Veronika Schadeck

Der Landkreis Kronach ist nicht so schlecht, wie er im Zukunftsatlas im Jahre 2016 vom Wirtschaftsinstitut Prognos dargestellt wurde. Damals schnitt der Landkreis Kronach unter 402 Landkreisen deutschlandweit mit dem Platz 359 schlecht ab. Deshalb gab es Anfang 2017 eine gemeinsame Sitzung mit dem Wirtschaftsgeografen Peter Kaiser von der Prognos AG. Damals wurden die Ergebnisse zusammen mit Mitgliedern des IHK-Gremiums und des Kreisentwicklungsausschusses diskutiert.
Im ersten Quartal 2018 haben der Vorsitzende des IHK-Gremiums Kronach, Hans Rebhan und Landrat Klaus Löffler nun ein entsprechendes Schreiben verfasst.
In diesem wird Prognos gebeten, nochmals ihre Bewertungskriterien zu überdenken. "Wir dürfen das Ranking nicht auf die leichte Schulter nehmen", so Hans Rebhan, zumal dieses in der Finanz- und Wirtschaftswelt oder bei der Gewinnung von Fachkräften als Bewertungskriterien herangezogen wird.
Rebhan bittet in seinem Schreiben, insbesondere die Kriterien wie Qualifizierung der Arbeitnehmer, Gründerintensität oder Arbeitslosenquote zu hinterfragen.


Niedrige Arbeitslosenquote

Denn, so meinte er, konstant gute Ergebnisse verhindern eine gute Bewertung. In diesem Zusammenhang geht er auf die niedrige Arbeitslosenquote ein, die seit Jahren im Landkreis unter drei Prozent liegt: "Das bedeutet Vollbeschäftigung!" Das hier keine großen Veränderungen erzielt werden können, verstehe sich von selbst. Deshalb könne dieser Faktor nicht negativ ausgelegt werden.
Die niedrige Arbeitslosenquote hänge auch mit der Gründerstagnation zusammen, gibt Rebhan im Schreiben zu bedenken. Wenn die Menschen sichere Arbeitsplätze haben, dann sei eben der Gründungswille niedriger als bei einer hohen Arbeitslosenquote. "Wir müssen hier handeln", so Landrat Klaus Löffler. Er weist auf die positive Entwicklung des Landkreises in den vergangenen Jahren hin. Zum ersten Mal sei die "Wissenschaft" ein Thema in Region.
Für ihn gilt es, die "Stärken zu stärken und die Herausforderungen zu minimieren".
Der Landkreis setzt deshalb auf eine noch stärkere Vernetzung und auf ein Strukturentwicklungskonzept, in dem aufgezeigt werden soll, wohin die Entwicklung des Landkreises in ein paar Jahren führen könnte. "Wir müssen unsere starken PS auf die Straße bringen!"
Zuvor spricht er aber von positiven Entwicklungen, wie beispielsweise vom Betreuungsnetzwerk Lebensqualität für Generationen, von einem starken Ehrenamt oder von einer sozialen Ausgewogenheit.
Rebhan ergänzt, dass derzeit über 100 Studierende aus ganz Deutschland am Studiengang "Zukunftsdesign" teilnehmen beziehungsweise dafür Interesse zeigen. Er betont, dass auch die Abwanderung stagniere. Das Problem sei die Sterberate, so Rebhan. Unmittelbar nach der Wende seien die Geburtenraten in der Region schwach gewesen und nun fehlen diese Kinder. Sowohl er als auch Klaus Löffler sprechen von einer Aufbruchstimmung im Landkreis. "Das bürgerschaftliche Engagement ist beispielhaft!", so Rebhan.


Schreiben an Prognos

Er verschickte sein Schreiben an die Prognos AG, Europäisches Zentrum für Wirtschaftsforschung und Strategieberatung bereits im Januar 2018, der Landrat zwei Monate später. Bisher haben beide noch keine Antwort erhalten. Beide warten auf eine Reaktion. Schließlich ist das Ranking ein erster Anhaltspunkt, den Außenstehende zu einer Bewertung heranziehen. Das Ranking kann die Entscheidung mit beeinflussen, ob ein Bürger, eine Familie ihren Lebensmittelpunkt in den Landkreis verlegt beziehungsweise zurückkommt.
Im nächsten Jahr wird der Prognos-Zukunftsatlas wieder erstellt. Und da hoffen sowohl Rebhan als auch der Landrat auf eine viel bessere Wertung ihrer Heimat.