Ein im wahrsten Sinne des Wortes "bewegendes" Stück tiefer Marienverehrung ist das Skapulierfest der Pfarrei St. Ägidius Lahm, wenn sich am Sonntagnachmittag - nach der Andacht mit Neuaufnahme in die Skapulierbruderschaft - ein beeindruckend langer Festzug durch das Dorf schlängelt. Von Samstag bis Montag stand der schmucke kleine Frankenwald-Ort nunmehr erneut im Zeichen des im Landkreis und weit darüber hinaus einzigartigen Glaubenszeugnisses, wenngleich heuer auf die Prozession ebenso verzichtet werden musste wie auf die Aufstellung eines großen Festzelts sowie eine Bewirtung.

"Das Skapulierfest ist heuer leider anders als in den vergangenen Jahren", bedauerte Pfarrer Sven Raube, das Ereignis nicht wie in der Vergangenheit feiern zu können. Trotz - und auch gerade wegen - der widrigen Umstände war ihm und der Pfarrgemeinde aber sehr daran gelegen, den Gedenktag "Unserer Lieben Frau auf dem Berge Karmel" auch in diesem Jahr in festlicher Art und Weise aufrechtzuerhalten.

Zum ersten Mal 1726 gefeiert, wurde das Ereignis seitdem Jahr für Jahr begangen, seit 1994 im großen Rahmen. Den Verantwortlichen ist nicht bekannt, dass das Hochfest in den nunmehr fast 300 Jahren einmal hätte "ausfallen" müssen. So hatte man sich auch heuer innerhalb der Pfarrei darauf verständigt, die schöne Tradition im kleineren, aber nicht weniger würdevollen Rahmen zu begehen.

Die große Anzahl an Gläubigen jeden Alters, die den dreitägigen Feierlichkeiten beiwohnte, belegte dann auch das Bedürfnis der Menschen eines "Kraft-Tankens" im Glauben und insbesondere bei der Gottesmutter. Zurück geht das "Hochfest zur allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel" auf die Ereignisse am 16. Juli 1251. Nach der Überlieferung erschien an diesem Tag dem Ordensmann Simon Stock die Muttergottes, ein Skapulier in der Hand haltend. Sie überreichte es ihm mit den Worten: "Das hier ist ein Zeichen für dich und ein Privileg für alle Karmeliten. Wer in diesem Gewand stirbt, wird vor den ewigen Flammen bewahrt." Die Vision des Simon Stock steht am Anfang der Skapulierfrömmigkeit. Das Skapulier wird sowohl von Ordensleuten als auch von Laien getragen. Besonders nach dem 17. Jahrhundert wurde es zu einem beliebten äußeren Zeichen des Vertrauens auf die Gottesmutter. In diese Zeit fällt auch die Gründung zahlreicher Skapulierbruderschaften - so etwa in Bamberg und 1726 in Lahm.

Teil der Ordenskleidung

Das Skapulier ist ursprünglich Bestandteil der Kleidung der Ordensleute. Es ist eine lange Stoffbahn, die über die Schultern getragen wird und vorn und hinten bis zu den Füßen herabfällt. Das kleine Skapulier der Bruderschaften besteht aus zwei Stoffteilen, die mit Bändern verbunden sind und die man unter der Kleidung trägt. Man könnte das Skapulier als ein Ordenskleid im Miniaturformat bezeichnen. Es symbolisiert auch den schützenden Mantel Marias. Als Ersatz für das Skapulier kann man eine eigens für diesen Zweck geprägte Medaille tragen.

Nach wie vor besteht erstaunliches Interesse am Skapulier. In den vergangenen Jahren ließen sich zahlreiche Gläubige, jung und alt, aus der ganzen Umgebung in die Skapulierbruderschaft aufnehmen - und so war es auch in diesem Jahr. Die eucharistische Andacht mit Feier der Neuaufnahme zelebrierte Pfarrer Sven Raube. Dieser freute sich sehr, auch in diesem Jahr unter Einhaltung der Corona-Sicherheitsbestimmungen sechs neue Mitglieder in die Skapulierbruderschaft aufnehmen zu können. Maria zeige sich auch in Gegenständen wie einem Rosenkranz oder einem Skapulier, das weitaus mehr als nur ein Stück Stoff sei, sondern ein Symbol für ihren schützenden Mantel. An sie könnten wir uns immer wenden - gerade in Zeiten wie diesen, wenn ein Virus die ganze Welt einnehme.

Am Sonntagmorgen wurde bereits um 7.30 Uhr eine Eucharistiefeier angeboten, bevor um 9 Uhr der Fest-Gottesdienst stattfand. Das Fest endete am Abend des Skapulierfest-Montags mit der Eucharistiefeier für die Verstorbenen der Skapulierbruderschaft, zelebriert von Pfarrer Sven Raube mit dem Neupriester Christian Wohlfahrt aus Obertrubach. Am Ende zeigten sich die Besucher tief bewegt vom außergewöhnlichen Festprogramm, das - trotz aller widrigen Umstände - in seiner Würde, Achtsamkeit und Festlichkeit dem feierlichen Anlass mehr als gerecht wurde. hs