Es ist eigentlich gemein, einen Musiker zu bitten, seine Musik beschreiben. Fragt man jedoch Andi Klenk, Gitarrist bei "Dr. Umwuchts Tanzpalast", erhält man eine druckreife Antwort: "Wir nennen es Liedermacherjazzpunk und Disko. Unsere Musik kommt aus dem Singer/Songwriter-Bereich, beflügelt von einem jazzigen Offbeat, mit einer stabilen Rhythmusgitarre, und das bricht dann immer wieder in einen Four-to-the-Floor-Dancefloor-Bums aus."
Das ist kein Pressetext, sondern wörtliche Rede. Mehr muss man da als tumber Journalist gar nicht hinzudichten. "Dr. Umwuchts Tanzpalast" wissen schon ganz genau, was sie können und machen wollen. Sie tun das seit 2009, zumindest der Kern spielt bereits so lange zusammen. Seit wenigen Tagen gibt es das erste Album der Bamberger Band: "Freizeit als Beruf". Beim Konzert in Dresden bringen es die sechs unters Volk.
Zwei Tage vorher macht sich bei Andi Klenk schon etwas Ungeduld breit: "Ich freue mich total darauf, neue Bekanntschaften zu machen, alte wiederzutreffen ..." 13 Termine stehen auf dem Tourplan von "Dr. Umwucht". Nachts spielen sie in den Clubs, tagsüber stehen sie dann unplugged als Straßenmusiker auf der "Bühne".
Am 21. Mai ist wieder "Fête de la Musique" in der Bamberger Innenstadt. An die im vergangenen Jahr erinnert man sich
besonders gern: "Da haben sich so 70 von 100 Leuten ausgezogen, weil es so heiß war", erinnert sich Klenk. "Vielleicht geht es ja wieder in eine ähnliche Richtung." Es wird der erste Bamberg-Termin mit dem neuen Album sein.
2015 war bereits die EP "innovativ, authentisch, nah am Menschen" erschienen. Die Idee, ein Album rauszubringen, existiert schon seit 2016. "Damit wir es irgendwann unseren Kindern in die Hand drücken können. Vielleicht finden sie es dann
uncool, aber egal."
Allein, sechs Menschen - berufstätig, ein Student, zwei Familienväter - zusammen ins Studio zu bringen, das sei eine Sisyphosarbeit. Der Leitspruch der Band lautet: "Wozu machen wir Pläne?" Weil es hinterher so oft anders kommt. Ende September/Anfang Oktober 2017 mieteten sich "Dr. Umwuchts Tanzpalast" dann in ein Haus an der Ostsee ein, Lübecker Bucht. Um dort gemeinsam Lieder zu schreiben und sich zu einigen, welche drauf kommen, aufs Album.
Zehn Lieder sind es dann am Ende geworden zwischen fränkischer Arbeiterromantik und dieser ausgelassen-spielerischen Dancefloor-Attitüde. Eine lebensbejahende Musik. "Im Endeffekt haben wir es in zwölf Wochen hingeklopft", sagt Andi Klenk. "Da fragt man sich schon, wie haben wir das jetzt eigentlich geschafft?" Wegen der differenzierten Besetzung mit Saxofon, Kontrabass, Synthesizer, Percussion, Banjo, Ukulele ... sei es nicht ganz unkompliziert, "Dr. Umwucht" aufzunehmen. Die Arbeit fand in der Nürnberger Musikzentrale statt.
Vielleicht musste es so schnell gehen, damit es überhaupt klappt. Und es hilft vielleicht, dass "Dr. Umwucht" nach innen eine zwar augenzwinkernde aber effektive Organisation etabliert hat. Andi Klenk hat beispielsweise die organisatorische Gesamtleitung. Er bringt Erfahrung aus seinem Beruf als Konzertveranstalter mit. "Die musikalische Gesamtleitung hat Nikolaus", sagt er. "Die kulinarische Jakob und die allgemeine Thomas."


Besonderes Händchen

Auch die Verantwortung für die Texte der Band hat Thomas Kießlich. Sein Background liege im politischen Kabarett. Auf "Freizeit als Beruf" finde man Quatsch und Nonsens neben Sozialkritik und Alltagsbeobachtung. Thomas habe ein besonderes Händchen dafür, die Lebensrealitäten der sechs Männer um die 30 in Worte zu gießen.
So entstand zum Beispiel der sechste Song, "Der Dreeck": "Das ist der erste uns bekannte fränkische Arbeitersong. Die Lyrics kommen aus Erzählungen von Raimund, unserem Saxophonisten. Der ist Erfinder und Zukunftsforscher und Bauarbeiter und hat auf Baustellen so viele Eindrücke mitgenommen, dass wir einen Song daraus machen mussten."
Im Herbst soll das Material dann auch noch auf Vinyl gepresst werden. Und zur Veröffentlichung der Schallplatte gibt es dann sicher noch ein Konzert in Bamberg.
"Dr. Umwuchts Tanzpalast" wollen jetzt feiern, sich und ihr Werk. Oder noch einmal programmatisch in den Worten des Gitarristen: "Der Prozess ist das Grauen, das Ergebnis ist der Frühlingsmorgen. Der Sommer will genutzt sein."