssen aufsteigen“, sieht darin eine bewusste Einflussnahme auf das Abstimmungsverhalten der Vereine: „Die 20er-Staffeln waren ein zentraler Bestandteil der bisherigen Gespräche und stellen für viele Vereine einen wichtigen sportlichen wie wirtschaftlichen Faktor dar.“ Bei zwei fehlenden Heimspielen wäre die Liga finanziell deutlich unattraktiver, glaubt Haeder. Zudem werde bewusst mit der Angst der Vereine vor einem verschärften Abstieg in der Qualifikationssaison 2027/28 gespielt, um Verbandspolitik durchzusetzen.

Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) hatte seine Spitzenvereine am Montag ins Max-Morlock-Stadion in Nürnberg beordert. 42 Vereinsvertreter waren persönlich anwesend, 15 schalteten sich online zu. Für das Kompassmodell stimmten nur 45,2 Prozent. Ungeliebt ist im Freistaat mit 2,4 Prozent das Regionenmodell, das eine Aufteilung der Vereine der Regionalligen Nord, Nordost und Bayern auf zwei Staffeln vorsieht. Dies wiederum ist der klare Favorit im Südwesten (93,1 Prozent).

Die bayerischen Vereine äußerten in Nürnberg mit einer knappen Mehrheit von 52,4 Prozent den Wunsch, dass weitere Lösungsmodelle gesucht werden sollten. Auch diese Wahlmöglichkeit war auf Druck der Verbandschefs kurzfristig zur Abstimmung gekommen. Der BFV hatte ein Zwei-Phasen-Modell vorgeschlagen, wonach die Regionalligen nach der Hälfte der Saison in eine Auf- und Abstiegsrunde aufgespaltet werden.

Das Scheitern der Regionalliga-Reform ist für BFV-Präsident Christoph Kern keine Überraschung. Das Abstimmungsergebnis sei „genau so zu erwarten gewesen“. Den schwarzen Peter schiebt er der Reform-Kommission zu, mit deren Ergebnissen man in Bayern „nicht zufrieden gewesen“ sei. Deshalb hätten die bayerischen Vertreter in der Arbeitsgruppe „darauf gedrängt, vor einer Befragung der Klubs unbedingt noch weitere Lösungswege zu diskutieren – darunter auch eine 3. Liga mit 22 Teams und fünf Absteigern.“ Diese Zeit hätte man sich „zwingend nehmen müssen“, meint Christoph Kern. „Klar ist, dass eine Lösung der Aufstiegsfrage nur nachhaltig sein kann, wenn sie die überragende Mehrheit der Klubs auch mitträgt – das ist aktuell schlicht nicht der Fall.“

Doch wie geht es jetzt weiter? Ist damit die Regionalliga-Reform endgültig gescheitert? Von Seiten des BFV heißt es, dass es weiterhin “Ziel aller Regionalliga-Träger„ sei, „eine Struktur zu schaffen, die Aufstiegsspiele zur 3. Liga nicht mehr vorsieht“. Die Ergebnisse der Abstimmung würden nun zeitnah mit dem DFB erörtert, „um gemeinsam den weiteren Fortgang zu definieren“.