Die Fronten waren lange verhärtet im Zweckverband zur Wasserversorgung der Gärtenrother Gruppe. Für eine Sanierung des Netzes stehen Kosten in Höhe von 30 Millionen Euro im Raum, die auf 388 Anschlussnehmer umgelegt werden sollen. Grundbesitzer befürchten Rechnungen in Höhe von 50.000 bis 60.000 Euro.

Zum Zweckverband gehören Dörfer auf Burgkunstadter Seite (Gärtenroth, Wildenroth, Hainzendorf, Kirchlein, Reuth, Lopphof, Eben und Flurholz) und auf Mainleuser Gemeindegebiet (Eichberg, Danndorf, Schimmendorf und Schwarzholz).

Wie mit dem Problem umgegangen werden soll, darüber gingen bisher die Meinungen auseinander. Die drei Mainleuser Zweckverbandsräte wollten aus dem Zweckverband aussteigen und für die Bürger auf ihrem Gebiet eine eigene Lösung suchen.

Doch für eine Auflösung ist eine Stimmenmehrheit erforderlich. Die gab es bisher nicht, denn die drei Vertreter der Burgkunstadter Seite waren dagegen – es gab also ein Patt.

Nach den Wahlen im März und einem Führungswechsel im Burgkunstadter Rathaus ist nun Bewegung in die Sache gekommen.

Die neue Bürgermeisterin Susanne Bock von Wülfingen löste ihre Vorgängerin nicht nur als Bürgermeisterin ab, sondern auch als Vorsitzende des Zweckverbands der Gärtenrother Gruppe.

Und plötzlich tut sich etwas: Der Burgkunstadter Stadtrat hat in seiner jüngsten Sitzung ohne weitere Diskussion sein Einverständnis zur Auflösung gegeben.

Wie kam es zu dem Sinneswandel? Die Burgkunstadter Bürgermeisterin erklärt, sie habe die Diskussionen natürlich verfolgt und sich in den vergangenen Monaten in die Thematik eingearbeitet.

Für Bock von Wülfingen stellt sich die Situation eindeutig dar: „Auf der bisherigen Ebene kommen wir nicht zusammen.“ Es mache keinen Sinn, auf Biegen und Brechen an einer Gruppe festzuhalten, bei der die eine Hälfte nicht mehr mitmachen wolle.

Das sei wie in einer schlechten Ehe: „Da wird keiner glücklich.“ So habe es auch das Landratsamt Lichtenfels bei einem Schlichtungsgespräch im Januar gesehen. „Auch die haben empfohlen, die Scheidung einzureichen.“

Im Vorfeld der jüngsten Stadtratssitzung habe sie mit den Räten gesprochen, die dann ihr Einverständnis zur Auflösung des Zweckverbands gegeben haben.

Die Experten sind gefragt

Wie geht es nun weiter? „Jetzt brauchen wir Experten, mit denen wir uns an einen Tisch setzen und die uns sagen, was erforderlich ist, die Scheidung zu vollziehen“, erklärt die Zweckverbandsvorsitzende das geplante Vorgehen.

Es müsse ermittelt werden, welche (baulichen) Maßnahmen erforderlich sind, um die Dörfer vom jeweiligen Hoheitsgebiet aus zu versorgen. „Es müssen belastbare Zahlen auf den Tisch“, stellt sie dazu fest.

Sie zeigt sich zuversichtlich, dass die Trennung gütlich vollzogen wird. Dass sich der Mainleuser Bürgermeister Robert Bosch als stellvertretender Zweckverbandsvorsitzender zur Verfügung gestellt habe, wertet sie in diesem Zusammenhang als gutes Zeichen.

„Jetzt geht es darum, Klarheit in die ganze Sache zu bringen.“ Es müsse aufgezeigt werden, welche Belastungen in den nächsten 30 Jahren auf die Bürger zukommen. „Unser Ziel muss es sein, die Angst zu nehmen“, betont Bock von Wülfingen.

Über diese „gute Entwicklung“, auch für die betroffenen Bürger, freut sich der Mainleuser Bürgermeister. Er schätze den offenen und transparenten Umgang der neuen Burgkunstadter Kollegin, betont Bosch.

FWO-Leitung ist eine Option

Aus Mainleuser Sicht sei die geplante neue Fernleitung der Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO) im Norden eine Option zur Lösung des Problems. Hier sei ohnehin ein Ringschluss geplant, da Mainleus bislang nur aus dem Süden an die FWO angebunden ist und so die allgemeine Versorgungssicherheit verbessert werden könnte.

In diesem Zuge könnten die Mainleuser Dörfer der Gruppe mit angeschlossen werden.

„Wenn die Auflösung beschlossen ist, kann man in die konkrete Planung gehen“, so Bosch. Wichtig sei für ihn, dass von Anfang an die Zahlen auf den Tisch kommen. „Es muss klar sein, wie die Wasserversorgung in den nächsten Jahrzehnten finanziert wird.“ Ein Vorteil sei, dass die betroffenen Dörfer dann einem größeren Verbund angehören, bei dem sich die Lasten auf viele Schultern verteilen. „In einem kleinen Verbund machen sich ja selbst kleine Investitionen bemerkbar.“