Der markante Steilhang unter dem Gipfelkreuz des Bergleins bei Marktgraitz steht im Fokus des Landschaftspflegeverband Landkreis Lichtenfels (LPV). Der Hang wurde bereits vor vielen Jahren erstmalig freigestellt und soll dauerhaft offen bleiben.
Das extrem steile Gelände und der starke Verbuschungsdruck vor allem durch Robinien stellen große Herausforderungen dar. Der Hang wurde erst im vergangenen Herbst mühevoll von einem Landschaftspflegetrupp komplett nachentbuscht. Doch heuer erreichten die Neuaustriebe begünstigt durch die regenreiche Witterung wieder Höhen von über 2 Metern und bildeten ein fast undurchdringliches Dickicht im Westteil der Fläche.
Mit dem BayernNetzNatur-Projekt (BNN) "Weidelandschaft Obermain" konnte nun eine alternative Pflege- und gleichzeitig echte Nutzungsform durch Ziegenbeweidung realisiert werden, um diese Probleme in den Griff zu bekommen. Die vierbeinigen Landschaftspfleger sind für dieses Gelände viel besser geeignet als Zweibeiner mit Astscheren und Motorsensen. Letztere hatten tatsächlich schon nach speziellen Bergschuhen mit Stahlnägeln angefragt, um bei ihrer Arbeit nicht abzurutschen.


Geld von der Glücksspirale

Dem Projektleiter Gerhard Hübner war an einer schnellen Umsetzung der Beweidung gelegen. Noch waren die fiesen Dornen der Robinie weich und die Austriebe nicht allzu hoch. Im kommenden Jahr hätte sich die Situation weiter verschärft. Um einen Ziegenhalter für diese Aufgabe zu gewinnen, musste eine feste Einzäunung des Gesamtareals her. Niemand würde sich mehr finden, das schwierige Gelände parzellenweise mit Zaunnetzen abzustecken und umzusetzen. Die knapp bemessenen Landschaftspflegesätze reichen in solchen Fällen gerade mal für die tägliche Betreuung der Tiere und die Zaunkontrollen aus. Das BNN-Projekt ist insofern ein Glücksfall, da die Zaunbaumaßnahme über das BNN-Projekt mit 85 Prozent Förderung über den Bayerischen Naturschutzfonds aus Erträgen der Glücksspirale finanziert werden konnte.
Der LPV hat mit Daniel Stief schließlich einen versierten und in der Landschaftspflege erfahrenen Umsetzungspartner gefunden. Er kommt aus Buckendorf und war bislang vor allem im Bamberger Jura bei Weideprojekten tätig. Im Raum Lichtenfels wird er neben dem Berglein weitere Beweidungsaufträge übernehmen, wie z.B. an der Burgruine Niesten bei Weismain. Am Berglein hat er momentan 30 Burenziegen und einen Bock eingestellt. Die Tiere des anerkannten Herdbuchzüchters sind in aller Welt gefragt und wurden bereits nach Afrika, in die Karibik und sogar nach Nordkorea verkauft. Daneben versorgt er vor allem um Ostern die heimische Gastronomie mit Zickleinfleisch. Zudem verriet Stief, dass bei einigen anstehenden Kirchweihfesten Bocksbraten aus seiner Zucht als Spezialität angeboten wird.


Dritter Versuch

Das ganze Projekt steht unter kritischer Beobachtung der Bevölkerung vor Ort. Schließlich wurde in der Vergangenheit bereits zweimal versucht, eine dauerhafte Ziegenbeweidung zu etablieren, die nicht zum gewünschten Erfolg führte und wieder aufgegeben wurde.
Bürgermeister Jochen Partheymüller und sein Stellvertreter Georg Bülling machten sich gemeinsam mit dem Geschäftsleiter des LPV Manfred Rauh und BNN-Projektleiter Gerhard Hübner ein Bild vor Ort und waren sehr zufrieden mit dem Zwischenergebnis nach 14-tägiger Beweidung.
Die Gemeinde als Grundeigentümer hat ein Interesse daran, dass vom Berglein der Ausblick in das Steinach- und Rodachtal gewahrt bleibt und umgekehrt der offene Steilhang als markantes Wahrzeichen von Marktgraitz aus der Ferne wahrgenommen wird. red