Ihren 85. Geburtstag feierte Ursula Pöhlmann im Kreise von Familie und Freunden in ihrem Garten. An Lebensenergie mangelt es ihr bis heute nicht. „Wenn die Augen nicht wären, könnte ich die Welt noch einreißen“, sagt sie mit einem Schmunzeln.

Geboren wurde Ursula Pöhlmann in Coburg, aufgewachsen ist sie im thüringischen Ummerstadt, nur einen Kilometer von der damaligen innerdeutschen Grenze entfernt. Die Eltern betrieben dort ein Fuhrunternehmen und eine Landwirtschaft. Als die Familie 1952 zwangsenteignet wurde, begann für die damals elfjährige Ursula eine Flucht-Odyssee, an die sie sich bis heute gut erinnert. Der Vater verkaufte Möbel, um die nötigen Geldmittel für die Flucht aufzubringen. Über Erfurt und Ostberlin gelangte die Familie nach Westberlin, von dort aus per Flugzeug nach Frankfurt am Main und schließlich mit dem Zug nach Rodach, wo Verwandte lebten. Da es dort aber keine Arbeit gab, verschlug es die Familie in den Raum Nürnberg, ehe Ursula Pöhlmann schließlich in Mainleus ihre Heimat fand.

Sie arbeitete unter anderem in der Küche in Rummelsberg und später bei Eisenhut, wo sie auch ihren Ehemann kennenlernte. Nach der Heirat zog sie zur Landwirtschaft ihres Mannes nach Mainleus, wo sie gemeinsam eine Familie gründeten. Die drei Söhne Martin, Klaus und Dieter sorgten dafür, dass es nie langweilig im Hause Pöhlmann wurde. Heute gehören außerdem fünf Enkel, drei Urenkel und bald ein vierter Urenkel zur großen Familie.

Viele Jahre engagierte sich Ursula Pöhlmann im Gartenbauverein und bei der Feuerwehr. Für die Feuerwehr stand sie 30 Jahre am Herd und kochte unter anderem ihre beliebte saure Brühe. Das Vereinsleben und die Gemeinschaft waren ihr stets wichtig. „Ich bin parteilos und immer gradaus“, sagt Ursula Pöhlmann über sich selbst. Uschi Prawitz